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Mittwoch, 26.07.2017
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Menschen wissen wenig über Krankheiten

Umfrage: Bevölkerung besitzt kaum medizinisches Hintergrundwissen

Die Bevölkerung weiß nur wenig über medizinische Themen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, HIV und AIDS. Auch ein Universitätsstudium, eine medizinische Ausbildung oder persönliche Erfahrungen mit einer der Erkrankungen verbessern die Kenntnisse nur unwesentlich. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, die Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift BMC Medicine veröffentlicht haben.
HI-Virus

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Zumindest minimales Wissen über Risikofaktoren bei der Entstehung und Symptome häufiger Erkrankungen sind eine Grundvoraussetzung für einen bewussten Umgang mit Gesundheit. Die Studie einer Forschergruppe um Lucas M. Bachmann vom Horten Zentrum für praxisorientierte Forschung und Wissenstransfer der Universität Zürich und des Max-Planck Instituts für Adaptives Verhalten und Kognition in Berlin zeigt jedoch, dass die Kenntnisse über die Ursachen eines Herzinfarkt, die Verhinderung einer HIV-Infektion, die frühen Symptome eines Schlaganfalles oder die Verhinderung einer chronischen Bronchitis ziemlich beschränkt sind.

Alter und Geschlecht ohne Einfluss


Die Forscher kontaktierten für jede der vier Erkrankungen mehrere Fachexperten und erfragten das minimale Wissen, das Laien hinsichtlich Risikofaktoren und Symptomen haben sollten. Die maximale Anzahl richtiger Antworten bei der anschließenden Befragung der Bürger war 25. Im Durchschnitt wurden lediglich acht Fragen korrekt beantwortet. Der Prozentsatz richtiger Antworten war bei Absolventen eines Universitätsstudiums, (para)medizinischer Ausbildung oder persönlicher Erfahrung mit einer der Erkrankungen nur unwesentlich höher. Das Alter und das Geschlecht der Befragten hatten keinen Einfluss auf die Rate richtiger Antworten.

“Wir erklären diese Resultate damit, dass viele Laien medizinisches Wissen nicht aktiv erwerben sondern soziale Heuristiken annehmen“, sagt Bachmann. „Laien vertrauen Expertenmeinungen oder folgen Ratschlägen von Bekannten.“ Es überrascht, dass medizinisches Wissen in der Bevölkerung trotz einer wachsenden Zahl von Medizinsendungen und Publikationen in den Medien so gering ist. „Dabei wäre ein minimales Wissen über Risikofaktoren und Symptome häufiger Erkrankungen für einen bewussten Umgang mit Gesundheitsrisiken oder eine frühzeitige medizinische Behandlung sehr wichtig“, erklärt Bachmann.


Vergleichbare Befragungen Mangelware


Ähnliche Befragungen aus anderen Ländern fehlen weitgehend. In einer amerikanischen Studie unter der Leitung von Gerd Gigerenzer vom Max-Planck Institut für Adaptives Verhalten und Kognition in Berlin wurden 133 Ökonomen gefragt, was sie über den PSA-Test zur Früherkennung des Prostatakrebses wissen und ob sie sich testen lassen. Währenddem lediglich fünf Prozent der Befragten etwas über den PSA-Test wussten, gestanden zwei Drittel, dass sie die Vor- und Nachteile der Untersuchung nicht abwiegen würden. Die Mehrheit äußerte, sie würden der Empfehlung ihres Arztes folgen und zehn Prozent gaben an, der Empfehlung ihrer Ehefrau zu folgen.

“Um weitere Faktoren, die medizinisches Wissen beeinflussen, zu erforschen und repräsentative Zahlen aus verschiedenen Ländern zu gewinnen, planen wir in Anlehnung an die PISA-Studie eine breit angelegte Zweitbefragung, ein Gesundheits-PISA“, sagt Bachmann.
(Universität Zürich, 05.06.2007 - DLO)
 
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