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Mittwoch, 29.03.2017
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Erde droht Klima-Kollaps

IPCC: Menschgemachter Klimawandel bereits in vollem Gange

Der Erde droht bis zum Ende dieses Jahrhunderts eine dramatische Klimaerwärmung um bis zu 6,4 Grad Celsius. Der Meeresspiegel könnte zudem um bis zu 58 Zentimeter ansteigen und viele Küsten überschwemmen. Rund um das Mittelmeer und in anderen Gebieten der Subtropen und Tropen fällt vermutlich immer weniger Regen - verheerende Düren wären die Folge. Dies sind einige der düsteren Prognosen des 4. Uno-Berichts des Intergovernmental Panel on Climate Chance (IPCC), der heute in Paris vorgestellt wurde.
Atmosphäre

Atmosphäre

Der Report zeigt darüber hinaus, dass sich die Erde bereits in den letzten Jahrzehnten um mehr als 0,7 Grad erwärmt hat. Wenn nicht gegengesteuert wird, könnte sich das Klima in den nächsten Jahrzehnten um 0,2 Grad pro Dekade weiter erwärmen. Elf der letzten zwölf Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.

Täter: Mensch


Der IPCC-Bericht, an dem viele hundert Klimawissenschaftler weltweit beteiligt waren, hat zudem einen konkreten Verantwortlichen für die globale Erwärmung identifiziert: den Menschen. „Mit dem nun vorliegenden Bericht sollten letzte Zweifel ausgeräumt sein, dass wir Menschen es sind, die die Klimaschraube überdrehen. Folglich liegt es auch in unserer Hand, diese gefährliche Fehlentwicklung entschlossen durch Reduktion der Treibhausgasemissionen zu korrigieren“, so Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Chefberater der Bundesregierung in Klimafragen.

Zur Frage, wie die Klimaszenarien des IPCC einzuschätzen seien, meinte Schellnhuber: „Der Täter ist nun zwar überführt, aber das ‚Strafmaß’ noch offen“. Denn es bestünden noch erhebliche Unsicherheiten bei wichtigen Umweltgrößen wie der Niederschlagsentwicklung und dem Meeresspiegel.


Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre erreicht Rekordwerte


Verantwortlich für die bisherige globale Erwärmung ist laut IPCC vor allem der Anstieg des Kohlendioxid-Gehalts der Luft seit 1750 um 35 Prozent von 280 ppm auf 379 ppm im Jahr 2005. Dies ist der höchste Wert in den letzten 650.000 Jahren. 78 Prozent der Steigerung gehen laut IPCC auf die Nutzung fossiler Brennstoffe zurück und 22 Prozent auf Landnutzungsänderungen wie Rodungen.

Die Folgen des Klimawandels sind nach den Beobachtungen der Wissenschaftler schon jetzt dramatisch:

- Die Häufigkeit heftiger Niederschläge hat zugenommen.
- Die schneebedeckte Fläche hat seit 1980 um etwa fünf Prozent abgenommen.
- Weltweit schrumpfen die Gletscher und tragen gegenwärtig mit 0.8 mm pro Jahr zum Meeresspiegelanstieg bei.
- Das Meereis verzeichnet in der Arktis seit 1978 einen Rückgang im Jahresmittel um acht Prozent und im Sommer um 22 Prozent. In der Antarktis ist kein Rückgang zu sehen.
- Die Eisschilde auf Grönland und der Antarktis verlieren gegenwärtig Masse durch Schmelzen und Gletscherabbrüche und tragen 0.4 mm pro Jahr zum Meeresspiegelanstieg bei.
- Die Ozeane sind im globalen Mittel wärmer geworden, bis zu Tiefen von 3.000 Meter. Diese Erwärmung hat zum Anstieg des Meeresspiegels beigetragen.

Meeresspiegelanstieg macht Sorgen


Eine zeitgleich zum IPCC-Bericht veröffentlichte Studie unter Federführung des PIK-Wissenschaftlers Stefan Rahmstorf belegt, dass der beobachtete Anstieg der Temperaturen von 1990 bis 2006 im oberen Bereich dessen lag, was im letzten IPCC-Bericht prognostiziert worden war. Der Klimaexperte ist aber vor allem über den unerwartet raschen Anstieg des Meeresspiegels beunruhigt.

„Satellitendaten belegen, dass der globale Meeresspiegel seit 1993 um mehr als vier Zentimeter angewachsen ist, schneller als in den Berechnungen der Klimamodelle.” Rahmstorf warnte allerdings vor zu schnellen Schlussfolgerungen: „Ob sich dieser beobachtete Trend zukünftig weiter fortsetzt, kann man auf Grundlage der neuen Messdaten noch nicht abschätzen.“ Die Untersuchung, an der neben Rahmstorf ebenfalls Forscher aus Australien, Frankreich, Großbritannien und den USA beteiligt waren, ist soeben in der Online-Ausgabe von Science erschienen.

Düstere Zukunft


Für die Zukunft sagen die Modellrechnungen der IPCC-Wissenschaftler noch Schlimmeres voraus. Mithilfe von Supercomputern haben sie verschiedene Szenarien berechnet – je nachdem, wie sich die weltweiten Treibhausgas-Emissionen in Zukunft entwickeln. Im günstigsten Fall erwarten die Forscher bis zum Ende des 21. Jahrhunderts eine weitere globale Erwärmung um 1,0 bis 2,7 °C. Das höchste Szenario prognostiziert sogar eine Temperaturerhöhung um 2,4 bis 6,4 °C in den nächsten 100 Jahren. Die größte Erwärmung wird dabei laut dem IPCC-Bericht vor allem in den hohen nördlichen Breiten stattfinden. Und selbst bei einem sofortigen Ende aller Treibhausgas-Emissionen würde durch die Trägheit des Klimasystems ein weiterer Temperaturanstieg um bis zu circa 0.6°C erfolgen.

Hinsichtlich des Meeresspiegelanstiegs sind die Projektionen bis 2100 ebenfalls eindeutig: 19 bis 37 Zentimeter sind es im niedrigsten und 26 bis 58 Zentimeter im höchsten Szenario. Auch nach vollständigem Ende der Emissionen wird der Meeresspiegel über viele Jahrhunderte ansteigen, bedingt durch weitere Erwärmung des tiefen Ozeans. Allerdings gibt es nach Ansicht der Wissenschaftler eine erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung des grönländischen und des antarktischen Eisschilds, hier kann ein höherer Beitrag zum zukünftigen Anstieg nicht ausgeschlossen werden.

Die Modellergebnisse lassen darüber hinaus den Schluss zu, dass eine dauerhafte Erwärmung deutlich über 3 °C über Jahrtausende zu einem vollständigen Abschmelzen des grönländischen Inlandeises führen würde – dies entspricht einem Meeresspiegelanstieg um sieben Meter.

Schnelles Handeln notwendig


Der IPCC-Report macht deutlich, dass sehr konsequent gehandelt werden muss, damit die globale Erderwärmung nicht stärker als zwei Grad gegenüber vorindustriellen Werten ansteigt. "Der Umgang mit dem Klimawandel erfordert einen intelligenten Technologiewandel auf einer soliden wissenschaftlichen Basis. Um den Klimawandel in vertretbaren Grenzen zu halten, müssen wir intensive Forschung betreiben und für eine schnelle Verbreitung klimaschonender Technologien sorgen.“, kommentierte Bundesforschungsministerin Annette Schavan die IPCC-Ergebnisse bei der Vorstellung des Berichts in Berlin.

Und weiter: „Zu diesem Zweck wird das Bundesforschungsministerium in den nächsten drei Jahren 255 Millionen Euro bereitstellen. Damit fördern wir unter anderem den Ausbau den Deutschen Klimarechenzentrums - dafür sind alleine 35 Millionen Euro vorgesehen". Die Bundesforschungsministerin wird in Kürze ein Aktionsprogramm zum Klimawandel starten, das den Bedarf von Mensch und Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt.
(Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)/BMBF/AWI, 02.02.2007 - DLO)
 
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