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Dienstag, 23.05.2017
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Sonneneruption kollidiert mit Komet

Koronarer Massenausbruch sprengte Plasmaschweif des Kometen Encke ab

Ein NASA-Satellit ist Augenzeuge einer ungewöhnlichen kosmischen Kollision geworden: dem Zusammenstoß eines Kometen mit einer Sonneneruption. Zum ersten Mal konnten Astronomen dadurch dieses seltene Schauspiel direkt beobachten. Die Kollision trennte sogar den Schweif des Kometen ab, wie die Wissenschaftler jetzt in den „Astrophysical Journal Letters“ berichten.
Encke vor der Kollision

Encke vor der Kollision

Kometen gelten als eisige Relikte des frühen Sonnensystems. Vor Milliarden von Jahren entstanden, ziehen sie ihre Bahn normalerweise in kalten, sonnenfernen Bereichen. Doch ab und zu lenkt die Anziehungskraft eines Planeten oder andere Kometen sie auf eine Bahn, die sie durch das innere Sonnensystem führt. Hier lässt die Hitze einen Teil ihrer Materie ausgasen und es entsteht der Kometenschweif. Er besteht aus zwei Komponenten: einem Staubschweif und einem Schweif aus elektrisch geladenem Gas, dem Plasma.

Eruption trennt Schweif ab


Einer dieser Kometen, die periodisch durch das innere Sonnensystem ziehen, ist Encke. Im Frühjahr dieses Jahres passierte er die Umlaufbahn des sonnennächsten Planeten Merkur und flog relativ nahe an der Sonne vorbei. Und genau da geschah es: Ausgerechnet in diesem Moment ereignete sich eine gewaltige Sonneneruption. Die Sonnenoberfläche schleuderte eine große Wolke von magnetisiertem, glühendem Gas weit in den Weltraum hinein. Solche so genannten koronaren Massenausbrüche umfassen Milliarden Tonnen Materie und rasen mit Geschwindigkeiten von 100 bis 3.000 Kilometern pro Sekunde durch das All.

Komet nach der Kollision

Komet nach der Kollision

Die solare Eruption traf den Kometen Encke knapp hinter seinem Kern. Eine der Sonnenbeobachtungssonden des NASA-Weltraumobservatoriums „Solar Terrestrial Relations Observatory“, kurz STEREO, wurde Augenzeuge dieser kosmischen Kollision. Sie beobachtete, wie die glühende Magnetwolke den Plasmaschweif des Kometen zuerst hell aufleuchten ließ und ihn dann vollständig abtrennte. Der losgelöste Schweif wurde von der Wolke mitgerissen und davongetragen.


Kurzschluss im Magnetfeld


„Wir waren geradezu von Ehrfurcht ergriffen, als wir diese Bilder sahen“, erzählt Angelos Vourlidas, Astronom am Naval Research Laboratory in Washington. „Das ist das erste Mal, dass wir eine Kollision zwischen einem koronaren Massenausbruch und einem Kometen beobachtet haben und die Überraschung, den Schweif abgetrennt zu sehen, war das Tüpfelchen auf dem i.“

Die Forscher vermuten, dass Encke seinen Plasmaschweif letztlich durch die Verzerrung der Magnetfeldlinien im Bereich der Kollision verlor. Die Magnetwolke der Eruption schob die Feldlinien zusammen und genau hinter dem Kern des Kometen trafen sich zwei Feldlinien mit entgegengesetzter Polung. Dieser plötzliche „Kurzschluss“ im Magnetsystem setzte einen Energiepuls frei, der den Kometenschweif quasi vom Kern absprengte. Ähnliche Prozesse, wenn auch in viel schwächerer Form, ereignen sich während eines Sonnensturms im irdischen Magnetfeld. Sie sind unter anderem für die Polarlichter verantwortlich.
(NASA/Goddard Space Flight Center, 02.10.2007 - NPO)
 
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