Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 13.03.2010
Fett repariert Knorpelschäden
Wissenschaftler identifizieren Erfolg versprechenden Wachstumsfaktor
Auch Körperfett hat etwas Positives: Fettgewebe, das etwa beim Absaugen überflüssiger Pölsterchen entnommen wird, könnte in Zukunft zur Heilung von Knorpelschäden benutzt werden. Denn Wissenschaftler haben in einer neuen Studie verbesserte Möglichkeiten entdeckt, aus Fettgewebe Stammzellen zu isolieren und zugleich einen Wachstumsfaktor identifiziert, der die Umwandlung dieser Stammzellen in Knorpelzellen fördert.

Mesenchymale Stammzellen
Mesenchymale Stammzellen
© Martin Gastens / Herz- und Diabeteszentrum NRW
"Knorpelschäden heilen, anders als Knochenbrüche, nicht von selbst", erklärt Professor Wiltrud Richter von der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg in der Fachzeitschrift "Journal of Cellular Physiology". Denn das Potential zur Selbstheilung ist beim Knorpel sehr begrenzt, da keine Blutgefäße, Nerven oder Lymphgefäße das Gewebe durchziehen. Viele schmerzhafte Gelenkveränderungen sind auf Knorpelschäden zurückzuführen und nur durch eine Regeneration des Gewebes zu heilen. Das Knorpelgewebe spielt eine wichtige Rolle beim Schutz der Gelenke. Es ist in begrenztem Umfang vorübergehend verformbar und kann als "Stoßdämpfer" Belastungen ausgleichen.

Bereits vor einigen Jahren haben Wissenschaftler festgestellt, dass nicht nur die vielseitigen Stammzellen im Knochenmark zu Knorpelzellen heranreifen können. Auch Stammzellen, gewonnen aus Fettgewebe, sind dazu in der Lage. Während sich Stammzellen aus Knochenmark von nahezu allen Patienten im Labor bereitwillig zu Knorpelzellen entwickeln, gelang dies mit Stammzellen aus Fettgewebe bisher nur für etwa zehn Prozent der Spender.

Wachstumsfaktor BMP6 entscheidend
Die Heidelberger Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass viele Stammzellen aus Fettgewebe bestimmte Wachstumsfaktoren nicht von selbst produzieren, die für eine erfolgreiche Entwicklung zu Knorpelzellen notwendig sind.

Sie entdeckten, dass durch Zugabe solcher Wachstumsfaktoren in Zellkultur ihre Entwicklung zu Knorpelzellen gefördert werden kann, wobei die Fettstammzellen besonders gut auf den Wachstumsfaktor BMP6 ansprachen. Dadurch können nun, wie bei Stammzellen aus Knochenmark, für praktisch alle Spender erfolgreich Knorpelzellen aus Fettstammzellen hergestellt werden. Allerdings schlagen die Stammzellen aus Knochenmark wie Fettgewebe einen ähnlichen Weg ein wie Knorpel, der während der Embryonalentwicklung durch Knochen ersetzt wird.

"In unseren weiteren Forschungsarbeiten wollen wir erreichen, dass die Stammzellen so heranreifen, dass sie den Knorpel dauerhaft stabilisieren und kein Risiko besteht, dass sie nach einer gewissen Zeit durch Knochenzellen ersetzt werden", sagt Richter.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Stammzellen, Fett, Knorpel, Wachstumsfaktor, Blutgefäße, Nerven, Gewebe
Weitere News zum Thema
Maus-Stammzellen: ungeeignetes Modell für den Menschen? (05.03.2010)
Unvollständige Reprogrammierung der Epiblast-Stammzellen kann Ergebnisse verfälschen
Krebs: „Ur-Gen“ entdeckt (12.02.2010)
Forscher weisen Krebsgen in urzeitlichen Vielzellern nach
Stammzellen: Rettung durch Kommunikation (03.02.2010)
Signalkanäle zu kranken Hirnzellen bewahren diese vor dem Tod
Braune Fettzellen verbrennen Fettpölsterchen (03.12.2009)
Neu entdeckter Signalweg regt Produktion und Funktion brauner Fettzellen an
Gentherapie stoppt Nervenkrankheit ALD (06.11.2009)
Erste erfolgreiche gentherapeutische Behandlung des Zentralnervensystems
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Stammzellquellen gesucht
Auf vier Wegen zurück zum „Alleskönner“
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Personalisierte Ernährung
Maßgeschneiderte Ernährung oder Allerweltskost?
Klonen - Menschen nach Maß?
Der Griff nach dem menschlichen Erbgut
Wissenschaft auf dem Prüfstand
Wie weit darf die Forschung gehen?
Lebenselixier Blut
„Ein ganz besondrer Saft“
News des Tages
Der Südpol ist heiß – auf dem Neptun
Fett repariert Knorpelschäden
Bildung lohnt sich doch
Dicke werden für dumm gehalten
Eulen helfen Ingenieuren
Wie Abwehrzellen intolerant werden
Bücher zum Thema
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Wunder Mensch
Eine Reise durch unseren Körper von Alexander Tsiaras und Barry Werth
Forschung an embryonalen Stammzellen
von Gisela Badura-Lotter
Der kleine Medicus
von Dietrich H. W. Grönemeyer
Dolly
Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter von Colin Tudge, Ian Wilmut & Keith Campbell
Top-Clicks der Woche
1. Oktopus tarnt sich als Flunder
2. Neue Belege für “Schneeball Erde”
3. Dinosaurier: Der Tod kam doch aus dem All
4. Erdrotation beeinflusst Unterwasserwellen
5. Riesenschlange fraß Baby-Dino