• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 22.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Gesundheitssystem für alternde Nervenzellen

Ret-Rezeptor bewahrt Neuronen vor einem frühen Tod

Wenn Nervenzellen im Gehirn unkontrolliert sterben, drohen Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer. Wie lange Neuronen leben, hängt unter anderem davon ab, ob bestimmte Nervenwachstumsfaktoren vorhanden sind. Wissenschaftler haben nun einen eindeutigen Beleg dafür geliefert, dass GDNF zu diesen wichtigen Wachstumsfaktoren gehört. Und auch sein Rezeptor Ret ist notwendig, um bestimmten Nervenzellen ein langes Überleben zu ermöglichen.
Querschnitte durch das Mäusegehirn

Querschnitte durch das Mäusegehirn

Für den Nachweis schalteten die Forscher das Gen für den Ret-Rezeptor in den Gehirnen von Mäusen aus. Und zwar in der Substantia Nigra, wo ein früher Nervenzelltod beim Menschen Parkinson auslöst, so die Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried in der Fachzeitschrift PLoS Biology. Die Gehirne der Mäuse entwickelten sich dann zwar normal, im fortgeschrittenen Alter nahm die Zahl der Dopamin erzeugenden Nervenzellen in diesem Areal jedoch ab - genauso wie es auch in Parkinson-Patienten zu beobachten ist.

Verschiedene Experimente deuteten bislang schon an, dass der Nervenwachstumsfaktor GDNF und sein Rezeptor Ret möglicherweise den frühen Tod dieser Neurone verhindern könnte. Nun hat ein Wissenschaftlerteam um Edgar Kramer, Liviu Aron, Sabine Seitz und Rüdiger Klein vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried nachgewiesen, dass die Nervenzellen in der Substantia Nigra, genauer gesagt im Nigro-Striatalen System, tatsächlich früher sterben, wenn ihnen der Ret-Rezeptor fehlt.

Mäuse als Versuchstiere


Den Schwund der Nervenzellen haben die Wissenschaftler erstmals in Mäusen beobachtet. Ihnen ist es jetzt nämlich gelungen, den Rezeptor gezielt in der Substantia Nigra auszuschalten. Diese Mäuse leben genauso lang wie gesunde Artgenossen. "So war es uns erstmals möglich, die Auswirkungen von fehlenden GDNF Signalen auf die Entwicklung und langfristige Erhaltung des Nigro-Striatalen Systems zu untersuchen", sagt Rüdiger Klein, Direktor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie und Leiter der Forschungsarbeiten. Tiere, denen der Nervenwachstumsfaktor oder sein Rezeptor in allen Zellen fehlt, sind nicht lebensfähig. Die Folgen für das erwachsene und alternde Gehirn ließen sich daher bislang nicht aufklären.


"Erstaunlicherweise entwickelte sich das Nigro-Striatale System auch ohne Ret Rezeptor ganz normal", sagt Edgar Kramer, der an der Studie maßgeblich mitwirkte. Dass GDNF an den rezeptorlosen Neuronen nicht andocken kann, macht sich erst im Erwachsenenalter drastisch bemerkbar: Die Nervenzellen sterben früh. Und je älter die Tiere wurden, desto mehr Nervenzellen und Fasern verlieren sie.

Schon bald bessere Therapien für Parkinson?


Weltweit leiden nahezu 100 Millionen vor allem ältere Menschen an der Parkinson-Krankheit und anderen Gehirnerkrankungen, die sich durch einen fortschreitenden Verlust von Nervenzellen auszeichnen. Je nach betroffenem Gehirnbereich können die Symptome recht unterschiedlich sein: Zum Beispiel steht bei der Alzheimer-Krankheit der Verlust des Erinnerungsvermögens im Vordergrund, während sich die Parkinson-Krankheit vor allem in motorischen Störungen ausdrückt.

Das charakteristische Muskelzittern und die Bewegungsarmut der Parkinson-Krankheit, an der auch solch bekannte Persönlichkeiten wie Muhammad Ali und Michael J. Fox leiden, treten jedoch erst auf, wenn bereits mehr als die Hälfte der Nervenzellen abgestorben sind.

"Unsere Ergebnisse helfen uns zu verstehen, welche Faktoren die Nervenzellen zum Überleben brauchen, die bei Parkinson Patienten absterben", sagt Klein. Unter anderem sollten die Erkenntnisse auch die Entwicklung besserer Therapieformen der Parkinson-Krankheit vorantreiben.
(idw - MPG, 14.03.2007 - DLO)
 
Printer IconShare Icon