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Montag, 24.07.2017
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35 Millionen Euro für Infrastruktur verändern T-City Friedrichshafen – aber wie?

Geographen der Universität Bonn evaluieren Telekom-Projekt

Als Gewinner des T-City Wettbewerbs wird sich für Friedrichshafen einiges ändern. Das zumindest hoffen Stadtväter und die Telekom. Immerhin investiert die Telekom bis Ende 2007 etwa 35 Millionen Euro in den Ausbau von Fest- und Mobilfunknetz-Infrastruktur und noch einmal 80 Millionen Euro für die Umsetzung von ausgewählten Projekten mit Hilfe der schnellen Netze. Was sich ändert, wie Unternehmen und Bürger reagieren, wie Schüler anders lernen und wie sich die Arbeitswelt zum Beispiel der Stadtverwaltung ändert, dass wollen Michael Lobeck und sein Team vom Geographischen Institut der Universität Bonn begleitend untersuchen.
Glasfaser

Glasfaser

In Friedrichshafen wird zurzeit überall an der Autobahn gearbeitet – durch 145 Multifunktionshäuschen und circa 120 Kilometer Glasfaserkabel jagen demnächst die Bits und Bytes über eine der schnellsten Datenautobahn Deutschlands. VDSL und HSDPA heißen die Zauberbuchstaben. Dahinter verbirgt sich „Very High Speed Digital Subscriber Line“ – eine schnelle Festnetzverbindung von bis zu 50 Megabit pro Sekunde und „High Speed Download Packet Access“ – eine Mobilfunkverbindung, die selbst am Baggersee bis zu 50-mal schnellere Ladezeiten als ISDN ermöglicht. Eine solche Datenautobahn, die die gesamte Stadt vernetzt, wird einiges ändern.

Übergängen transparenter machen


„Das vorgeschlagene Projekt Bildungs-Wertschöpfungskette zum Beispiel soll alle mit Bildung befassten Einrichtungen vom Kindergarten bis zur Universität miteinander verbinden. So sollen die Übergänge zwischen den Einrichtungen für die Schüler einfacher und transparenter werden“, erzählt Michael Lobeck. Geplant ist zum Beispiel, dass Vorlesungen als Video im Internet parat liegen. So kann sich ein Interessent die Inhalte verschiedene Studiengänge anschauen, um dann zu entscheiden, für welches Fach er sich einschreibt. Um die Datenmengen, die dafür notwendig sind für den Endanwender in annehmbarer Zeit bereitzustellen, müssen die Daten mit Glasfaserkabeln so nahe wie möglich an den Nutzer herangebracht werden. Je länger die Strecke zwischen PC und Glasfaserkabel ist, umso mehr bremsen die für das letzte Stück verwendeten Kupferkabel die Daten ab. Daher der starke Ausbau mit Glasfaserkabeln

„Ein anderes Projekt, mit dem sich die Bewerbung Friedrichshafens gegen die anderen 51 Bewerber durchgesetzt hat, ist die Reform der Verwaltung. Dort sollen noch mehr als bereits heute Vorgänge, Formulare und Akten in digitaler Form gespeichert werden. Wie das den Arbeitsablauf des Rates verändert würden wir gerne untersuchen – denn eine solche Reform bleibt nicht ohne Auswirkung auf den gesamten Ablauf.“ Die drei Bereiche Lebensqualität, Standortqualität und Vernetzung sind es, die die Geographen besonders interessieren. Dazu führen sie Bürgerbefragungen durch, die erste im Herbst, um den Ausgangszustand zu erfassen. Außerdem wollen sie einzelne Personen bewegen, ein so genanntes Kontakttagebuch zu führen. „Darin steht, wie und wann Kontakte mit anderen Menschen aufgenommen wurden – zum Beispiel Verabredung zum Kino über Handy oder über den Internetchat, verschicken des neuesten Babyvideos über das Handy etc.“


Überschaubares Testfeld


Der Wettbewerb war ausdrücklich für Städte von 25.000 bis 100.000 Einwohnern ausgeschrieben. „Zum einen ist dies ein überschaubares Testfeld, dass es auch für uns als wissenschaftliche Auswerter attraktiv macht, aber auch die Sichtbarkeit im Vergleich zur Investitionshöhe ist in einer Stadt wie Friedrichshafen eine andere, als sagen wir, in Köln.“ Auch ist es einfacher eine kleinere Stadt zum mitmachen zu bewegen und die wichtigen Akteure an einen Tisch zu bekommen. Denn: während bis Ende 2007 24 größere Städte ebenfalls mit VDSL ausgerüstet werden, so hätte Friedrichshafen noch wesentlich länger auf diese Technik warten müssen. Und der begleitende Ausbau mit HSDPA wird beschleunigt – in der Abdeckung und in der Bandbreite. Statt den sonst eher üblichen 1,8 Megabit pro Sekunde beträgt die Übertragungsrate bis Ende des Jahres in Friedrichshafen etwa 7,2 Megabit pro Sekunde.

„Was der größte Nutzen sein wird, lässt sich im Vorfeld eines solchen Projektes genauso wenig sagen, wie es damals für das Internet vorhersagbar war“, wägt Diplom-Geograph Lobeck ab. „Die Unternehmen wissen sehr genau, was sie sich von der neuen Hochgeschwindigkeitstechnik versprechen. Sie setzen auf die neuen schnellen Verbindungen, um besseren Kontakt mit verschiedenen Standorten halten zu können. Zum Beispiel können so Arbeitgruppen in Deutschland und den USA gleichzeitig an ein und demselben datenintensiven Projekt arbeiten. Heimarbeit wird erleichtert, Videokonferenzen laufen reibungsloser. Die privaten Nutzer sind in ihren Vorstellungen ungenauer und schwerer zu greifen.“ Alles in allem betritt Friedrichshafen mit einem so groß angelegten Umbau der Kommunikationsinfrastruktur Neuland – welche Projekte und Vernetzungen daraus entstehen kann keiner vorhersagen. „Genau deswegen ist es ja so spannend, den Prozess zu verfolgen“ resümiert Michael Lobeck.
(Universität Bonn / Kirsten Achenbach, MARUM_DFG-Forschungszentrum Ozeanränder, 08.08.2007 - DLO)
 
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