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Freitag, 10.02.2012
Nordwestpassage nahezu eisfrei
Arktisches Meereis erreicht historischen TIefstand
Die Eisbedeckung der Arktis hat einen neuen Rekordtiefstand erreicht: Das Sommereis im Nordpolargebiet ist so weit geschrumpft wie noch niemals seit Beginn der Satellitenmessungen. Neue Satellitenbilder der ESA zeigen zudem, dass auch die Nordwestpassage, eine historisch als unpassierbar geltende Meeresverbindung im Norden Kanadas, jetzt wieder befahrbar wäre.

Eisschmelze in der Arktis
Eisschmelze in der Arktis
© ESA Eisschmelze in der Arktis
Die Polarregionen gelten als sehr sensible Indikatoren für den Klimawandel. Nach Ansicht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) sind diese Gebiete extrem anfällig für die global steigenden Temperaturen. Die Klimaforscher des IPCC prognostizieren, dass die Arktis bis 2070 nahezu vollständig eisfrei sein könnte. Einige erwarten sogar, es dies bereits 2040 der Fall ist. Neue Daten des Satelliten Envisat der ESA jedoch zeigen ein noch alarmierenderes Bild: „Die eisbedeckte Fläche ist auf nur noch drei Millionen Quadratkilometer geschrumpft”, erklärt Leif Toudal Pedersen vom dänischen Weltraumzentrum. „Das ist eine Millionen Quadratkilometer weniger als die vorherigen Minima in den Jahren 2005 und 2006.“

Schrumpfungsrate verzehnfacht
Ein Schrumpfen des arktischen Eises im Nordsommer gehört zum natürlichen Jahreszeitenrhythmus. Doch die Satellitendaten, die seit 1978 erhoben werden, belegen, dass sich die Rate des Eisverlusts in den letzten Jahren beschleunigt hat. In den letzen zehn Jahren lag die Reduktionsrate bei rund 100.000 Quadratkilometer pro Jahr. Der Sprung in diesem Jahr auf eine Reduktion um das zehnfache wird daher von den Eisforschern als extrem eingestuft. „Die starke Reduktion in nur einem Jahr ist auf jeden Fall ein Warnzeichen dafür, dass das Eis im Sommer sehr viel schneller verschwinden könnte als erwartet. Wir müssen dringend die daran beteiligten Prozesse besser verstehen“, so Pedersen.

Nordwestpassage passierbar
McClure Straße
McClure Straße
© ESA McClure Straße
Besonders deutlich wird der Eisverlust an der Nordwestpassage, einer Seeroute, die von der Ostküste Nordkanadas über das Eismeer bis zur Westküste des amerikanischen Kontinents führt. Dieser normalerweise durch das Meereis versperrte Weg ist in diesem Jahr nahezu eisfrei. Auch die Nordostpassage, eine Seeroute von Nordnorwegen nach Sibirien, könnte nach Ansicht der ESA-Forscher sehr viel früher passierbar werden als angenommen. Schon jetzt beschränkt sich die Eisblockade nur noch auf ein kleines Stück im russischen Eismeer.

Das Schmelzen des arktischen Meereises verändert nicht nur die lokalen Bedingungen, es wirkt sich auch auf das globale Klima aus. Die Reflexion der Eisdecken wirft normalerweise einen Teil des Sonnenlichts zurück und verhindert so dessen Absorption. Ist jedoch die dunkle Meeresoberfläche freigelegt, absorbiert diese das Sonnenlicht und erwärmt sich. Das wiederum verhindert das Entstehen neuen Eises – ein klimatischer Teufelskreis beginnt.
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