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Freitag, 20.10.2017
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Fledermäuse: Nektar als "Power-Drink"

Blumenfledermäuse sind Stoffwechsel-Weltmeister

Blumenfledermäuse sind die Stoffwechsel-Weltmeister. Kein anderes Säugetier kann Nahrung so schnell dem Körper verfügbar machen wie die nur zehn Gramm schweren tropischen Flattertiere. Für ihren extrem hohen Stoffwechsel bebenötigen sie dabei allerdings Nektar als "Power-Drink". Dies hat ein Wissenschaftler in einer neuen Studie herausgefunden über die er im Fachjournal "Functional Ecology" berichtet.
Fledermaus

Fledermaus

Wenn Leistungssportler viel Energie tanken wollen, greifen sie oft zu "Powerdrinks", in denen viel Zucker enthalten ist. Das Problem dabei: Die so aufgenommene Nahrung können selbst die besten unter ihnen nur zu 30 Prozent direkt verbrennen, den Rest holt sich ihr Körper aus den körpereigenen Depots von Fett und Glykogen.

Blumenfledermäuse sind anders


Blumenfledermäuse sind da effizienter: Sie nutzen nahezu ausschließlich den im Nektar enthaltenen Zucker, um ihren Stoffwechsel anzutreiben. Sie schonen dadurch das körpereigene Glykogen sowie Fett und umgehen damit die Kosten dessen Auf- und Abbaus.

"Zwar kommt sämtliche Energie letztlich aus unserer Nahrung", erläutert Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin, "aber sowohl Tiere als auch Menschen können nur einen Teil davon direkt nutzen." Der Rest wird gespeichert als Fett oder körpereigenes Glykogen, um es später nutzen zu können. Aber ist das wirklich bei allen Tieren so? Voigt ging in seiner Studie dieser Frage nach und untersuchte dabei Blumenfledermäuse. Die kleinen Flattertiere, die sich von Nektar ernähren, haben die höchsten Stoffwechselraten unter den Säugetieren. Zugleich enthält ihre Nahrung wenig Protein und Fett.


Anhand von Fütterungsversuchen zeigte Voigt, wie viel ihrer Nahrung die Blumenfledermäuse direkt verbrennen. Dazu gab er den Tieren Zuckerwasser, welches mit stabilen, also nicht-radio-aktiven Kohlenstoffisotopen angereicht war.

Leben auf Messers Schneide


Die Isotope des Zuckers ließen sich bereits wenige Minuten nach der Mahlzeit im Atem der Tiere nachweisen. Nach nur einer halben Stunde bezogen die Fledermäuse ihre Energie aus dem Zuckerwasser. Damit sind die Blumenfledermäuse die Rekordhalter unter den Säugetieren, was die Verbrennungsrate von Zucker angeht. Zum Vergleich: Spitzensportler nutzen nur circa 30 Prozent der Energie aus Zuckerdrinks.

Der Vorteil dieser direkten Nahrungsumsetzung hat einen Preis: Fehlt einmal der Zucker, müssen die Tiere sofort und sehr stark auf ihre Fettreserven zugreifen. Innerhalb eines Tages beispielsweise verbrauchten sie 50 Prozent des Körperfetts, sobald sie keinen Zucker mehr erhielten. Die Studie zeige, wie gefährdet die Tiere sind, wenn sie - etwa durch Eingriffe ins Ökosystem - nur wenige Tage von ihrer Nahrungsquelle abgeschnitten sind, sagt Voigt: "Energetisch gesehen leben die Tiere auf Messers Schneide."
(idw - Forschungsverbund Berlin, 08.08.2007 - DLO)
 
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