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Donnerstag, 18.03.2010
Saturnmond als kosmischer Graffitikünstler
Aktive Geysire auf Enceladus besprühen Nachbarmonde mit Eis
Enceladus, der sechsgrößte Mond des Saturn ist ein kosmischer Graffiti-Sprayer: Er besprüht die Oberfläche von mindestens elf anderen Monden in seinem Umfeld mit Eispartikeln aus den aktiven Geysiren an seiner Oberfläche. Diese jetzt von Astronomen entdeckten eisigen „Graffiti“ sind auch die lange gesuchte Erklärung, warum die anderen Monde ebenfalls so leuchtend hell erscheinen, obwohl sie selbst nicht geologisch aktiv sind. Die Ergebnisse der Beobachtungen sind jetzt in „Science“ erschienen.

Geysir auf Enceladus
Geysir auf Enceladus
© NASA JPL Geysir auf Enceladus
Der Saturnmond Enceladus, selbst nahezu vollständig von Eis bedeckt, hinterlässt einen ganzen Ring aus Eispartikeln in seiner Umlaufbahn um den Saturn. In dieser auch als E-Ring bezeichneten Region kreisen noch mindestens elf weitere Monde, die ständig mit dem eisigen Schweif des Enceladus kollidieren. Schuld an der eisigen Hinterlassenschaft des Mondes ist eine Reihe von eisspeienden Geysiren am Südpol des Enceladus. Mit jeder Umkreisung tragen sie dazu bei, die Eisdichte im Ring kontinuierlich aufzufüllen. Die Eispartikel bleiben bis zu tausenden von Jahren in der Schwebe – es sei den, sie kollidieren zuvor mit einem der Monde.

„Enceladus Graffiti ist eine Art Kunst im Werden“, erklärt Anne Verbiscer, Astronomin der Universität von Virginia und Leiterin der jetzt in Science veröffentlichten Studie. „Er verändert die Oberfläche der Monde, die im Umkreis seiner Eisschleudern kreisen. Wir haben Enceladus einen Graffitikünstler getauft, weil er das Aussehen der anderen Monde verändert.“

Eisfontäne des Enceladus in Falschfarbenaufnahme
Eisfontäne des Enceladus in Falschfarbenaufnahme
© NASA JPL Eisfontäne des Enceladus in Falschfarbenaufnahme
Eisig aber aktiv
Für Planetenforscher ist der Enceladus vor allem deshalb besonders interessant, weil er noch geologisch aktiv ist. Im Gegensatz zu unserem Erdmond, der immerhin sieben Mal größer ist als der Enceladus, ist er kein toter Himmelskörper, sondern besitzt in seinem Inneren einen heißen und unter Druck stehenden Kern. Dieser speist auch die Geysire, die neben Eispartikeln auch flüssiges Wasser speien.

Seine von Eis bedeckte Oberfläche ist im Gegensatz zum Erdmond relativ jung: Wahrscheinlich noch nicht einmal 100 Millionen Jahre alt. Neben flachen Ebenen, Eiskämmen und Graten existieren – vor allem am Südpol des Mondes auch lange Risse in der Eisoberfläche. Sie sind die Quelle von Eisfontänen, die ihre Fracht bis weit hinaus ins Weltall schleudern – und so den E-Ring bilden.

Rätsel der hellen Monde gelöst
“Wir haben uns immer gefragt, warum die anderen Monde im E-Ring so hell sind, obwohl sie nicht geologisch aktiv sind wie der Enceladus”, so Verbiscer. „Wie wir jetzt wissen, ist die Antwort, dass die anderen Monde den Eispartikeln des Enceladus wie einem Sandstrahlgebläse ausgesetzt sind. Diese physikalischen Charakteristiken waren uns vorher nicht bekannt.“

Enceladus ist nach einem Riesen aus der griechisch-römischen Mythologie benannt, der als verantwortlich für das vulkanische Feuer unter dem sizilianischen Vulkan Ätna galt. „Diese Analogie passt wirklich gut zu der Entdeckung, dass Enceladus geologisch aktiv ist und Eispartikel aus seinem Südpol sprüht“, erklärt die Forscherin. „Er hat offenbar einen weit größeren Einfluss als wir dachten, da er sogar die Fähigkeit besitzt, das Aussehen seiner Nachbarmonde zu verändern.“
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