Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Titan verrät Ursache für Supervulkan-Ausbruch
Nachträgliche Magma-Injektion als Auslöser für Eruption vor 76.000 Jahren identifiziert
Vor rund 76.000 Jahren brach in Nordamerika ein Supervulkan aus, der fast die gesamte Westhälfte des Kontinents unter einer Aschenschicht begrub. Jetzt haben Geologen entdeckt, was diese Supereruption ausgelöst hat. Die neune Erkenntnisse könnten auch helfen, zukünftige Ausbrüche dieser Art besser vorhersagen zu können.

Vulkanausbruch
Vulkanausbruch
© USGS
Die Long-Valley Caldera ist eine 15 mal 30 Kilometer große Senke rund 20 Kilometer südlich des kalifornischen Mono-Lake am Ostrand der Sierra Nevada. In den letzten drei Millionen Jahren ereigneten sich hier zahlreiche Vulkanausbrüche, darunter auch die Eruption des Supervulkans, der die Caldera erst hat entstehen lassen. Der jüngste Ausbruch, in Mono Lake, liegt erst 250 Jahre zurück. Wissenschaftler des Rensselaer Polytechnic Institute unter Leitung von David Wark haben jetzt diese Region genauer untersucht, um herauszufinden, was die gewaltige Eruption vor 76.000 Jahren ausgelöst hat.

Dabei nutzten sie die Verteilung des Spurenelements Titan in Quartzkristallen aus den Ablagerungen der Vulkanasche als „Geothermometer“. Schon zuvor hatten Wissenschaftler des Instituts herausgefunden, dass das Titan Rückschlüsse darüber erlaubt, unter welchen Temperaturbedingungen das Quartz kristallisierte.

Ein Stück der vulkanischen Ablagerungen und Quartzkristalle
Ein Stück der vulkanischen Ablagerungen und Quartzkristalle
© Rensselaer Polytechnic Institute / David Wark Ein Stück der vulkanischen Ablagerungen und Quartzkristalle
Bei den Untersuchungen der Supervulkanablagerungen zeigte sich, dass die äußeren Ränder der Kristalle bei weitaus heißeren Bedingungen kristallisiert waren als die inneren Bereiche. Nach Ansicht der Forscher deutet dies auf eine nachträgliche Injektion von frischem, heißem Magma aus den Tiefen in die Magmenkammer des Vulkans hin. Dieses „Nachladen“ könnte die Balance im Untergrund gestört und so die Eruption ausgelöst haben. Untersuchungen ergaben, dass diese Injektion in einem Zeitfenster von rund 100 Jahren vor dem Ausbruch stattgefunden haben muss.

“Die Long-Valley Caldera ist intensiv erforscht worden, aber indem wir Titan in Quartzkristallen als Geothermometer nutzten, konnten wir neue Einblicke in die Ursachen für die große Eruption gewinnen“, erklärt Wark. „Diese Arbeiten helfen Geologen auch zu verstehen, wie Supervulkane funktionieren und was sie dazu bringt, auszubrechen. Eines Tages könnte das auch dazu beitragen, zukünftige Eruptionen besser vorhersagen zu können.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Supervulkan, Eruption, Vulkanausbruch, Vulkanismus, Caldera, Magma, Frühwarnung, Asche, Quartz, Long-Valley, Titan
Weitere News zum Thema
Supervulkane werden schnell wieder aktiv (02.02.2012)
Erste Anzeichen für eine Eruption erst wenige Jahrzehnte vorher messbar
Yellowstone: Plume größer als gedacht (12.04.2011)
Leitfähigkeitsmessung zeichnet genaueres Bild des Magmenkammer-Zuflusses
Tuff: Zerstobenes Magma als Gestein des Jahres 2011 (27.01.2011)
Einst geboren bei Vulkanausbrüchen, findet sich Tuffgestein auch in Deutschland häufig
Supervulkan prägte Evolution der Nebelparder (24.01.2011)
Zwei Unterarten der asiatischen Großkatze auf Borneo und Sumatra identifiziert
Supervulkan unschuldig an Fast-Ausrottung der Menschheit (19.01.2011)
Vulkanischer Winter nach Ausbruch des Toba vor 74.000 Jahren milder als gedacht
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
News des Tages
Spinnen: Keuschheitsgürtel gegen „Kuckuckskinder“
Titan verrät Ursache für Supervulkan-Ausbruch
77 Prozent der Meeresbestände überfischt
Auch Hausarbeit macht krank
Kunsträubern mobil auf der Spur
Virtueller Gesichtertausch
Darmbakterie nutzt zelleigene Substanz als Helfershelfer
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes