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Freitag, 20.01.2017
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Krebs: Durchwahl ins Nervensystem

Krebszellen kommunizieren über Botenstoffe mit Neuronen

Immunologen sind neuen Kommunikationswegen von Tumorzellen auf der Spur. Offenbar tragen so genannte neuronale Synapsen im Krebsgewebe zum Informationsaustausch mit dem Nervensystem – unter anderem durch Botenstoffe bei. Diese Erkenntnis könnte auch zukunftsträchtige Strategien in der Krebsbekämpfung eröffnen.
Brustkrebszelle

Brustkrebszelle

Die Immunologen Kurt Zänker und Frank Entschladen vom Institut für Immunologie und experimentelle Onkologie der Universität Witten/Herdecke haben ein neues Konzept entwickelt, wie Tumorzellen mit Neuronen kommunizieren - die so genannte Neoneurogenese. Erste experimentelle Versuche an Mäusen stützen dabei die Theorie, dass sich Nervensystem und Tumorzellen gegenseitig direkt beeinflussen. Langfristig erhoffen sich die Wittener Forscher dadurch neue Möglichkeiten im Kampf gegen Krebs.

Das Konzept der Neuroneogenese betrachtet unter anderem die Ausbildung von Informationsschnittstellen zwischen Nervensystem und Tumor, den so genannten neuronalen Synapsen am Krebsgewebe. "Bei diesem Prozess sendet der Tumor selbst Signale an das Nervensystem, damit sich Nervenzellen direkt an ihn anlagern", erklärt Entschladen. Denn sind die Nervenzellen erstmal in den Tumor vorgedrungen, können sie gezielt Botenstoffe ausschütten und so die Wanderung und damit die Metastasenbildung im Körper vorantreiben. "Vorher hat man bei der Krebsbekämpfung oft nur das Immunsystem betrachtet", sagt Entschladen, "nun sind neue Strategien denkbar".

Noradrenalin als Kommunikator


Einer der beteiligten Botenstoffe bei der Kommunikation zwischen Tumor und Nervenzelle ist Noradrenalin. "Im Tierversuch ist es uns gelungen die Metastasenbildung durch den Einsatz von Betablockern zu verzögern", so Entschladen. Die Betablocker verhindern an Synapsen, dass Noradrenalin an die dortigen Rezeptoren bindet. Damit wird das Signal zur Bildung von Metastasen unterbrochen. Die Versuche an Mäusen, denen humane Krebszelllinien aus der Prostata verpflanzt wurden, bestätigen damit also nicht nur die direkte Verbindung zwischen Tumor und Nervensystem, sondern geben auch Hoffnung für mögliche Therapieansätze.


Wechselwirkungen im Fokus


"Natürlich ist es noch ein Schritt von der Maus zum Menschen", sagt Entschladen, "dennoch haben wir das viel versprechende Ende eines Knäuels gefunden". Die Erkenntnisse der Wittener Forscher tragen auch zum Verständnis von Kommunikationswegen in Tumoren insgesamt bei. "Ein Tumor ist keine isolierte Struktur, die in den Körper gelangt", so Entschladen, "Er ist zunächst einmal etwas körpereigenes und wir sind dabei, seine Wechselwirkungen mit diversen Signalsubstanzen zu verstehen."

Die Immunologen Zänker und Entschladen haben ihre Erkenntnisse kürzlich in dem Buch "Neuronal Activity in Tumor Tissue" herausgegeben. Zusammen mit internationalen Forschern liefert die Veröffentlichung einen Statusbericht zum aktuellen Forschungsstand im Bereich der Nervenaktivität in Tumoren. Das Buch erscheint in der renommierten Reihe "Progress in Experimental Tumor Research" in der seit über 30 Jahren die Fortschritte in der Krebsforschung diskutiert werden.
(Private Universität Witten/Herdecke, 04.09.2007 - NPO)
 
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