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Freitag, 10.02.2012
Europas Fernheizung wird schwächer
Satellitendaten zeigen Verlangsamung des klimawichtigen Nordatlantikstroms
Die nordatlantische Zirkulation, eine insbesondere für das europäische Klima wichtige Meeresströmung, hat sich innerhalb der letzten Jahrzehnte deutlich abgeschwächt. Dies hat eine neue Studie der NASA ergeben, in der die Fließgeschwindigkeiten des Nordatlantikstroms in den 1970er und 80er Jahren mit denen der 1990er verglichen wurden.

Nordatlantische Zirkulation
Nordatlantische Zirkulation
© NASA/GSFC
Nach Ansicht von Sirpa Hakkinen, Hauptautor der in Science veröfffentlichten Studie und Wissenschaftler am Goddard Space Flight Center der NASA, könnte die Verlangsamung dieser Strömung ein erstes Anzeichen für kommende dramatische Veränderungen im Klima des Nordatlantik darstellen.

Die Strömungen im Nordatlantik haben sich in der Vergangenheit im Rahmen eines großräumigen atmosphärischen Drucksystems, der so genannten Nord Atlantischen Oscillation (NAO) periodisch verändert. Doch die neuen Forschungen zeigen, dass in den 19990er Jahren die Abschwächung des Stroms zweimal auch dann anhielt, wenn der NAO eigentlich das Gegenteil hätte bewirken müssen. Ob dieser Trend Teil eines natürlichen Zyklus ist oder aber eine Folge des anhaltenden Klimawandels ist zur Zeit noch nicht bekannt.

Reorganisation des gesamten ozeanischen Klimasystems?
Meeresströmungen im Nordatlantik
Meeresströmungen im Nordatlantik
© NASA/GSFC
„Es ist ein Signal der große Variabilität des Klimas in den hohen Breiten“, erklärt Hakkinen. „Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnte er eine Reorganisation des gesamten ozeanischen Klimasystems ankündigen, und damit vielleicht auch des Weltklimas, aber wir brauchen noch weitere fünf bis zehn Jahre um definitiv sagen zu können, dass so etwas passiert.“

Co-Autor Peter Rhines von der Washington University ergänzt: „Die subpolare Zone der Erde ist eine Schlüsselregion für die Erforschung des irdischen Klimas. Es ist hier wie die Grand Central Station: Viele der ozeanischen Wassermassen strömen von der Arktis in wärmere Breiten und werden in diesem Becken verändert. Computermodelle haben gezeigt, dass die Verlangsamung oder Beschleunigung das gesamte Zirkulationssystem der Ozeane beeinflusst.“

Mildes Klima in Mitteleuropa
Im Nordatlantik strömt warmes Wasser mit dem Golfstrom nordwärts, an Irland vorbei, bevor es westwärts Island und die Südspitze Grönlands passiert. Der Strom gibt dabei Wärme an die Atmosphäre ab, die vorherrschenden Westwinde transportieren diese Wärme nach Europa und tragen so zum relativ milden europäischen Klima bei. Im Norden, kurz vor der Küste Labradors hat sich der Strom soweit abgekühlt, dass das kalte, salzhaltige und dichte Wasser in die Tiefe absinkt und dort südwärts zurück Richtung Äquator fließt.

Hakkinen und Rhines verglichen für ihre Studie aktuelle Satellitendaten mit den Datenbeständen aus früheren Beobachtungen. Die Ergebnisse zeigten, dass sich das Wasser der Labradorsee in den 1990er Jahren deutlich erwärmt hat. Nach Ansicht der Forscher wird dadurch der Kontrast dieses Kaltwassers mit dem wärmeren Wasser aus südlicheren Regionen verringert und damit der Motor des Nordatlantikstroms „ausgebremst“. Im Gegensatz zu früheren Studien, die vor allem den Wind als Auslöser sahen, deuten die neuen Daten daraufhin, dass der Wärmeaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre - und damit möglicherweise auch steigende globale Temperatur - die entscheidende Rolle für die Abschwächung des Nordatlantikstroms spielt.
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