Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Mit Stammzellen gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs
Forscher entwickeln neue Therapie gegen bösartige Krebsart
Stammzellen spielen eine wichtige Rolle beim Wachsen von Tumoren in der Bauchspeicheldrüse. Dies haben jetzt Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der TU München in einer neuen Studie gezeigt. Sie wollen nun die „Alleskönner“ unter den Zellen zu einer neuen Therapie gegen diese äußerst bösartige Krebsart nutzen.

Mesenchymale Stammzellen
Mesenchymale Stammzellen
© Martin Gastens / Herz- und Diabeteszentrum NRW
Das Knochenmark beherbergt Stammzellen, die sich außerhalb des Körpers vermehren lassen und sich in verschiedene Zelltypen umwandeln können. Diese Eigenschaften machen die so genannten mesenchymalen Stammzellen (MSC) zu einem attraktiven Werkzeug für die Medizin.

Retter in der Not
Diese Stammzellen wandern im Organismus offenbar dorthin, wo Auf- und Umbauprozesse stattfinden, etwa bei Verletzungen. Man vermutet, dass sie dann an der Neubildung von Knochen, Sehnen, Knorpel, Muskeln oder Fett beteiligt sind. Auch von chronischen Entzündungen werden diese Stammzellen angezogen - sie reparieren dort als "Retter in der Not" die Entzündungsschäden.

Von besonders großem Interesse ist die Beobachtung, dass die Stammzellen ebenso magisch von wachsenden Tumoren angelockt werden. Warum das so ist, weiß man nicht genau. Aber die seit langem bekannte Verbindung zwischen Krebs und einer chronischen Gewebeentzündung wie bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung könnte auf kontinuierlich ablaufenden Gewebereparatur-Prozessen des Körpers beruhen, die aus der Kontrolle geraten sind.

Mediziner der Chirurgischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der TU München um Professor Dr. Helmut Friess und Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg vermuten nun, dass diese Stammzellen auch im Zusammenhang mit dem Pankreaskarzinom eine wichtige Rolle spielen und sich sogar zur Therapie dieses äußert bösartigen Tumors eignen könnten.

Mäuse mit menschlichen Pankreaskrebszellen
In einem Forschungsprojekt haben Dr. Peter Büchler, Chirurgischer Oberarzt am Klinikum rechts der Isar, und Professorin Dr. Ingrid Herr vom Deutschen Krebsforschungszentrum zusammen mit Kollegen herausgefunden, dass Stammzellen gezielt in Pankreaskarzinome einwandern und dort vermutlich am Wachstum der Tumoren beteiligt sind.

Bei den Analysen menschlicher Krebszellen stellte sich heraus, dass MSC stark von Stoffen angezogen werden, die von bösartigen Geschwülsten abgegeben werden. Um den Mechanismus näher zu untersuchen, pflanzten die Krebsforscher Mäusen menschliche Pankreaskrebszellen in ihre Bauchspeicheldrüse und injizierten farbig markierte MSC in die Blutbahn. Die Folge: Die farbigen Stammzellen fanden sich in der Mehrzahl im Tumor wieder und waren dort offenbar auch in die Blutgefäße eingewandert.

Bessere Chancen durch Gentherapie?
Die Ergebnisse der Forscher zeigen, wo man ansetzen könnte, um MSC mit therapeutischen Genen auszustatten und effizient in Tumoren und ihre Metastasen einzuschleusen. Allerdings sind vor einer sicheren klinischen Anwendung noch viele Fragen der Grundlagenforschung zu beantworten.

Die bisherigen Daten dieses Projektes haben die Kooperationspartner im Juli auf dem 39. Kongress des Europäischen Pankreas Clubs in Newcastle, England, vorgestellt. Unter 500 anderen Projekten wurden sie mit dem ersten Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit gewürdigt, nicht zuletzt aufgrund der hohen klinischen Relevanz und des hohen Zukunftspotentials dieser Arbeit.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Stammzellen, Krebs, Tumore, Pankreas, Metastasen, Therapie, „Alleskönner“
Weitere News zum Thema
Stammzellen aus Nabelschnurblut könnten Diabetes Typ 1 heilen (11.01.2012)
Umerziehung des Immunsystems schützt Insulin-produzierende Zellen
Forscher erzeugen die ersten Affen-Chimären (06.01.2012)
Affenbabys tragen Zellen von bis zu sechs verschiedenen genetischen Individuen in sich
Bisher unbekannte Stammzellen im menschlichen Auge entdeckt (06.01.2012)
Reaktivierte Bindegewebszellen der Netzhaut können verschiedene Zellsorten erzeugen
Stammzellen im Herzen entdeckt (02.12.2011)
Zellen tragen zur Reparatur von Herzschäden bei
Europäischer Gerichtshof erteilt Stammzellpatenten eine Absage (19.10.2011)
Urteil sorgt für geteilte Reaktionen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Apoptose
Krebs
Dossiers zum Thema
Stammzellquellen gesucht
Auf vier Wegen zurück zum „Alleskönner“
Gentherapie
Hybris oder Heilsbringer?
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
Der Tod
Tabu und Faszination
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
Genpatente
Wem gehört das Leben?
Klonen - Menschen nach Maß?
Der Griff nach dem menschlichen Erbgut
Wissenschaft auf dem Prüfstand
Wie weit darf die Forschung gehen?
News des Tages
Sonnenflecken fördern Starkregen in Ostafrika
Geheimnis von Saturn-Ring gelüftet
Seeigel-Spermien auf Spiralkurs
Mit Stammzellen gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs
Atomkraftwerke: Nebel schützt nicht vor Terroranschlägen
Acrylamid: Rote Karte für teure Chips
Bücher zum Thema
Forschung an embryonalen Stammzellen
von Gisela Badura-Lotter
Thema Krebs
von Hilke Stamatiadis- Smidt, Harald zur Hausen und Otmar D. Wiestler
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Schmerz
Eine Kulturgeschichte von David Le Breton
Die neue Welt der Gene
Visionen - Rätsel - Grenzen von Joachim Bublath
Es wird ein Mensch gemacht
Möglichkeiten und Grenzen der Gentechnik von Jens Reich
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes