Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 24.05.2012
Kälte-Kick statt Doping
Kurzfristige Abkühlung bei minus 120 Grad bringt Olympia-Athleten in Form
Allein der Gedanke an die Olympischen Spiele im nächsten Jahr in China treibt vielen deutschen Athleten schon jetzt den Schweiß auf die Stirn. Denn trotz größter Hitze sollen sie dort Höchstleistungen bringen. Statt Doping haben Wissenschaftler jetzt eine bessere Möglichkeit gefunden, um die Athleten auf die richtige Betriebstemperatur zu bringen und fit zu machen für einen perfekten Wettkampf: eisige Kälte.

Leichtathletik
Leichtathletik
© IMSI MasterClips
Mehr als 50 Hobby- und Spitzensportler wurden von Wissenschaftlern der Universitäten Dortmund und Münster kurzfristig bei minus 120 Grad in eine so genannte Kältekammer gesteckt. Das erste Ergebnis: Die eisige Kälte hat die Testpersonen tatsächlich in eine optimale körperliche Ausgangsverfassung gebracht. In einem nächsten Schritt untersuchen die Forscher nun, wie die Methode durch weitere Kühlverfahren - Kühlwesten, Kaltluftgeräte, Crash-Eisanwendung oder Kaltduschen - weiter verbessert werden kann.

Zu viel Hitze ist ungesund
Bereits in diesem Sommer mussten bei einigen Marathon-Läufen in Rotterdam und London, aber auch in Dortmund und Brilon insgesamt mehr als hundert Läufer wegen Überhitzungs-Schäden stationär behandelt werden. Dortmunder Sportwissenschaftler um Dr. Sandra Ückert gehen deshalb gemeinsam mit Kollegen der Universität Münster der Frage nach, wie sich die kurzfristige Anwendung extremer Kälte auf die sportliche Leistung auswirkt.

Probandin mit Kühlweste
Probandin mit Kühlweste
© Universität Dortmund Probandin mit Kühlweste
Dazu gehen die Testpersonen für zweieinhalb Minuten in ein 120 Grad Celsius kühles Polarium und absolvieren anschließend einen Dauerlauf bei 90 Prozent der Maximalleistung. Schon nach sechs Monaten konnten die Wissenschaftler feststellen, dass sich die sportliche Leistung der Probanden durch eine optimale Blutumverteilung sowie eine verbesserte Versorgung mit Sauerstoff erheblich verbesserte. Es reicht nach Ansicht der Wissenschaftler eben nicht aus, sich an die Hitze zu gewöhnen und den Wasserverlust durch Trinken auszugleichen.

"Aufwärmen" schadet
Und das vielgepriesene "Aufwärmen" vor dem Sport sei sogar kontraproduktiv. Denn bei Außentemperaturen ab 15°C wirkt sich die Wärme bei sportlicher Belastung gleich doppelt auf den Körper aus: Die körpereigene Wärmeproduktion plus die Wärmebelastung durch die Umgebungsfaktoren. Und nur durch Schwitzen allein kühlt der menschliche Körper nicht genügend ab.

Wird dagegen die Körperperipherie vor der Belastung extrem gekühlt, tritt der Prozess des Temperaturanstiegs später ein. Dadurch wird nicht nur Energie gespart, sondern auch die Leistung verbessert.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Doping, Kälte, Sport, Leistung, Wärme, Sauerstoff
Weitere News zum Thema
Fünf Prozent der deutschen Studierenden praktizieren Hirndoping (30.01.2012)
Tiermedizinier und Sportstudenten dopen am meisten
Fast alle Masthähnchen bekommen Antibiotika (16.11.2011)
Studie: 96,4 Prozent der Tiere mit Medikamenten behandelt
Mäuse: Superkräfte durch Ausschalten eines Moleküls (14.11.2011)
Effekt könnte zur Behandlung von Muskelschwäche beim Menschen genutzt werden
Neuer Weltrekord bei flexiblen Solarzellen (26.05.2011)
Effizienz der Energieumwandlung auf Rekordwert von 18,7 Prozent gesteigert
Bluttest enthüllt Gendoping (03.09.2010)
Manipulation mit einfachem Verfahren nachweisbar
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Doping
Siege, Rekorde und Medaillen um jeden Preis?
Functional Food
Fitmacher oder Mogelpackung?
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
Personalisierte Ernährung
Maßgeschneiderte Ernährung oder Allerweltskost?
News des Tages
Mensch schuld an Waldbränden
Kälte-Kick statt Doping
Archäologie: Himmlischer Körper mit irdischem Antlitz
Keine Chance für Vogelgrippe-Viren
Klärschlamm als Phosphorquelle
Krebs: Nano-Shuttle bekämpft „Unsterblichkeitsenzym“
Bücher zum Thema
Der kleine Medicus
von Dietrich H. W. Grönemeyer
Wunder Mensch
Eine Reise durch unseren Körper von Alexander Tsiaras und Barry Werth
Warum Frauen nicht schwach, Schwarze nicht dumm, und Behinderte nicht arm dran sind
von Wolfram Henn
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Gelähmte steuert Roboterarm mit ihren Gedanken
5. Ruß und Ozonsmog verstärken die Wanderung der Klimazonen