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Montag, 23.10.2017
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Besserer Einblick in Populationen gefährdeter Tierarten

Neues Populationsmodell integriert unterschiedliche Daten

Berner Ökologen haben eine Methode entwickelt, mit der die Populationsgröße von seltenen Tierarten genauer ermittelt werden kann als bisher. Es kombiniert verschiedene, teils fragmentarische Daten und integriert sie in ein einheitliches Modell. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift „Conservation Biology“ berichten, wurde das Verfahren anhand einer gefährdeten Fledermausart in der Schweiz bereits erfolgreich getestet.
Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum)

Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum)

Seltene, gefährdete Arten weisen typischerweise nur kleine Populationsgrößen auf. Will man eine solche Spezies untersuchen, so bleibt die Stichprobe entsprechend klein und der daraus abgeleitete Erkenntnisgewinn ist gering. Damit wird es schwierig, effiziente Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen. Nun ist es einem Forscherteam der Universität Bern gelungen, eine Methode zu entwickeln, die nur fragmentarisch vorhandene Daten zusammenführt und nutzt. Die Methode wurde bereits mit den Daten einer seltenen Fledermausart, der Großen Hufeisennase, getestet.

Populationsmodell integriert zusätzliche Faktoren


Die Große Hufeisennase ist eines der seltensten Säugetiere der Schweiz. Einst weiter verbreitet, gibt es heute nur noch vier Populationen. Über die Ursachen des Rückgangs ist wenig bekannt. Aber gerade Kenntnisse über Bestandsveränderungen und deren Ursachen, sowie das Abschätzen des Aussterbensrisikos sind für wirksame Schutzmaßnahmen entscheidend.

Mittels eines neu entwickelten integrierten Populationsmodells ist es nun einer Forschergruppe unter der Leitung von Michael Schaub und Professor Raphael Arlettaz gelungen, Licht ins Dunkel der Populationsdynamik dieser Fledermäuse zu bringen. Dieses Verfahren kombiniert alle verfügbaren Informationen über die Population – Zählungen in „Wochenstuben“, Anzahl geborener Junge, Wiederfänge von markierten Individuen – in einem Modell und kann deshalb Überlebensraten, Fortpflanzungserfolg und eine verlässliche Wachstumsrate der Population schätzen.


Das Modell wurde auf die Daten einer der beiden größeren schweizer Kolonien im Ort Vex angewendet. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Großen Hufeisennasen extrem langlebig sind: Sie weisen eine durchschnittliche Lebenserwartung von etwa fünfeinhalb Jahren auf, was angesichts ihrer geringen Größe – sie wiegen nur rund 25 Gramm - extrem hoch ist. Wie die meisten anderen Fledermausarten haben Große Hufeisennasen nur ein Junges pro Jahr, doch setzen sie in einem von vier Jahren mit der Reproduktion aus. Die Population in Vex nahm durchschnittlich um vier Prozent pro Jahr zu. Hätte man die Wachstumsrate aus den Wochenstubenzählungen ermittelt, so wäre sie mit sechs Prozent überschätzt worden.

Empfindliche Reaktionen auf äußere Einflüsse


„Diese Auswertungen bestätigen, dass es der Population der Großen Hufeisennasen in Vex zur Zeit gut geht“, fasst Michael Schaub zusammen. Günstig auf die Populationsentwicklung könnte sich die Renovation der Kirche, die als Wochenstube dient, ausgewirkt haben. Dabei wurde ein Teil des Dachstockes speziell für die Großen Hufeisennasen eingerichtet, so dass die Fortpflanzung störungsarm und bei besten klimatischen Verhältnissen erfolgen kann.

„Dank der demographischen Angaben wissen wir nun, dass die Wachstumsrate der Population sehr empfindlich auf Änderungen der Überlebensraten reagiert“, so Schaub. Die Forscher vermuten, dass der starke Rückgang ab Mitte des letzten Jahrhunderts durch einen vergleichsweise geringen Anstieg der Mortalität, etwa durch die Anwendung von Pestiziden (DDT) verursacht gewesen sein könnte.

Schaub ist von der Wirksamkeit der Berner Methode überzeugt: „Die Methode der integrierten Populationsmodelle ist sehr vielversprechend, um vertiefte Kenntnisse über bedrohte Arten zu gewinnen und um sie letztlich effizienter schützen zu können.“
(Universität Bern, 31.08.2007 - NPO)
 
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