Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Wieder Pestizide in deutschem Obst und Gemüse
Neue Greenpeace-Untersuchungen weisen gesundheitsgefährdende Substanzen nach
Obst- und Gemüsebauern in Deutschland setzen offenbar bei Tomaten, Kopfsalat, Rucola und Äpfeln gesundheitsgefährdende, nicht zugelassene Pestizide ein. Wie Untersuchungen von Greenpeace ergaben, waren von insgesamt 84 Obst- und Gemüseproben 24 mit den verbotenen Substanzen belastet. Zehn Proben enthielten Wirkstoffe, die in Deutschland überhaupt nicht angewendet werden dürfen. In 14 weiteren Proben steckten Stoffe, die für das betroffene Obst oder Gemüse nicht zugelassen sind.

Tomaten
Tomaten
© USDA
Diese Spritzmittel können laut der Umweltorganisation Krebs auslösen, die Fortpflanzung beeinträchtigen oder das Hormon- oder Nervensystem schädigen. Greenpeace fordert, Kontrollen zu verschärfen, illegal tätigen Bauern die Agrarsubventionen zu streichen und den Einsatz verbotener Pestizide als Straftat zu verfolgen.

"Es ist ein Märchen, dass Produkte aus Deutschland deutlich geringer belastet sind", sagt Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. "Mit verbotenen Pestiziden gefährden Bauern die Gesundheit der Verbraucher und schädigen die Umwelt. Handel und Einsatz von illegalen Pestiziden sind keine Kavaliersdelikte, sondern müssen endlich als Straftat behandelt werden." Im Herbst 2006 hat Greenpeace mit eigenen Recherchen bewiesen, wie einfach Landwirte illegale Pestizide im Agrarhandel erwerben können.

Für die aktuelle Untersuchung kaufte Greenpeace die Ware im Oktober und November bei führenden Supermarktketten in ganz Deutschland. Die Proben wurden auf 250 verschiedene Pestizidwirkstoffe untersucht. So waren Tomaten eines Großhändlers aus Südhessen mit zehn verschiedenen, überwiegend illegalen Wirkstoffen belastet. Erst Mitte Januar hatte Greenpeace akut gefährliche Belastungen mit zugelassenen Pestiziden veröffentlicht.

Auch ausländische Ware untersucht
Greenpeace nahm auch ausländische Ware unter die Lupe. Besonders brisant: In jeder zweiten spanischen Paprikaprobe (zwölf von 23) wurde das hochgefährliche Insektengift Isofenphos-Methyl gefunden, das in der EU nicht zugelassen ist. Greenpeace vermutet, dass es in großen Mengen aus China illegal nach Spanien eingeschleust wurde. Selbst in China ist der Einsatz bei Obst und Gemüse verboten. Bereits am 20. Dezember warnte das baden-württembergische Ministerium vor dem Verzehr spanischer Paprika.

"Trotz der Warnmeldung aus Stuttgart haben wir Isofenphos-Methyl sogar noch bei Ware gefunden, die wir zur Kontrolle am 12. Januar in Hamburger Supermärkten gekauft haben. Hier haben nicht nur die Kontrollen in Spanien, sondern auch bei deutschen Supermärkten versagt. Ihnen war es offensichtlich wichtiger, die belastete Ware loszuschlagen, als sie zum Schutz der Gesundheit der Kunden vom Markt zu nehmen", so Hofstetter. Angesichts der aktuellen Untersuchungsergebnisse rät Greenpeace den Verbrauchern, am besten Bioware einzukaufen. Sie ist in der Regel ganz frei von künstlichen Spritzmitteln.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Chemie, Umweltgifte, Gesundheit, Krebs, Fortpflanzung, Nervensystem
Weitere News zum Thema
Erster Nano-Blick in das lebende Gehirn (03.02.2012)
Spezialmikroskop macht winzigste Veränderungen von Gehirnzellen sichtbar
Meer produziert ozonschädliche Stoffe (02.02.2012)
Halogenverbindungen steigen aus flachen Küstenbereichen auf
Frösche erkennen sich am Geruch (25.01.2012)
Makrolide als flüchtige Pheromone der Tiere
Wie Zellen ihren Müll entsorgen (24.01.2012)
Forscher entschlüsseln die Struktur der zellulären Proteinabbau-Maschinerie
Chemie explodierender Sterne enträtselt (23.01.2012)
Meteorit birgt Hinweise für die Bildung von Schwefelmolekülen in den Überresten einer Supernova
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Umweltgifte
Neue Gefahr für die Gesundheit des Menschen?
Alles öko, oder was?
Landwirtschaft im Wandel
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
Der Tod
Tabu und Faszination
Lebenselixier Blut
„Ein ganz besondrer Saft“
News des Tages
Arthropoden: Weibchen mit “Turbowachstum”
Chaos auf dem Laserchip
Genom des Brotschimmels entschlüsselt
Wieder Pestizide in deutschem Obst und Gemüse
Magnetfelder als Antennen
Test spürt Diebstahl-Neigung auf
Startschuss für Medienpreis der Geographie
Bücher zum Thema
Globale Umweltprobleme
Ursachen und Lösungsansätze von Eike Roth
Das U-Boot in der Limoflasche
von Kay Spreckelsen und Charlotte Wagner
Fair Future
Ein Report des Wuppertal Instituts
Genius - Task Force Biologie
Strategiespiel zu umweltwelt- verträglichem Handeln
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Welt der Elemente
von Hans-Jürgen Quadbeck- Seeger
Die chemischen Elemente
Ein Streifzug durch das Periodensystem von Lucien F. Trueb
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes