Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Gene schuld an Sucht
Erbgutvariationen beeinflussen Belohnungsintensität und damit das Suchtrisiko
Hirnforscher haben wichtige Hinweise gefunden, dass das individuelle Risiko eine Sucht zu entwickeln auch von unseren Genen mitbestimmt wird. Varianten im Genom beeinflussen danach das Belohnungssystem im Gehirn und damit unser Verhalten.

DNA-Analyse
DNA-Analyse
© PNNL
In der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie konnten die Wissenschaftler erstmals zeigen, dass das Gehirn von Menschen mit bestimmten Genvarianten nur schwach auf Belohnungen reagiert. Sie entdeckten Modifikationen, die zu einer geringeren Belohnungsintensität führen und damit möglicherweise Suchtverhalten fördern.

Störung im Belohnungssystem
Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei Suchterkrankungen das Belohnungssystem gestört ist. Das System sitzt unter anderem in der vorderen Hirnrinde. Professor Christian Büchel und sein Team vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf untersuchten erstmalig, wie sich die Gene auf die Belohnungsverarbeitung im Gehirn auswirken. Dazu beobachteten sie über hundert männliche Versuchspersonen beim Glücksspiel und registrierten deren Hirnaktivität mit der funktionellen Kernspintomographie (fMRT).

Störung im Belohnungssystem
Geldgewinne lösten nach den Ergebnissen der Forscher in den Hirnregionen des Belohnungssystems eine deutliche Zunahme der Aktivität aus. Einige Probanden reagierten jedoch anders als ihre Mitspieler, ihr Hirnstoffwechsel stieg kaum an. In ihrem Genom fanden die Forscher bestimmte Genvarianten. Genau diese Probanden zeigten ein ausgeprägtes Verlangen nach ständig neuen Reizen - das so genannte Sensation Seeking.

Dieses Verhalten ist bei Suchterkrankungen bekannt. Die Neurowissenschaftler folgern, dass genetische Variationen die Belohnungsintensität beeinflussen und damit möglicherweise auch das individuelle Risiko, eine Sucht zu entwickeln.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Gehirn, Gene, Erbgut, Sucht, Verhalten, Genom, Belohnung
Weitere News zum Thema
Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig (10.02.2012)
Wirkstoff Bexaroten beseitigt Gedächtnisstörungen und Eiweiß-Plaques bei Mäusen
Fasten lässt Krebstumore schrumpfen (09.02.2012)
Zwei Tage nichts essen macht Chemotherapie effektiver
Warum der Mittelfinger so eine lange Leitung hat (08.02.2012)
Hemmung von den Nachbarnervenzellen bestimmt die Reaktionsgeschwindigkeit
Blick ins Hirn verrät Abschneiden im Reaktionstest (07.02.2012)
Hirnaktivität kann voraussagen, wie gut jemand ein Videospiel beherrscht
Männer erinnern sich besser an Unangenehmes (06.02.2012)
Emotionales Gedächtnis beider Geschlechter unterscheidet sich
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Gliazellen
Genetik
Gehirnforschung
Dossiers zum Thema
Gehirnforschung
Dem menschlichen Denken auf der Spur
Elektrische Synapsen
„Aschenputtel“ unter den Zellkontakten
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
„Der kleine Unterschied“ im menschlichen Gehirn
Wie Östrogen und Co. die kognitiven Leistungen beeinflussen
Doping
Siege, Rekorde und Medaillen um jeden Preis?
Lebenselixier Blut
„Ein ganz besondrer Saft“
News des Tages
“Neuer Kontinent” am Meeresgrund
Fitnesstests auch bei Mikroben
Gene schuld an Sucht
Geheimnis des Glasübergangs entschlüsselt
Insekten lieben Stickstoff
Neue Blutgefäße machen Krebs gefährlicher
Bücher zum Thema
Medizin für das Gehirn
Hrsg. Spektrum der Wissenschaft
Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn
von Vilaynur S. Ramachandran
Der Beobachter im Gehirn
Essays zur Hirnforschung von Wolf Singer
Die neue Welt der Gene
Visionen - Rätsel - Grenzen von Joachim Bublath
Descartes' Irrtum
Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn von Antonio R. Damasio
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes