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Sonntag, 22.01.2017
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Arzneikapseln aus künstlicher Spinnenseide

Hochelastische Mikrokapseln setzen Wirkstoffe gezielt frei

Ein bei der Natur abgeschauter Trick könnte zukünftig die Herstellung von Arzneikapseln verbessern. So ist es deutschen Wissenschaftlern gelungen, das Verkapselungsmaterial für Wirkstoffe unter Ausnutzung des Grenzflächenverhaltens von künstlicher Spinnenseide zu verbessern. Sie berichten hierüber in der Fachzeitschrift „Advanced Materials“.
Spinnennetz

Spinnennetz

Einkapselungsprozesse sind für viele Anwendungen von größter Bedeutung. Oft ist es beispielsweise nötig, bestimmte Arzneien oder Medikamente präzise im Körper an ihr Ziel zu steuern, ohne dass sich diese unterwegs auflösen. Andere Anwendungen sind die Einkapselung von Geschmacks- oder Wirkstoffen in Lebensmitteln, die immer neue Herausforderung an die Stabilität und gezielte Freisetzung stellen. Für ihre Experimente verwendeten die Forscher an der Technische Universität München als Schutzhülle ein bestimmtes Protein, das den Spinnfaden-Eiweißen nachgebildet ist. Diese sind – Grundvoraussetzung für Anwendungen im Körper – immunologisch unsichtbar.

Hauchdünner Seidenfilm


Die Protein-Moleküle sind mit dem zu verpackenden Wirkstoff in einem Wassertröpfchen gelöst. Dann emulgierten die Biophysiker die Tröpfchen in einem Öl. Bei diesem Prozess bildet sich zwischen den beiden Phasen eine Grenzfläche. Aufgrund ihres amphiphilen Charakters – die Substanz löst sich in polaren und in unpolaren Lösungsmitteln – wanderten die Seidenproteine an diese Phasengrenze und bildeten eine sehr stabile beta-Faltblattstruktur aus, wie man sie auch in den Seidenfäden findet.

Auf diese Weise formierten sich die Seidenproteine zu einem hauchdünnen Film, nur wenige Nanometer dick. Die so entstandene Mikrokapsel bildet ein ideales System, verschiedenste Inhalte sicher ans gewünschte Ziel zu transportieren. Die gesamte Reaktionszeit, in der sich die kleinen Kapseln ausbilden, beträgt nur wenige Sekunden, was auf die einzigartigen Eigenschaften der Spinnenseidenproteine zurückzuführen ist.


Hochelastische Mikrokapseln


Die so erzeugten Mikrokapseln sind hochelastisch, können kaum osmotisch schwellen und sind somit gegen den osmotischen Druck nahezu immun. Dies ist deshalb wichtig, weil die Kügelchen nicht mitten im Körper an ungewollter Stelle platzen und ihren Wirkstoff freisetzen sollen. Außerdem weisen die ultrakleinen „Träger“ eine hohe chemische Stabilität auf, und das gleichzeitig bei absoluter Biokompatibilität und immunologisch neutralem Verhalten. Das Freisetzen der transportierten Substanz kann durch Proteasen erfolgen. Diese natürlichen Enzyme bauen die Schutzhülle von außen ab.

Ein großer Vorteil dieser im Rahmen des Exzellenzclusters Nanosystems Initiative Munich (NIM) entwickelten Methode ist nicht nur die Einfachheit des Prozesses, sondern auch die hervorragende Kontrollierbarkeit der Materialeigenschaften. So gelingt es, durch den Einsatz von speziellen Vernetzungsmethoden, den Prozess des Abbaus der Seidenkapsel gezielt zu verzögern. Auf diese Weise eröffnen diese neu entwickelten biomimetischen Seidenmaterialien vielfältige Einsatzmöglichkeiten - nicht nur zum Medikamententransport, sondern auch für funktionale Lebensmittel oder für technische Anwendungen.
(idw - Technische Universität München, 26.06.2007 - AHE)
 
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