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Samstag, 22.07.2017
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Schizophrene Symptome häufiger als gedacht

Cannabiskonsum und ungünstige Lebensbedingungen als Risikofaktoren

Die Schizophrenie gilt als seltene und besonders schwere psychische Erkrankung. Doch Symptome, die für diese Erkrankung typisch sind, kommen in der Bevölkerung weitaus häufiger als bisher vermutet. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Universität Zürich. Als beteiligte Risikofaktoren identifizierten die Forscher Cannabiskonsum und ungünstige Lebensbedingungen in Kindheit und Jugend. Nach den Ergebnissen dieser Studie ist Schizophrenie keine exotische Krankheit, und das voll ausgebildete Krankheitsbild bildet nur die Spitze des Eisbergs, so die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Schizophrenia Research“.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Die Schizophrenie tritt zumeist im jungen Erwachsenenalter auf und hat erhebliche Folgen für die Betroffenen und die Angehörigen. Aber auch die Gesellschaft insgesamt ist betroffen, da sie die finanziellen Folgen dieser häufig zur Invalidisierung führenden Erkrankung tragen muss.

In einer Bevölkerungsstudie konnte ein Forscherteam der Psychiatrischen Universitätsklinik um Professor Wulf Rössler und Vladeta Ajdacic-Gross zeigen, dass einzelne typische Schizophreniesymptome in der Allgemeinbevölkerung bemerkenswert häufig sind – weitaus häufiger als die Erkrankung selbst, deren Häufigkeit in der Bevölkerung unter einem Prozent liegt. So berichtet mehr als ein Drittel der 20-jährigen, dass sie gelegentlich das Gefühl haben, dass man ihre Gedanken kontrollieren könne, oder fast ein Viertel gibt an, dass sie von Zeit zu Zeit Gedanken hätten, die nicht ihre eigenen Gedanken seien.

Noch häufiger fanden die Wissenschaftler Symptome, die als Vorformen einer Schizophrenie betrachtet werden. So hatten über 40 Prozent der Befragten das Gefühl, von anderen beobachtet zu werden. Und rund neun Prozent der Bevölkerung berichteten, mehrere dieser Symptome gleichzeitig über viele Jahre hinweg erlebt zu haben, ohne dass bei ihnen eine voll ausgeprägte Schizophrenie hätte diagnostiziert werden können. Trotzdem bleibt ihr Leben davon nicht unberührt: Viele Personen mit anhaltenden Symptomen, die aber klinisch nicht zu einer Schizophreniediagnose führen, wiesen erhebliche Probleme am Arbeitsplatz und ganz allgemein in persönlichen Beziehungen auf. So ist bei ihnen beispielsweise das Risiko, Probleme mit dem Partner zu haben oder vom Partner verlassen zu werden, doppelt so groß wie bei der Allgemeinbevölkerung.


Cannabis begünstigt Entwicklung von Psychosen


Bei der Analyse der Risikofaktoren erwies sich der häufige Cannabisgebrauch im jungen Erwachsenenalter als ein wichtiger Einflussfaktor für anhaltende Schizophreniesymptome. Dieses Ergebnis stützt die Hypothese, dass der Cannabiskonsum die Entwicklung von Psychosen begünstigt – offensichtlich auch von unterschwelligen Formen schizophrener Erkrankungen. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor sind ungünstige Lebens- und Umweltbedingungen in Kindheit und Jugend. Dazu zählen unter anderem chronische Krankheit der Eltern, häufige Streitigkeiten, harte Bestrafung oder Vernachlässigung durch die Eltern. Ältere Theorien über den Einfluss ungünstiger Lebens- und Umgebungsbedingungen auf die Entwicklung schizophrener Erkrankungen erhalten durch dieses Ergebnis neuen Auftrieb.

Die Forscher um Wulf Rössler machen darauf aufmerksam, dass ihre Ergebnisse zur Entmystifizierung und damit zur Entstigmatisierung schizophrener Erkrankungen beitragen können: Schizophrenie ist kein exotisches Krankheitsbild, sondern in abgeschwächten Formen in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet. Das voll ausgeprägte Bild der Schizophrenie bildet nur die Spitze des Eisbergs dieses Krankheitsspektrums.

Psychotische Störungen umfassen ein Spektrum unterschiedlicher Störungsbilder von der Schizotypie über wahnhafte Störungen bis hin zur schizophrenen Störung im engeren Sinne. Die Schizophrenie ist die schwerste und wichtigste psychotische Erkrankung. Je nach Störung treten Symptome wie Halluzinationen, Wahn oder auch schwere Denk- und Verhaltensstörungen auf.
(Universität Zürich, 23.04.2007 - DLO)
 
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