Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 24.05.2012
Kaffee und Bewegung gegen Hautkrebs
Tierversuche enthüllen bisher unbekannte Synergieeffekte
Regelmäßige Bewegung und wenig oder kein Koffein gelten bei vielen als Garanten für gute Gesundheit. Doch jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Koffein durchaus seine guten Seiten hat – zumindest im Zusammenhang mit Hautkrebs. Denn ihre jetzt in den “Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)” veröffentlichte Studie belegt eine schützende Wirkung des Koffeins gegen die zerstörerischen Effekte der UV-B-Strahlung.

Kaffepflanze
Kaffepflanze
© US Army
Hautkrebs gilt als eine der häufigsten und zunehmenden Krebsarten weltweit. Allein in den USA erkranken jedes Jahr mehr als eine Million Menschen neu an dieser durch die UV-Strahlung ausgelösten Krebsform. Jetzt hat ein Forscherteam der Rutgers Universität in New Jersey in einer Studie an Mäusen entdeckt, dass geringe bis mittlere Dosen von Koffein, kombiniert mit regelmäßiger Bewegung, Zellen abtöten, deren DNA durch die UV-B-Strahlung des Sonnenlichts beschädigt ist und die im weiteren Verlauf zu Krebszellen werden können.

Koffeinwasser und Laufrad
Die Wissenschaftler gaben in ihren Versuchen einer Gruppe von haarlosen Mäusen täglich mit Koffein versetztes Wasser zu trinken, die Dosis entsprach etwa der eines Menschen, der ein bis zwei Tassen Kaffee am Tag trinkt. Eine zweite Gruppe durfte nach Belieben ein Laufrad nutzen, bekam aber normales Wasser zu trinken, eine dritte Gruppe erhielt sowohl Koffein als auch Bewegung. Als Kontrollgruppe dienten Mäuse, die weder Koffein erhielten, noch die Möglichkeit, sich zu bewegen. Alle Mäuse wurden mit Lampen bestrahlt, die UV-B-Strahlung erzeugten und damit für Schäden an der DNA in den Hautzellen der Tiere sorgten.

Das Ergebnis zeigte, dass bei allen vier Gruppen ein Teil der geschädigten Zellen durch den körpereigenen Schutzmechanismus des programmierten Zelltods unschädlich gemacht wurde. Diese so genannte Apoptose verhinderte damit eine Weiterentwicklung zu einer Krebszelle. Auffällig war jedoch, dass die Mäuse, die sowohl Koffein als auch die Möglichkeit zur Bewegung erhalten hatten, deutlich höhere Apoptose-Raten aufwiesen als die anderen Gruppen.

400 Prozent mehr Apoptose
„Die Unterschiede zwischen den Gruppen in Bezug auf die Bildung von apoptotischen Zellen waren ziemlich dramatisch“, erklärt Allan Conney, Leiter des Cullman Laboratory an der Rutgers Universität und einer der Autoren der Studie. Während die Koffeintrinker 95 Steigerung der Apoptose zeigten, und die „Sport-Mäuse“ immerhin 120 Prozent, brachten es die Tiere, die sowohl Koffein als auch Bewegung erhielten, auf satte 400 Prozent Steigerung.

Mechanismus noch unklar
Wie und warum Bewegung und Koffein zusammenwirken, um diesen Effekt zu erzielen, ist allerdings bisher noch rätselhaft. Zwar spekulieren die Wissenschaftler bereits über einige mögliche Mechanismen, die diesen Synergieeffekt erklären, aber Belege gibt es bisher keine.

„Wir müssen erst noch tiefer in die Ursachen dieses kombinierten Einflusses auf molekularer und zellulärer Ebene einsteigen, um die zugrunde liegenden Mechanismen zu entschlüsseln, erklärt Conney. „Wenn wir diese verstanden haben, können wir zum nächsten Schritt übergehen und vom Labor auf klinische Tests umsteigen. Angesichts der immer stärker werdenden UV-B-Strahlung ist es wichtig, neue Wege zu finden, um unseren Körper besser vor solchen Strahlenschäden zu schützen.“ Bis dahin kann es zumindest nicht schaden, die morgendliche Joggingtour mit einer oder zwei Tassen Kaffe abzuschließen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Krebs, Haut, Tumore, Koffein, Sport, DNA, Strahlung, Mäuse
Weitere News zum Thema
Sensor im Kinn hilft Blauwalen beim Beutefang (24.05.2012)
Neu entdecktes Sinnesorgan steuert Mauldehnung beim Wasserfiltern
Straßenlaternen verändern Tierwelt des Bodens (23.05.2012)
Rund um die künstlichen Lichtquellen leben überdurchschnittlich viele räuberische Insekten und Kleintiere
Google-Technik hilft bei Krebsforschung (21.05.2012)
PageRank-Algorithmus untersucht 20.000 Proteine auf Biomarker
Diabetes erhöht das Krebsrisiko (11.05.2012)
Erhöhte Zucker- oder Insulinspiegel könnten das Tumorwachstum begünstigen
Goldlinsen fangen Gammastrahlen doch ein (11.05.2012)
Auch extrem energiereiche Strahlung wird in Materialien wie Silizium oder Gold abgelenkt
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Unter die Haut
Barriere im Belagerungszustand
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Personalisierte Ernährung
Maßgeschneiderte Ernährung oder Allerweltskost?
Apoptose – der programmierte Zelltod
Die Lizenz zum Töten
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
News des Tages
Gasbohrung schuld an Schlammvulkan-Eruption?
Kaffee und Bewegung gegen Hautkrebs
Qualle mit mehreren Köpfen entdeckt
Aus für Tuberkulose-Biomarker
Eiweiß hält Darm gesund
Katheter töten Pilze
Bücher zum Thema
Thema Krebs
von Hilke Stamatiadis- Smidt, Harald zur Hausen und Otmar D. Wiestler
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Die neue Welt der Gene
Visionen - Rätsel - Grenzen von Joachim Bublath
Der kleine Medicus
von Dietrich H. W. Grönemeyer
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Gelähmte steuert Roboterarm mit ihren Gedanken
5. Ruß und Ozonsmog verstärken die Wanderung der Klimazonen