Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Mittwoch, 17.03.2010
Chemotherapie mit magnetischen Nanopartikeln
Zellgift gezielt in Tumor eingeschleust
Bei der Chemotherapie gegen Krebs müssen oft hohe Dosierungen von Zellgiften verabreicht werden, die nicht nur den Tumor angreifen, sondern auch den Restorganismus. Jetzt haben Forscher eine Methode entwickelt, die die Nebenwirkungen stark reduzieren könnte: Sie setzt magnetische Nanopartikel als Zellgift-Fähren ein.

Krebs-Tumorzelle
Krebs-Tumorzelle
© NASA
Die Dosis vieler in der Krebstherapie eingesetzter Chemotherapeutika wird oft nicht durch die Wirksamkeit des Arzneimittels begrenzt, sondern durch die Giftigkeit der Substanz für den Patienten. Selbst wenn eine höhere Dosis wirksamer wäre, kann sie nicht eingesetzt werden, da dann die Nebenwirkungen zu hoch wären. In den letzten 20 Jahren wurden verschiedene Verabreichungsmethoden für die Therapie von Tumoren erforscht, um gesunde Zellen vor erhöhter Exposition zu schützen und eine höhere Wirkstoffkonzentration im Tumor zu erreichen.

Jetzt haben Wissenschaftler um Christoph Alexiou von der Universität Erlangen-Nürnberg ein Verfahren entwickelt, bei dem die Zellgifte in hoher Dosierung mithilfe von magnetischen Nanopartikeln zielgerichtet im Tumor angereichert werden können. Damit wird die therapeutische Effizienz des Wirkstoffs erhöht und gleichzeitig die unerwünschten Nebenwirkungen minimiert.

Die Forscher benutzen in ihrem Ansatz dafür sogenannte magnetische Nanopartikel. Diese Partikel bestehen aus Magnetitteilchen im Nanometerbereich, die stabil in Flüssigkeit gehalten werden. Dadurch verhält sich im Magnetfeld die gesamte Flüssigkeit wie ein "flüssiger Magnet". Belädt man diese Partikel mit einem Chemotherapeutikum und appliziert sie in Gefäße, die zur Tumorversorgung dienen, ist es möglich mithilfe eines externen Magnetfelds die beladenen Partikel dorthin zu lenken und sie dort zu konzentrieren.

Den Wissenschaftlern ist auf diese Weise experimentell bereits gelungen die Zytostatikamenge im Tumorgebiet um das 200 fache gegenüber der klassischen, systemischen Chemotherapie zu erhöhen. Die Studien der Arbeitsgruppe zeigen darüber hinaus, dass es möglich ist mit dem so genannten intraarteriellem Magnetischem Drug Targeting in einem Tumormodell Zytostatika nebenwirkungsfrei anzureichern und eine Totalremission des Tumors zu erreichen. Ziel des geförderten Projektes ist es nun, Partikelformulierungen so zu designen und in pharmazeutischer Qualität herzustellen, dass sie in einer klinischen Studie angewendet werden können.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Krebs-Therapie, Nanopartikel, Medizin, Tumor, Krebs, Onkologie, Zytostatika, Zellgift, Behandlung, Wirkstoff, Magnetfeld, Krankheit, Nanotechnologie
Weitere News zum Thema
Forscher schalten Krebsproteine aus (12.04.2007)
Neue Methode zur Analyse komplexer Mechanismen entwickelt
Weltrekord für Nano-Magneten (31.08.2006)
Künstliches Magnetmolekül übertrifft alle bisherigen Molekülkonstrukte
Molekulare Paketannahme für Sexhormone (12.09.2005)
Forscher entschlüsseln grundlegenden Mechanismus
Leukämie: Forscher wollen bösartige Stammzellen „besiegen“ (13.10.2004)
Blutkrebs-Therapie soll verbessert werden
Erkältungsviren gegen Hautkrebs (27.07.2004)
Neuer Therapie-Ansatz nutzt gentechnisch veränderte Viren
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Der Tod
Tabu und Faszination
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
News des Tages
Saturnmond als kosmischer Graffitikünstler
"Out of Africa" - auch für Bakterien
Rosetta wirft ersten Blick auf Asteroiden
Chemotherapie mit magnetischen Nanopartikeln
Unterirdische „Autobahnen" für Bakterien entdeckt
Klimawandel drückt Sozialprodukt
Molekülrätsel an porösen Materialien gelöst
Bücher zum Thema
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
Thema Krebs
von Hilke Stamatiadis- Smidt, Harald zur Hausen und Otmar D. Wiestler
Top-Clicks der Woche
1. Neue Belege für “Schneeball Erde”
2. Galaxien-Explosion stoppte junges Universum
3. Einsteins Relativitätstheorie auf kosmologischen Distanzen bestätigt
4. Gehirn liebt keine Überraschungen
5. Schlafende Sonne kein Klimaretter