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Freitag, 20.10.2017
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Europäische Automobilindustrie mit CO2-Negativrekord

Selbstverpflichtungsziel in weiter Ferne

Die Europäischen Autohersteller entfernen sich immer weiter von ihren der EU-Kommission vor knapp zehn Jahren zugesagten Klimaschutzzielen. Das geht aus neuen Daten hervor, die gestern der europäische Dachverband der Umwelt- und Verkehrsverbände Transport and Environment (T&E) in Brüssel veröffentlicht hat.
Klimasünder Auto

Klimasünder Auto

Die durchschnittlichen Kohlendioxid-Emissionen der von den Mitgliedern des Europäischen Herstellerverbandes ACEA im Jahr 2006 auf den Markt gebrachten PKW lagen mit 160 g CO2/km im Jahr 2006 kaum ein halbes Gramm niedriger als im Vorjahr. Das ist das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Erfassung der Durchschnittsverbräuche vor zehn Jahren. Der Herstellverband ACEA, dessen Mitglieder 2006 rund 81 Prozent der Neuwagen in Europa produziert haben, hatte verbindlich zugesagt, den Durchschnittswert bis 2008 auf 140 Gramm CO2 pro Kilometer zu senken.

Nicht viel besser liegen allerdings derzeit die japanischen und koreanischen Hersteller mit 161 g CO2/km und 164 g/km. "Die neuen Zahlen sind schockierend, zeigen sie doch, dass sich die europäischen Autobauer zwei Jahre vor dem für 2008 zugesagten Zielwert von 140 Gramm vom Klimaschutz verabschieden", erklärte Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

Trend zu Spritfressern statt sparsamer Kleinwagen


Der aktuelle Stillstand auf europäischer Ebene sei die unmittelbare Folge der Entscheidung deutscher Autobauer, auf spritsparende Kleinwagen wie den ersatzlos gestrichenen Audi A2, VW Lupo sowie zukünftig die Mercedes-A-Klasse zu verzichten und statt dessen neue spritdurstige Modellreihen einzufügen. Gerade die deutschen Hersteller müssten die Entwicklungslogik ihrer Modellpolitik radikal umstellen, um mittelfristig auf den nationalen und internationalen Märkten weiter mithalten zu können. "Die Premiumfahrzeuge der Zukunft werden am Spritverbrauch gemessen, nicht an Höchstgeschwindigkeit, PS-Zahl oder Reifenbreite", so Resch. Dabei reiche es nicht aus, die Werbung umzustellen. Neue, effiziente Fahrzeuge gehörten auch in den Showrooms von Herstellern und Händlern in die erste Reihe.


Die Autoindustrie habe in den vergangenen Monaten auf breiter Front gezeigt, dass sie durchaus in der Lage sei, zukunftsfähigere Modelle auf den Markt zu bringen. Neben den angekündigten "grünen" Showfahrzeugen sind allerdings zahlreiche neue Spritsäufer auf der IAA angekündigt. Sollten sich die Autohersteller weiter gegen die Einhaltung der verbindlichen CO2-Grenzwerte sperren, müsse die EU-Kommission gemeinsam mit den nationalen Regierungen mit radikalen Schritten reagieren. Resch: "Wir müssen nun über nationale Zulassungsverbote für Klimakiller-Pkw nachdenken".

Gesetzliche Regelung statt Selbstverpflichtungen


Gemeinsam mit dem europäischen Dachverband T&E, dem auch die DUH als Mitglied angehört, forderte Resch die EU-Kommission auf, sich endgültig vom Instrument der Selbstverpflichtung zu verabschieden und zügig gesetzliche Regelungen mit verbindlichen CO2-Grenzwerten festzulegen. Nach Überzeugung der Deutschen Umwelthilfe ist ein durchschnittlicher Grenzwert von 120 g CO2/km bis 2012 realistisch. Danach solle er bis 2020 nach dem so genannten "Top-Runner-Prinzip" schrittweise auf durchschnittlich nur noch 80 g CO2/km abgesenkt werden. Forderungen der ACEA nach einer erneuten Verzögerung der Grenzwertfestsetzung dürfe die EU-Kommission keinesfalls nachgeben.

Der Umweltausschuss des EU-Parlamentes wird sich voraussichtlich am kommenden Dienstag in Straßburg für einen formalen Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zur CO2-Regulierung für Neuwagen noch in diesem Jahr aussprechen. In der Vergangenheit hatten deutsche Abgeordnete in Brüssel und Straßburg - etwa bei der Debatte um eine Aufweichung der EU-Feinstaubrichtlinie - wiederholt eng entlang der Vorgaben der deutschen Autoindustrie agiert.
(Deutsche Umwelthilfe, 06.09.2007 - NPO)
 
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