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Freitag, 28.07.2017
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Heuschrecken verraten Hochwasser-Häufigkeit

Bioindikatoren geben Hinweise über den Zustand von Flusslandschaften

Heuschrecken und andere Insekten können nicht nur Auskunft über die Veränderungen der Ökosysteme in Überflutungsgebieten geben, sie verraten auch, wann und wie oft ein Gebiet in der Vergangenheit überschwemmt war. Mithilfe solcher Bioindikatoren werden zurzeit Auenlandschaften an der Elbe untersucht.
Heuschrecke

Heuschrecke

Frank Dziock hat zu Heuschrecken ein gänzlich anderes Verhältnis als Deutschlands Vizekanzler Franz Müntefering. Für den Politiker sind sie nichts als „Verderben bringende Ungeheuer“, für den Biologen Frank Dziock von der Technischen Universität Berlin dagegen ausgesprochen wichtige Tiere, an denen sich wunderbar Veränderungen in Ökosystemen beobachten lassen.

Folgen menschlicher Eingrffe


Aktuell bereitet Dziock zusammen mit dem Leipziger Helmholtz- Zentrum für Umweltforschung UFZ ein Projekt vor, in dem untersucht werden soll, wie sich das Ökosystem Auenlandschaft bei Roßlau an der Elbe nach Deichschlitzungen verändert. Mit dieser Maßnahme soll der Elbe in Sachsen-Anhalt wieder mehr Raum gegeben werden, um sich besonders in Zeiten des Hochwassers ausbreiten zu können.

Wichtigste Helfer der Forscher sind dabei Heuschrecken: "Im Sommer 2006 wurde bei Roßlau die erste Deichschlitzung an der Elbe überhaupt vorgenommen. Vor der Deichschlitzung haben wir die Heuschrecken sowohl auf den Flächen erfasst, die schon immer überschwemmt wurden und auf denen, die bisher nicht überschwemmt wurden, weil sie der Deich schützte. Jetzt werden wir untersuchen, welche Veränderungen sich auf den Flächen ergeben, die zu den Überschwemmungsgebieten hinzugekommen sind", erklärt Dziock. Durch den Vergleich der Areale können die Wissenschaftler feststellen, welche dynamischen Veränderungen sich durch solche menschlichen Eingriffe in der Biodiversität vollziehen


Bioindikation verrät Überflutungen


Doch solche „tierischen Helfer“ verraten noch mehr: Denn sie bilden auch ein Bioindikationssystem, dass unter anderem Aussagen darüber trifft, wie lange und in welchen Abständen die Auenlandschaft der Elbe überflutet ist.

"Über vier Jahre wurden nach der großen Elbeflut 2002 haben wir 60 Flächen untersucht. Unsere Parameter waren die Überschwemmungsdauer in Wochen für eine Fläche und der Grundwasserflurabstand, also der Abstand von der Bodenkante bis zum Grundwasser. Diese Parameter wurden den auf der Fläche vorkommenden Arten zugeordnet. So haben wir zum Beispiel auf einer Fläche, die durchschnittlich 12,3 Wochen überflutet ist, eine bestimmte Laufkäferart ausgemacht“, so Dziock.

Vom Vorkommen dieser Laufkäferart kann nun bei einem unbekannten Flurstück darauf geschlossen werden, dass sie durchschnittlich zwölf Wochen überschwemmt ist. Neben den Bioindikatoren wie Käfer wurde dieses gleiche Verfahren auch auf die Bioindikatoren Schwebfliegen, Muscheln und bestimmte Pflanzen angewandt, so dass auf Grundlage unserer Daten aus dem Vorkommen einer Art oder einer Artenkombination auf ganz bestimmte Umweltbedingungen geschlossen werden kann.

Die Bioindikation versetzt Wissenschaftler wie Dziock in die Lage, prognostizieren zu können, wie sich ein Ökosystem durch Eingriffe verändern wird. "Wir kennen jetzt den Zusammenhang zwischen Hydrologie und Artenvorkommen und werden im Folgenden hoffentlich auch untersuchen können, ob unsere Prognosen stimmen."
(Technische Universität Berlin, 22.02.2007 - NPO)
 
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