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Freitag, 10.02.2012
Supermärkte im Pestizid-Vergleich
Greenpeace-Test: Discounter hängen Konkurrenten bei Obst und Gemüse ab
Die Supermarktketten Kaisers/Tengelmann, Edeka und Rewe verkaufen das am stärksten mit giftigen Pestiziden belastete Obst und Gemüse in Deutschland. Das ist das Ergebnis eines neuen Tests von Greenpeace. In der bisher größten unabhängigen Untersuchung schneiden die Billigketten Lidl und Aldi dagegen am besten ab. Die Ware der drei Schlusslichter weist drei bis fünf Mal mehr Überschreitungen der Grenzwerte auf.

Trauben: pestizidbelastet
Trauben: pestizidbelastet
© IMSI Masterclips
„Die schlechte Nachricht ist: Im Obst und Gemüse der Supermärkte stecken nach wie vor zu viele Pestizide. Kein Angebot der getesteten Supermärkte war befriedigend“, sagt Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace. „Die gute Nachricht: Weniger Gift im Essen muss nicht teurer sein. Die Discounter Lidl und Aldi haben nach unserem ersten Test im Jahr 2005 viel unternommen, um die Belastung mit Pestiziden zu verringern und hängen jetzt die Konkurrenz ab. Die Handelsketten können offenbar sehr schnell auf bessere Ware umstellen, wenn sie nur wollen. Es lohnt sich also, darauf zu achten, wo man einkauft. Uneingeschränkt empfehlenswert ist allerdings nur Bio-Ware.“

Obst und Gemüse gefährlich für Kleinkinder?
Pestizide in Lebensmitteln können laut Greenpeace den Hormonhaushalt und das Immunsystem beeinträchtigen, Krebs auslösen oder das Nervensystem schädigen. Ein Viertel der geprüften Ware bewertet Greenpeace wegen zu hoher Spritzmittelgehalte als "nicht empfehlenswert". Bei Lidl waren es 16 Prozent, bei Tengelmann 34 Prozent der Produkte. Bei zwölf Prozent der Proben wurden sogar die gesetzlichen Höchstmengen erreicht oder überschritten.

In zwei Prozent der Proben, vor allem in Trauben und Kopfsalat, stecken nach den Ergebnissen von Greenpeace so hohe Belastungen, dass ihr Verzehr die Gesundheit von Kleinkindern gefährden kann. Zudem wurden häufig Rückstände illegaler Pestizide gefunden. Greenpeace erstattete Strafanzeige gegen die Vorstände der Handelsketten und fordert für die Verantwortlichen die Aberkennung des Gewerberechts.

576 Obst- und Gemüseproben untersucht
„Das Treiben des Lebensmittelhandels gefährdet die Gesundheit der Verbraucher. Minister Horst Seehofer und die Verbraucherminister der Länder müssen diese Missstände schnellstens beseitigen und die Kontrollen erheblich verbessern", fordert Krautter.

Für den Test hat Greenpeace im vergangenen Herbst 576 Obst- und Gemüseproben bei den führenden Supermarktketten gekauft. Äpfel, Trauben, Pfirsiche/Nektarinen, Mangos/Papayas, Tomaten, Paprikas, Kopfsalate und Rucola aus konventionellem Anbau wurden auf 250 Pestizide untersucht. Die getesteten Unternehmen decken über drei Viertel des deutschen Lebensmittelmarktes ab. Lidl ist vom letzten Platz auf den ersten aufgerückt, nachdem der Umsatz des umstrittenen Konzerns nach dem Greenpeace-Test von 2005 eingebrochen war.

Unbesorgt genießen?
Völlig anders als die Umweltorganisation sieht die Situation naturgemäß der Industrieverband Agrar. „Auch die Pflanzenschutz-Industrie hat kein Interesse daran, dass Überbleibsel ihrer Produkte die Menschen krank machen“, sagte Volker Koch-Achelpöhler vom Zusammenschluss der Unternehmen der agrarchemischen und agrarbiologischen Industrie in Deutschland in einer ersten Stellungnahme. „Deshalb haben wir Mittel und Verfahren entwickelt, die so wenige Rückstände wie möglich hinterlassen. Deshalb können die Verbraucher das breite Obst- und Gemüseangebot unbesorgt genießen, das wir heute haben.“

Tatsache sei, dass Rückstände in vielen Fällen nicht völlig vermeidbar sind. Entscheidend sei aber die Menge. Das bestätigten die Gesundheitsbehörden, die jedes einzelne Pflanzenschutzmittel gründlich prüfen. Sie ließen nur Pflanzenschutzmittel zu, die sicher seien. Wenn Greenpeace bei seinen Tests mehr Rückstände finde als in den Vorjahren, dann hänge dies mit den besseren Analysemethoden zusammen, so Koch-Achelpöhler. Die winzigen Spuren, die sie nachweisen, seien angeblich gesundheitlich kein Problem.

Die Ergebnisse des neuen Supermarkt-Rankings hat Greenpeace gestern zusammen mit weiteren Vergleichstests im kostenlosen Einkaufs-Ratgeber "Essen ohne Pestizide veröffentlicht.
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