Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
MS: Entzündungshemmer Mangelware
Erster zellulärer Marker für Multiple Sklerose entdeckt
Auf der Suche nach den zellulären und molekularen Ursachen der Multiplen Sklerose (MS) hat ein italienisch-deutsches Forscherteam eine Gruppe von schützenden Immunzellen, so genannten Suppressorzellen, nachgewiesen, die bei Kranken aus bisher noch unbekannten Gründen sehr stark verringert sind.

Nervenzelle
Nervenzelle
© NIH
Diese Suppressorzellen tragen auf ihrer Oberfläche ein Merkmal, kurz CD39 genannt, und bauen den von zerstörtem Gewebe freigesetzten Energieträger ATP ab. Auf diese Weise scheinen sie Entzündungen einzudämmen, welche im Verlauf der Erkrankung im zentralen Nervensystem entstehen.

Bald bessere MS-Diagnose möglich
Mit CD39 haben Dr. Giovanna Borsellino vom Labor für Neuroimmunologie der Fondazione Santa Lucia in Rom, Italien, und Dr. Olaf Rötzschke sowie Dr. Kirsten Falk vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch zum ersten Mal einen zellulären Marker identifiziert, dessen Abwesenheit direkt mit der Entstehung der Krankheit in Verbindung gebracht werden kann.

Wie sie in der amerikanischen Fachzeitschrift Blood berichten, könnte der Grad der Verringerung von CD39-Zellen dabei helfen, die Krankheit besser zu diagnostizieren. Bisher wird die Erkrankung durch den Nachweis von Antikörpern in der Hirnflüssigkeit diagnostiziert oder mit Hilfe der Kernspintomographie. Die Zukunft wird zeigen, ob die neue Erkenntnis auch für die Entwicklung einer Therapie nutzbar sein kann.

Nervenzell-Signale bleiben „stecken“
Bei der Multiplen Sklerose zerstören fehlgeleitete 'autoreaktive' Immunzellen die isolierende Hüllschicht der Nervenfasern, so dass die Weiterleitung von Nervenzell-Signalen gestört ist. Bei Gesunden hält das Abwehrsystem solche amoklaufenden Immunzellen unter anderem durch die spezielle Gruppe der Suppressorzellen, auch regulatorische T-Zellen genannt, in Schach.

Erst kürzlich haben Wissenschaftler der Universität Heidelberg herausgefunden, dass Patienten mit Multipler Sklerose nicht genügend regulatorische T-Zellen nachbilden können, so dass die überschießende Abwehraktion des Immunsystems nur unzureichend gebremst wird.

Weiter haben Forschergruppen in Europa und den USA zeigen können, dass kleinste Veränderungen in der Bauanleitung zweier Gene das Risiko an Multipler Sklerose zu erkranken, leicht erhöhen. Diese Gene enthalten die Bauanleitung für die Oberflächenmarker CD25 und CD127 auf regulatorischen T Zellen. Sie werden auch als Interleukin 2 beziehungsweise Interleukin 7 bezeichnet und steuern die Aktivierung dieser Immunzellen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Multiple Sklerose, Immunzellen, Blut, Gehirn, Nervenzellen, Marker, Krankheit, Signale
Weitere News zum Thema
Multiple Sklerose: Natürliche Darmflora als Auslöser? (27.10.2011)
Nützliche Bakterien können bei erblich Vorbelasteten die Autoimmunkrankheit verursachen
Bluttest verbessert Diagnose von 14 schweren Krankheiten (06.09.2011)
Kleine Steuermoleküle als Basis für neues Untersuchungsverfahren
29 neue Genauslöser der Multiplen Sklerose identifiziert (11.08.2011)
Krankmachende Veränderungen betreffen vor allem Gene des Immunsystems
Darm programmiert Zellen um (20.07.2011)
Neue Hoffnung im Kampf gegen Immunkrankheiten
Optische Täuschung verändert Kopplung im Gehirn (27.01.2011)
Wechselnde Wahrnehmung durch sich verändernde Stärke der neuronalen Synchronisation
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Gliazellen
Gehirnforschung
Dossiers zum Thema
Gehirnforschung
Dem menschlichen Denken auf der Spur
Der Kitt denkt mit
Geheimnisvolle Gliazellen im Gehirn
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Elektrische Synapsen
„Aschenputtel“ unter den Zellkontakten
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Lebenselixier Blut
„Ein ganz besondrer Saft“
News des Tages
HIV: Doppelschlag fürs Gehirn
Vampir-Atem verrät Speiseplan
MS: Entzündungshemmer Mangelware
Weltbeste Hochschulen: Deutsche Unis "unter ferner liefen"
Grünes Licht für Fusion von HMI und BESSY
Bauchspeicheldrüsenkrebs lockt Helfer an
Bücher zum Thema
Der Beobachter im Gehirn
Essays zur Hirnforschung von Wolf Singer
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Medizin für das Gehirn
Hrsg. Spektrum der Wissenschaft
Unser Gedächtnis
Erinnern und Vergessen von Bernard Croisile
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes