• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 19.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Meteorit schuld am Tod der Mammuts?

Himmlische Explosion als Ursache für Aussterben der Großsäuger vor 12.000 Jahren

Was ließ die eiszeitlichen Mammuts aussterben und brachte die Steinzeitmenschen Nordamerikas vor 13.000 Jahren an den Rand des Untergangs? Diese Frage wird seit Jahren heiß diskutiert. Eine ungewöhnliche Antwort liefern jetzt amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“: Sie machen die Explosion eines Meteoriten in der Erdatmosphäre dafür verantwortlich.
Meteoriteneinschlag

Meteoriteneinschlag

Mammuts und viele eiszeitliche Großsäuger sind heute ausgestorben. Als wahrscheinlichste Ursache gilt eine zu starke Bejagung durch die frühen Menschen oder aber eine Seuche, die diese Tiere dahinraffte. Ein internationales Forscherteam, darunter auch Geologen der Northern Arizona Universität, hat jetzt Belege dafür aufgedeckt, dass vor 12.900 Jahren ein Komet oder ein anderes Objekt geringer Dichte Kurs auf die Erde nahm und in der oberen Atmosphäre explodierte. Diese Explosion muss nach Ansicht der Forscher einen „Pfad der Zerstörung“ durch die Lebensräume der Großsäuger und Menschen der damaligen Zeit gezogen haben.

Feuer, Schock und Klimawandel


„Die Detonation hat sie entweder gegrillt oder aber die Schockwelle tötete sie“, erklärt Ted Bunch, Professor für Geologie und früher NASA-Experte für Kraterforschung. „Es folgte eine Art Mini-nuklearer Winter.“ Bisher allerdings hatte niemand einen Krater gefunden, der einen solchen Einschlag um diese Zeit belegen könnte. Das Forscherteam aber geht davon aus, dass der Komet, der wahrscheinlich vier bis sechs Kilometer im Durchmesser maß, rund 50 bis 100 Kilometer über der Erdoberfläche explodierte und deshalb keinen Krater hinterließ. Was aber folgte waren eine starke Schockwelle, Feuerstürme und eine Abkühlung des Klimas in Nordamerika und Europa.

„Der Komet könnte während seiner Annäherung an die Erde in kleinere Stücke zerbrochen sein, die an unterschiedlichen Stellen über den beiden Kontinenten explodierten“, erklärt Bunch. Belege für solche multiplen Explosionen sehen die Wissenschaftler in einer zehn Zentimeter dicken „Schwarzen Matte“ aus kohlenstoffhaltigem Material, die nördlich bis nach Kanada, Grönland und Europa reicht und sich südlich bis zu den Inseln vor der Küste Kaliforniens und nach Carolina erstreckt.


Ein Kohlenstoffpartikel mit extraterrestrischen Einschlüssen.

Ein Kohlenstoffpartikel mit extraterrestrischen Einschlüssen.

Extraterrestrische Kohlenstoffverbindungen


Im Material dieser Matte fanden die Forscher Kohlenstoffverbindungen, die typisch für eine hohe Hitzeentwicklung sind. Außerdem finden sich auch Moleküle darin, die außerirdischen Ursprungs sein müssen, wie beispielsweise Fullerene, runde, 60-atomige Kohlenstoffverbindungen, die typischerweise bei Schockereignissen außerhalb der Erdatmosphäre entstehen. In den Fullerenen sind Konzentrationen des Helium-3-Isotops enthalten, die höher sind als für die irdische Atmosphäre typisch. Auch Nanodiamanten entdeckten die Wissenschaftler in der Schwarzen Schicht. Da diese nur unter extrem hohem Druck, beispielsweise im interstellaren Raum außerhalb des Sonnensystems gebildet werden, ist dies ihrer Ansicht nach ein weiters Indiz für einen extraterrestrischen Einschlag.

„Entweder sind diese Dinge mit dem Impaktor eingetragen worden oder sie entstanden während der Explosion“, erklärt Bunch. Die Heftigkeit der Explosion muss gewaltig gewesen sein. „Eine Wasserstoffbombe entspricht ungefähr 100 bis 1.000 Megatonnen TNT“, so der Forscher. „Die Detonationen, über die wir hier sprechen, hatten jedoch rund zehn Millionen Megatonnen. Das ist mehr als die gesamte Sprengkraft aller Atombomben weltweit heute und in der Vergangenheit.“

Himmlische Explosionen häufiger als angenommen?


Nach Ansicht der Forscher haben diese Detonationen eine gewaltige Eisdecke, bekannt als Laurentide-Eisdecke, destabilisiert, die zu jener Zeit einen Großteil Kanadas und Nordamerikas bedeckte. Die Explosionshitze und Feuerstürme hätten einen großen Teil des Eises geschmolzen und Wasserdampf in die Atmosphäre freigesetzt. In jedem Fall stellten die Wissenschaftler fest, dass unterhalb der Ablagerungen aus dieser Zeit – der schwarzen Matte - Fossilien von Mammuts und anderen Großsäugern, sowie von den frühen Jägern der so genannten Clovis-Kultur häufig waren.

Darin und darüber jedoch fehlt jede Spur solcher Relikte. Ursache könnte der Klimaumschwung und die Zerstörungen der Explosion gewesen sein. Die Geologen halten solche Ereignisse, bei denen Himmelskörper in der Atmosphäre zerplatzten, für generell häufiger, als bisher angenommen. Wahrscheinlich haben sich sogar zwei bis drei davon allein in den letzten 100.000 Jahren ereignet – und weitere könnten folgen.
(Northern Arizona University, 25.09.2007 - NPO)
 
Printer IconShare Icon