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Montag, 23.01.2017
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Stotter-Therapie verbessert?

Neue Erkenntnisse und Therapiekonzepte zur effektiven Behandlung des Stotterns

Bundesweit stottern zirka 800.000 Menschen, mehr als zehn Prozent davon sind Kinder und Jugendliche. Doch das Ursachengefüge des Stotterns ist komplex und die Therapie langwierig. Nun haben Forscher erstmals nachgewiesen, dass Stotterer auffällige neuronale Hirnaktivitätsmuster aufweisen. Diese Erkenntnisse könnten neue Therapiekonzepte zur effektiven Behandlung des Stotterns aufzeigen.
Sprache

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Beim Stottern handelt es sich um eine neurophysiologisch bedingte Koordinationsstörung mit falschen, hochgradig automatisierten Sprechmustern. Je früher das Stottern erkannt und eine Therapie eingeleitet wird - möglichst noch im Kindergartenalter - desto besser sind die Aussichten auf eine Aufhebung der Redeflussstörung. Betroffene trainieren deshalb in Stottertherapien oft neue motorische Sprechmuster oder üben, aus dem „Stottermuster“ heraus zu kommen.

Sprachregion in vorderer linker Hirnhälfte betroffen


In einem bundesweit einzigartigen Forschungsverbund haben nun Forscher des Frankfurter Universitätsklinikums und der Universität Kassel hirnfunktionelle Mechanismen von Nicht-Stotterern und Stotterern untersucht, wobei letztere einer stotterreduzierenden Therapie unterzogen wurden. Erstmals konnte die Forschergruppe nachweisen, dass Stotterer auffällige neuronale Hirnaktivitätsmuster aufweisen. Dabei handelt es sich um Minderaktivierungen in den Sprachregionen der vorderen linken Hirnhälfte, während sich zur selben Zeit ausgedehnte Mehraktivierungen vor allem in der rechtsseitigen Hirnhälfte, unter anderem dem rechten frontalen Operculum (RFO), zeigen.

Nach einer erfolgreichen stotterreduzierenden Fluency-Shaping-Therapie konnten die Forscher bei den untersuchten Stotterern noch ausgedehntere Mehraktivierungen im Gehirn nachweisen, die nun aber mehr in linksseitigen Sprachgebieten und in Hörregionen lagen. Das RFO, das rechtsseitige Pendant linksseitiger Sprachgebiete, das offensichtlich einen spontanen Kompensationsmechanismus für das Stottern beherbergt, war nun weniger aktiv. Interessanterweise umgaben die linksseitigen Mehraktivierungen nach der Therapie solche linksseitige Sprachregionen, in der bei Stotterern strukturelle Auffälligkeiten gefunden worden waren.


Reorganisation der neuronalen Netzwerke


Eine solche Aktivierungsverlagerung durch eine erfolgreiche Therapie zeigt damit wahrscheinlich die Reorganisation und -formierung linksseitiger neuronaler Netzwerke an, die primär in die Sprechprozesse einbezogen sind. Die beteiligten Forscher werten diesen Aktivierungsschub in ihrer Läsions-Kompensations-Theorie als Beleg für die Effektivität einer dauerhaften Stottertherapie nach dem Fluency-shaping-Prinzip.

Aus den Erkenntnissen des Frankfurt-Kasseler-Forscherverbunds folgt, dass das Gehirn bei Stotterern naturgemäß spontan rechtshemisphärisch, insbesondere über das RFO, damit aber nicht langfristig effektiv für die Redeflussstörung kompensiert. Im Verlaufe einer erfolgreichen Fluency-shaping-Therapie setzt das Gehirn der Stotterer neben ausgedehnten rechtshemisphärischen Mehraktivierungen mehr linkshemisphärische Netzwerke ein und kompensiert so das Stottern effektiver. Es wurde auch gezeigt, dass sich längere Zeit nach der Therapie und einhergehend mit einer leichten Rückkehr von Sprechunflüssigkeiten der Kompensationsmechanismus wieder verstärkt zur rechten Seite und zum RFO verlagert.

„Mit unseren neurowissenschaftlichen Untersuchungen sind wir zuversichtlich, dass wir zukünftig helfen, gerade sehr effektive Stottertherapien weiterzuentwickeln und auf die hirnfunktionellen Mechanismen besser anzupassen“, stellt Katrin Neumann, Fachärztin für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen fest, die an der Studie beteiligt war.
(idw - Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, 25.05.2007 - AHE)
 
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