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Dienstag, 25.07.2017
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Huftiere müssen Angst vor Räubern lernen

Erkennen von Fressfeinden nicht angeboren

Ist die Angst vor dem „bösen Wolf“ den Elchen angeboren? Fürchten die Hirsche Nordasiens den sibirische Tiger selbst wenn sie ihm noch nie begegnet sind? Genau diese Fragen nach der Verankerung der Reaktion auf Fressfeinde haben jetzt amerikanische Forscher untersucht. Entscheidend sind die Ergebnisse vor allem in Gebieten, in denen Großräuber verschwunden waren, jetzt aber wieder ausgewildert werden sollen.
Wolf

Wolf

Joel Berger, Forscher der Wildlife Conservation Society, untersuchte für seine Studie 19 Gebiete im Osten Russlands, in Grönland, Kanada und den USA. Er verglich das Verhalten von vier potenziellen Beutetieren – Rothirsch, Karibu, Elch und Bison – in drei unterschiedlichen Bedingungen: In Gebieten in denen es noch natürliche Feinde gibt, wie beispielsweise Ostsibirien oder Alaska, in Gebieten, in denen die Feinde ausgerottet sind, wie auf der norwegischen Insel Svalbard, und Gebiete, in denen die Topprädatoren nach ihrem Verschwinden wieder vom Menschen wieder eingeführt wurden, wie in den Yellowstone und Grand Teton Nationalparks.

Präsenz ist entscheidend


Um die Reaktion der Tiere auf ihre traditionellen Feinde zu testen, spielte Berger ihnen Tonaufnahmen von Wolfsgeheul oder Tigerbrüllen vor und beobachtete ihre Reaktion. Es zeigte sich, dass die Huftiere in den Gebieten, in denen ihre Feinde fehlten, keinerlei typische Fluchtreaktion aufwiesen. In den Bergen Ostsibiriens dagegen, in denen noch Wölfe und Tiger leben, reagierten die Elche sofort, indem sie sich sammelten und flohen.

Das Ergebnis zeigt, dass die tatsächliche Präsenz der Raubtiere für die Reaktion der Huftiere entscheidend ist. Erst die Erfahrung lehrt die Tiere, wie ein gefährlicher Fressfeind aussieht und sich verhält. Es gibt demnach offensichtlich kein angeborenes „Bild“ des Räubers. Diese Erkenntnis ist vor allem für die Wiederauswilderungsversuche von Wölfen und anderen Raubtieren wichtig. Denn sie erklärt auch die Unruhe, die Verschiebungen im Ökosystem, die nach einer solchen Auswilderung auftreten.


In den USA sind beispielsweise in den letzten Jahren mehr als 23 Millionen US-Dollar investiert worden, um Wölfe wieder in den nördlichen Rocky Mountains anzusiedeln. Das Ziel solcher Auswilderungen ist es nicht allein, eine Tierart vor der Ausrottung zu bewahren, es geht den Wissenschaftlern meist auch darum, in dem betreffenden Ökosystem die natürliche Räuber-Beute Balance wieder herzustellen. Als die Wölfe in die Yellowstone-Region zurückkehrten, lösten sie eine drastische Veränderung in der Verteilung der Hirsche, Elche und Koyoten aus.


“Es sind nicht nur die Klimaveränderungen, die unsere großen wilden Landschaften ändern, es sind auch die Handlungen von Artenschützern und Behörden, die versuchen, Ökosysteme wiederherzustellen indem sie endemische Fleischfresser wieder zurück bringen“, erklärt Berger.
(Wildlife Conservation Society, 22.06.2007 - NPO)
 
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