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Donnerstag, 30.03.2017
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Artenvielfalt der Regenwälder niedriger als angenommen

Artenverteilung unterscheidet sich zwischen Hochland- und Flachlandwäldern

Regenwälder gelten als Schatztruhen der Artenvielfalt. Jetzt aber hat eine in „Nature“ veröffentlichte Studie ergeben, dass es dabei durchaus große Unterschiede gibt. Gerade die großen Flachlandwälder wie der Amazonas und im Kongo könnten artenärmer sein als bisher gedacht, da in ihnen die Spezies viel homogener verteilt sind als in Bergwäldern. Wichtig ist diese Erkenntnis vor allem für die Schutzstrategien für solche Gebiete.
Riesenraupe

Riesenraupe

Obwohl der größte Teil der weltweiten Regenwälder zu den Flachlandwäldern gehört, wie beispielsweise am Amazonas, im Kongo oder auf Borneo, konzentrierten sich bisher die meisten biologischen Studien auf so genannte „Biodiversitäts-Hotspots“, meist Nebel- und Hochlandwälder an steilen Hängen beispielsweise der Anden oder anderer Gebirge. In diesem Gebieten verändern sich wichtige Umweltfaktoren wie Temperatur, Höhe und Niederschlag schon auf geringe Distanzen sehr stark. Dadurch entstehen hier zahlreiche voneinander verschiedene Lebensräume auf engstem Raum – und entsprechend hoch ist hier auch die Artenvielfalt.

Ob dieses von Biologen als Betadiversität bezeichnete Phänomen auch in Flachlandwäldern zu finden ist, wollte ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Entomologen und Botanikern der amerikanischen Smithsonian Institution herausfinden. Insbesondere für Insekten existierten bisher kaum Daten zu ihrer Verteilung innerhalb dieser Regenwälder. Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler ein unberührtes Urwaldgebiet zwischen den Flusstälern des Sepik und des Ramu in Papua-Neuguinea. Mehr als 500 Arten von Raupen, Käfern und Fruchtfliegen sammelten sie an acht verschiedenen Probenstellen des 75 Quadratkilometer großen Gebiets und ermittelten ihre Verteilung.

Verteilung homogener als in Bergwäldern


Die Auswertung ergab, dass in diesem Flachlandwald die Betadiversität relativ niedrig lag. Die Arten waren eher weit verteilt, die Artenzusammensetzung änderte sich kaum, auch nicht über größere Entfernungen hinweg. Insbesondere für die Insekten war dies durchaus eine Überraschung, da diese normalerweise keinen großen Ausbreitungsradius besitzen. Bei den Fruchtfliegen beispielsweise blieb die Artenzusammensetzung selbst über Entfernungen von mehr als 950 Kilometern nahezu identisch. In Hochlandwäldern dagegen teilen unterschiedliche Höhenlagen gerade mal ein Fünftel ihrer Arten – und das, obwohl die Pflanzen, auf denen die Insekten leben, in allen Lagen vorhanden sind.


„Einige Tiere verbringen ihr ganzes Leben auf nur einer einzigen Pflanze“, erklärt Scott Miller, einer der Autoren der Studie. „Aber trotzdem besitzen sie ja Flügel. Auch wenn sie nicht fliegen wollen, können sie es, wenn sie müssen.“ Im Gegensatz zur verbreiteten Annahme, dass tropische Arten eher stark spezialisiert sind, ergaben die Daten der aktuellen Studie eine eher begrenzte Spezialisierung: Die Insekten kamen durchaus auch auf verschiedenen Pflanzenarten vor, nicht nur auf einer.

Wichtige Rückschlüsse für Schutzstrategien


Die jetzt ermittelte niedrige Betadiversität für die großen Regenwälder des Flachlands liefert wichtige neue Erkenntnisse zur ökologischen Bewertung dieser Wälder: Denn die hohe Homogenität der Artenverteilung deutet auf eine weitaus niedrigere Biodiversität hin als bisher angenommen. Dies hat Auswirkungen auch für geplante Schutzstrategien. „Es gibt einige Grundfragen, auf die unsere Daten Einfluss haben könnten“, erklärt Miller. „Wenn ich 10.000 Hektar Wald schützen kann, ist es dann besser zehn kleine Flächen von jeweils 1.000 Hektar zu schützen oder aber eine einzige 10.000 Hektar große Fläche?“

Offensichtlich gelten in dieser Frage andere Regeln für Hochland- und Flachlandwälder. „Unsere Daten aus Neuguinea deuten an, dass größer besser wäre“, so Miller. „Aber in einer Hanglage oder in der Höhe ist das Gegenteil besser. Hier verliert man Betadiversität, wenn nicht mehrere kleine Schutzgebiete einrichtet werden.“ Noch sind allerdings weitere Studien, vor allem in den großen Regenwäldern des Amazonas und des Kongo nötig, um zu bestätigen, dass auch dort die Betadiversität niedrig ist.
(Smithsonian Institution, 09.08.2007 - NPO)
 
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