Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 24.05.2012
Alarmsystem von Bakterien enträtselt
Enzym bietet Angriffsort für neuartige antibakterielle Wirkstoffe
Wenn Bakterien nicht genügend Nährstoffe zur Verfügung haben oder anderweitig in Stresssituationen geraten, passen sie ihren gesamten Stoffwechsel sehr schnell der neuen Situation an und schalten alle Vorgänge ab, die nicht unbedingt lebensnotwendig sind. Das entscheidende Signal dafür ist das Auftreten einer Verbindung namens pppGpp, eines mehrfach phosphorylierten Guanin-Nucleosids, welches als "Alarmmolekül" fungiert.

Streptokokken
Streptokokken
© CDC
Wie dieses von Streptokokken hergestellt und auch wieder abgebaut wird, haben Biochemiker der Universität zu Lübeck um Prof. Rolf Hilgenfeld jetzt herausgefunden und in der jüngsten Ausgabe der angesehenen Zeitschrift "Cell" veröffentlicht. Die Forscher klärten die Kristallstruktur des Enzyms RelS auf, welches sowohl die Synthese des Alarmmoleküls aus den Nucleotiden GTP und ATP katalysiert als auch seinen Abbau zu GTP und Pyrophosphat.

RelS ist damit eines der seltenen Enzyme, die gegensätzliche biochemische Reaktionen beschleunigen können. Die von den Lübecker Forschern aufgeklärte Kristallstruktur zeigt im atomaren Detail, wie dieses funktioniert: Das Enzym hat zwei separate aktive Zentren, die aber durch Konformationsänderungen miteinander kommunizieren. Solange die Stresssituation des Bakteriums anhält und pppGpp hergestellt werden muss, ist das aktive Zentrum für den Abbau der Verbindung abgeschaltet, aber sobald genügende Mengen des Alarmmoleküls vorhanden sind, wird das Synthesezentrum durch Strukturänderungen ab- und das Abbauzentrum angeschaltet.

Dieses Alarmsystem ist für das Überleben der Bakterien entscheidend, bei Säugern aber nicht vorhanden. Aus diesem Grunde bietet das Enzym einen völlig neuen Angriffsort für neuartige antibakterielle Wirkstoffe. Angesichts der dramatisch zunehmenden Resistenzen von Bakterien gegen die heute vorhandenen Antibiotika besteht dafür ein dringender Bedarf.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Weitere News zum Thema
CSI-Methoden können Herkunft von gefangenem Fisch klären (23.05.2012)
Neuartige Gentests helfen, der illegalen Fischerei einen Riegel vorzuschieben
Neues Mikroskop schaut unter die Haut (23.05.2012)
Forscher machen Blutfluss im Körper sichtbar
Straßenlaternen verändern Tierwelt des Bodens (23.05.2012)
Rund um die künstlichen Lichtquellen leben überdurchschnittlich viele räuberische Insekten und Kleintiere
Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht (23.05.2012)
Westeuropa trägt das weltweit höchste Risiko einer radioaktiven Kontamination
Klimawandel bedroht Seegraswiesen im Mittelmeer (22.05.2012)
Einzigartige Lebensgemeinschaft könnte bis 2050 aussterben
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
News des Tages
Selbstmord-Molekül für Krebszellen konstruiert
Klimaschutz durch Eisendüngung der Ozeane
Alarmsystem von Bakterien enträtselt
Biogas: Mehr Strom durch Algen
Krebsgen entdeckt
Golfkrieg: Uran im Urin
Gehirnoperation bei Tourette Syndrom erfolgreich
Bücher zum Thema
Viren. Die heimlichen Herrscher
Wie Grippe, Aids und Hepatitis unsere Welt bedrohen von Ernst-Ludwig Winnacker
Bittere Pillen
Nutzen und Risiken der Arzneimittel
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Gelähmte steuert Roboterarm mit ihren Gedanken
5. Ruß und Ozonsmog verstärken die Wanderung der Klimazonen