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Mittwoch, 24.05.2017
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Sonne auch in “Ruhephase” aktiv

Sonde “Ulysses“ registriert Ausbrüche trotz solarem Minimum

Die Sonne befindet sich zurzeit in einer eher ruhigen Phase ihres elf-jährigen Sonnenfleckenzyklus. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass sie nicht dennoch zu höchst energiereichen Ausbrüchen fähig wäre, wie jetzt das Weltraumobservatorium Ulysses enthüllte.
Sonde Ulysses vor der Sonne

Sonde Ulysses vor der Sonne

Die Sonne ist nicht immer gleich aktiv, sondern folgt einem elf-jährigen Zyklus. Auf dem Höhepunkt ihrer Aktivität steigt die Zahl der Sonnenflecken und der Energieausbrüche stark an, nahe dem Minimum nehmen Sonnenflecken und Eruptionen ab. Im Dezember 2006, nahe am Minimum des Sonnenzyklus, hat die gemeinsam von ESA und NASA betriebene Forschungssonde Ulysses die hohen Breiten der Sonne erneut näher erkundet - und dabei einiges an Überraschungen aufgedeckt.

Wie kommen die Teilchen zu den Polen?


Denn trotz der vermeintlichen Ruhephase produzierte die Sonne einige bemerkenswert energiereiche Ausbrüche. Diese Sonnenstürme, die vor allem in den äquatorialen Bereichen auftraten, wurden nicht nur von den irdischen Observatorien registriert, sondern auch von Ulysses, obwohl die Sonde zu diesem Zeitpunkt über dem Südpol der Sonne stand. „Teilchenausbrüche dieser Art haben wir zuletzt während des solaren Maximums in den Jahren 2000 und 2001 gesehen“, erklärt Richard Marsden, Projektleiter der ESA. „Wir haben keinesfalls erwartet, sie in hohen Breiten während des solaren Minimums zu erleben.”

Erstaunt hat die Forscher vor allem, wie die geladenen Teilchen der Ausbrüche es schafften, von der Äquatorregion in die hohen Breiten vorzudringen. Denn normalerweise folgen sie dabei den Magnetfeldlinien. Diese jedoch sind während des Minimums so ausgerichtet, dass sie eine Passage zu den Polen extrem erschweren. Wie sie dennoch dorthin gelangen konnten, müssen die Wissenschaftler nun noch herausfinden.


Temperaturrätsel am Nordpol


Und noch ein Rätsel gaben die Daten von Ulysses den Forschern auf: Denn auch die Temperaturen an den solaren Polen passte ganz und gar nicht zu den Theorien und Erwartungen der Wissenschaftler. Die Sonde hatte bereits bei ihren vorherigen Polüberflügen in den Jahren 1994 und 2000 hier interessante, aber nicht erklärbare Unterschiede festgestellt: „Überraschenderweise war die Temperatur über dem koronaren Loch am Nordpol rund sieben bis acht Grad niedriger als am Südpol“, so George Gloeckler, verantwortlich für das Solarwind-Ionen Spektrometer (SWICS) an Bord von Ulysses. „Wir konnten nicht sagen, ob das einfach nur durch eine nacheinander erfolgende, allmähliche Abkühlung auf dem Weg zum solaren Minimum war oder ob es ein Anzeichen für einen permanent kühleren Nordpol ist.“

Antworten darauf erhoffen sich die Wissenschaftler jetzt von der dritten „Polarreise” der Sonde. Im Moment befindet sie sich noch über dem solaren Südpol und hat bereits ermittelt, dass die Temperaturen hier denen des Nordpols von vor zehn Jahren entsprechen. Wenn die Sonde in den nächsten 15 Monaten langsam zur anderen Seite der Sonne, zum Nordpol, wechselt, wird sich zeigen, ob dann dort die Temperaturen ähnlich niedrig liegen, Nach Ansicht der Forscher wäre auch eine Art „Tausch“ zwischen beiden Polen möglich: „Das deutet darauf hin, dass die Asymmetrie zwischen Nord- und Südpol sich mit dem Wechsel der magnetischen Polarität der Sonne verändert hat“, erklärt Gloeckler. Die neuen Messungen von Ulysses in den nächsten Monaten werden hier Aufschluss bringen.
(ESA, 20.02.2007 - NPO)
 
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