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Freitag, 19.03.2010
Pflanzen erkennen ihre Verwandten
Keine Konkurrenz im Beet oder Kübel gegenüber Angehörigen
Es scheint so, als wenn unsere Gartenpflanzen nicht ganz so passiv und unsensibel sind, wie wir denken: Wie Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben, können sie zwischen verwandten und nicht verwandten Individuen der gleichen Art unterscheiden. Unter Fremden herrscht starker Wettbewerb im Beet, Verwandte werden toleriert.

Meersenf
Meersenf
© Stony Brook University Meersenf
Das nächste Mal, wenn Sie mit Pflanzensetzlingen bewaffnet in den Garten gehen, sollten Sie sehr genau darauf achten, wen sie wohin pflanzen, wenn Sie Frieden im Beet wollen. Schon seit Jahrhunderten wissen Gärtner, dass bestimmte Pflanzenarten besser, andere schlechter miteinander harmonieren. Doch jetzt haben Forscher der McMasters Universität in Ontario, Kanada herausgefunden, dass es auch innerhalb einer Pflanzenart deutliche Unterschiede gibt. Studienobjekt der Wissenschaftler war der Nordamerikanische Meersenf (Cakile edentula), eine Senfart, die an Stränden Kanadas und der USA vorkommt.

Konkurrenz durch Wurzelwachstum
„Wenn Pflanzen sich einen Topf teilen müssen, beginnen sie, vermehrt Wurzeln zu bilden, um Wasser und Nährstoffe an sich zu ziehen, bevor ihr Nachbar sie bekommt. Es scheint aber, das sie dies nur dann tun, wenn sie den Topf mit einer nicht-verwandten Pflanze teilen, gehört der Nachbar zur Familie, steigern sie ihr Wurzelwachstum nicht“, erklärt Susan Dudley, außerordentliche Professorin für Biologie an der McMaster Universität. Ganz offensichtlich können die Pflanzen – auf bisher ungeklärte Weise – zwischen Verwandten und nicht-Verwandten unterscheiden, wenn sie direkt benachbart wachsen.

Altruismus gegenüber Angehörigen
„Die Fähigkeit, Verwandte zu erkennen und zu fördern ist bei Tieren häufig, aber dies ist das erste Mal, dass es bei Pflanzen nachgewiesen worden ist”, so Dudley. Obwohl sie keinerlei Bewusstsein oder Gedächtnis besitzen, zeigt die Studie ihrer Ansicht nach, dass auch Pflanzen zu komplexen sozialen Verhaltensweisen, wie dem Altruismus gegenüber Angehörigen, fähig sind. Wie beim Menschen liegen die interessantesten Verhaltensweisen unter der Oberfläche verborgen.

“Ich habe festgestellt, dass Pflanzen von der gleichen Mutter untereinander verträglicher sind als Pflanzen der gleichen Art aber von unterschiedlichen Müttern“, erklärt die Forscherin. „Je mehr wir über die Pflanzen lernen, desto komplexer scheinen ihre Interaktionen zu sein. Es könnte daher fast genauso schwer sein, die Verträglichkeit von Pflanzen in einem Topf vorherzusagen, wie die von Gästen bei einer Dinnerparty.“
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