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Freitag, 24.03.2017
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Artenschwund fällt auf Menschheit zurück

Artenvielfalt wichtiger für ökologische Dienstleistungen als angenommen

Die Artenvielfalt ist nicht nur ein Wert an sich, auch für uns Menschen ist sie wichtiger als bisher angenommen. Denn wie eine jetzt in Nature veröffentlichte Studie zeigt, kann bereits der Verlust weniger Arten ökologische Prozesse beeinträchtigen, auf die die Menschheit angewiesen ist.
Wiese - auch hier herrscht nur noch selten Artenvielfalt

Wiese - auch hier herrscht nur noch selten Artenvielfalt

Unter Ökosystem-Dienstleistungen verstehen Umweltforscher alle die Funktionen, mit denen ein Ökosystem uns Menschen nutzt, wie beispielsweise die Lebensmittelproduktion, die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser oder die Bindung des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre.
Wie sich der Verlust von Arten auf die verschiedenen Ökosystem-Dienstleistungen auswirkt, haben Wissenschaftler zwar bereits unteruscht, dabei allerdings meist nur jeweils eine einzige Ökosystem-Dienstleistung auf einmal betrachtet. Ob diese Werte repräsentativ für die volle Funktionsfähigkeit eines Ökjosystems sind, war bisher nicht eindeutig geklärt.

Schon geringer Artverlust schädigt System


Professor Andrew Hector vom Institut für Umweltwissenschaften der Universität Zürich und Robert Bagchi von der Universität Oxford haben deshalb eine neue Methode entwickelt, die es erlaubt, mehrere Ökosystem-Prozesse auf einmal zu berücksichtigen. Sie wendeten diese Methode im Rahmen einer Analyse europäischer Wiesengemeinschaften an und erfasste dabei gleich sieben Ökosystem-Dienstleistungen gleichzeitig.

Dabei stellten sie fest, dass eine größere Artenvielfalt benötigt wird, wenn alle Ökosystem-Dienstleistungen einberechnet werden, als wenn nur eine einzelne Dienstleistung betrachtet wird. Bereits der Verlust von wenigen Arten kann dazu führen, dass die Gesamtfunktion eines Ökosystems beeinträchtigt wird. „Bisherige Untersuchungen haben angenommen, dass Arten, die für eine Ökosystem-Dienstleistung wichtig sind, alle anderen Dienstleistungen auch gewährleisten können – aber das scheint nicht der Fall zu sein“, erläutert Hector.


Arten beeinflussen spezifische Funktionen


Das Kernresultat der Studie besagt, dass verschiedene Dienstleistungen des Ökosystems durch verschiedene Gruppen von Arten beeinflusst werden. Dazu Robert Bagchi: „Weil jeweils andere Arten für unterschiedliche Ökosystem-Dienstleistungen zuständig sind, braucht es insgesamt mehr Arten, um ein voll funktionierendes System zu erhalten, als wenn man sich nur auf eine Art konzentriert.“ Darum empfehlen die Forscher, Ökosysteme so zu verwalten, dass mehrere Ökosystem-Dienstleistungen zugleich erhalten werden können. Denn die isolierte Betrachtung einer Dienstleistung wie etwa die Steigerung des Ertrages kann zu enormen Problemen führen. So hat übermäßiges Düngen hohe Nitratwerte in benachbarten Flüssen zur Folge, was wiederum die Wasserverschmutzung und das Wachstum von Unkraut erhöht und andere negative Einflüsse haben kann.

Praxistest anhand von Aufforstungen


Für bisherige Umweltschutzbemühungen wie die Aufforstung von abgeholzten Regenwäldern könnte die Studie weit reichende Konsequenzen haben: Gemäß Hectors und Bagchis Erkenntnissen greift die bisherige Praxis – die Wiederanpflanzung einer einzelnen Baumart – zu kurz. Als nächsten Schritt überprüfen die beiden Wissenschaftler ihre Erkenntnisse über die Artenvielfalt mit Daten aus den Tropen. Prof. Andrew Hector ist einer der leitenden Forscher des Sabah Biodiversitätsexperiments im Malayischen Borneo, das verschiedene Wiederanbauschematas von Bäumen untersucht. Dabei wollen die Forscher herausfinden, welche Methode erfolgreicher ist, um ein voll funktionierendes Waldökosystem wieder herzustellen: Anpflanzungen mit vielen verschiedenen Arten oder Monokulturen.
(Universität Zürich, 12.07.2007 - NPO)
 
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