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Samstag, 16.12.2017
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CT-Strahlendosis unterschätzt

Studie zeigt: „Schöne Bilder“ verlocken zu unnötigen Untersuchungen

Die schnellen „schönen“ Bilder aus dem Computertomographen sind verlockend und helfen bei vielen Diagnosen. Doch die bis zu 1000-fache Strahlendosis einer normalen Röntgenaufnahme ist die Kehrseite der Untersuchungsmethode, die Nicht-Radiologen kaum kennen. Denn das Ergebnis einer neuen Studie zeigt: Rund drei Viertel aller befragten Klinik-Ärzte unterschätzt die Strahlendosis der CT im Vergleich zur konventionellen Röntgenaufnahme. Der unkritische Einsatz des Verfahrens ist die Folge, wie die Forscher in der Fachzeitschrift RöFo berichten.
Blick ins Gehirn mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie

Blick ins Gehirn mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie

„Es werden zurzeit zu viele CT-Untersuchungen angemeldet, weil eine gewisse Sorglosigkeit bei den Zuweisern besteht“, so Dr. Christoph Heyer vom Institut für Radiologie der Ruhr-Universität Bochum, der die Befragung an den BG Kliniken Bergmannsheil durchführte. Aufgrund der Studie empfehlen nun die Spezialisten, Ärzte aller Fachrichtungen im Medizinstudium sowie durch radiologische Fortbildungsmaßnahmen stärker für die Strahlenbelastung zu sensibilisieren. Die Hemmschwelle, eine solche Untersuchung zu initiieren, müsse angehoben werden.

Nur ein Drittel der Ärzte schätzt die Strahlendosis richtig ein


119 Ärzte aus Chirurgie, Innerer Medizin, Anästhesie und Neurologie des Universitätsklinikums hatten sich an der Befragung beteiligt. 39,5 Prozent der Befragten schätzten die Strahlendosis einer konventionellen Röntgenaufnahme des Brustraums mit 0,01 bis 0,1 Milli-Sievert (mSv) richtig ein. Doch nur 33,6 Prozent der Ärzte wussten, wie hoch die Strahlenbelastung einer Computertomographie des Brustraums beim Erwachsenen ist: 1 bis 10 mSv.

Zum Vergleich: Die Strahlenbelastung eines Menschen durch natürliche Quellen wie kosmische Strahlung beträgt etwa 2,1 mSv pro Jahr. Noch weniger Befragte waren sich der Höhe der Strahlendosis einer Herz-CT und einer CT-Untersuchung beim Säugling (je 10 bis 100 mSv) bewusst (26 beziehungsweise 27 Prozent) – alles Untersuchungen, die zum Alltag in der Universitätsklinik gehören. Rund 12.000 Computertomographien werden hier jedes Jahr angefertigt, Tendenz steigend.


Fachrichtung und Position spielen kaum eine Rolle


Wie unsicher sich die befragten Ärzte hinsichtlich der Strahlendosis der einzelnen Untersuchungsverfahren waren, zeigte sich auch darin, dass einige ihre Einschätzung offenbar vom Namen des Verfahrens abhängig machten: Ein Drittel der Befragten nahm an, die Strahlendosis einer so genannten Low-Dose-CT sei kleiner oder gleich der einer konventionellen Röntgenaufnahme – in Wirklichkeit verhält es sich umgekehrt. Der Begriff „High-Resolution CT“ rief offenbar den Eindruck einer hohen Strahlenbelastung hervor. Hier schätzten 90 Prozent aller Befragten die Strahlenbelastung korrekterweise höher ein als die der konventionellen Röntgenaufnahme. Weder die Berufserfahrung, noch die Position oder Fachrichtung der Befragten machten einen Unterschied bei den Ergebnissen.

Radiologen sind selbst mit schuld


Die weit überwiegende Zahl der durchgeführten CT-Untersuchungen wird von Nicht-Radiologen angeordnet. Nach Ansicht der Radiologen gehen die Kollegen in manchen Bereichen zu sorglos und unkritisch damit um. So bestätigt sich zum Beispiel der Verdacht auf eine Lungenembolie durch gezielte Embolie-CT nur bei zehn bis 30 Prozent aller untersuchten Patienten – über 70 Prozent der Patienten werden umsonst der Strahlung ausgesetzt. „Daran, dass so viele CT-Untersuchungen angeordnet werden, sind die Radiologen in gewisser Weise selber schuld, weil sie zum einen schnell und schmerzlos so schöne Bilder erzeugen, und weil sie zum anderen wenig für die Fortbildung der Nicht-Radiologen tun“, kritisiert Heyer.

Ersetzen lasse sich die CT in vielen Bereichen zwar nicht, es gebe aber Ansätze, vermehrt auf Ultraschall und Kernspintomographie auszuweichen, die den Patienten keiner ionisierenden Strahlung aussetzen. Ziel von Fortbildungen müsse es sein, das Bewusstsein der Zuweisenden für die Strahlenbelastung zu schärfen. „Bei Notfällen braucht man natürlich nicht viel zu diskutieren, aber der Tatsache, dass sich die Zahl der CT-Untersuchungen und damit die durch sie hervorgerufene Strahlenexposition von Jahr zu Jahr erhöht, muss man Rechnung tragen und gegensteuern“, fordern die Spezialisten. Es gehe um ein konstruktives, interdisziplinäres Gespräch zwischen Zuweiser und Radiologen zum Wohle des Patienten.
(Ruhr-Universität Bochum, 29.03.2007 - AHE)
 
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