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Donnerstag, 25.05.2017
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Arthropoden: Weibchen mit “Turbowachstum”

Größenunterschiede der Geschlechter unterschiedlichen Ursprungs

Warum sind bei vielen Säugetierarten die Männchen größer als die Weibchen? Und warum ist es bei Insekten und Spinnentieren meist umgekehrt? Ein internationales Forscherteam hat jetzt herausgefunden, dass sich die Mechanismen dieses unterschiedlichen Wachstums bei Insekten und Säugetieren deutlich unterscheiden.
Argiope aurantia

Argiope aurantia

Männchen und Weibchen werden weder bei Säugetieren noch bei Insekten von vornherein mit unterschiedlichen Größen geboren – soviel ist klar. Das bedeutet, irgendwann im Wachstumsprozess treten die entscheidenden Unterschiede auf. Aber wann? Wachsen weibliche Insekten und Spinnen einfach schneller als die Männchen? Oder ist das Wachstum gleich schnell, aber das eine Geschlecht hört einfach später auf? Genau diese Frage hat jetzt ein Team von Forschern aus zehn verschiedenen Ländern unter der Leitung von Wolf Blanckenhorn von der Universität Zürich näher untersucht. Sie werteten dafür Daten von 155 Tierarten aus sieben verschiedenen Hauptgruppen der Insekten- und Spinnen aus.

Die jetzt in der Zeitschrift “The American Naturalist” erschienenen Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei Arthropoden die meisten Größendifferenzen durch verschiedene Wachstumsgeschwindigkeiten, nicht aber durch unterschiedlich lange Wachstumsperioden entstehen. Dies steht in deutlichem Kontrast zu den Säugetieren, bei denen die Geschlechter eher unterschiedlich lange als unterschiedlich schnell wachsen.

Die Studie zeigt deutlich, dass Weibchen, die bei den meisten Arthropoden das größere Geschlecht stellen, in der gleichen Zeit schneller als ihre männlichen Artgenossen wachsen – zumindest bei der großen Mehrheit der untersuchten Arten. Es gab allerdings auch Ausnahmen: So fanden die Wissenschaftler zwei Fliegenarten, bei denen die Männchen längere Wachstumsperioden hatten als die größeren Weibchen, aber auch den umgekehrten Fall, bei dem die Weibchen ein wenig länger wuchsen. Diese vor allem bei Schmetterlingen und Bienen, Ameisen, Wespen und andere Hautflüglern häufige so genannte Protandrie reichte jedoch allein nicht aus um den Größenvorsprung der Weibchen zu erklären.


Die Forscher diskutieren drei mögliche Erklärungen, für das „Turbowachstum“ der weiblichen Insekten und Spinnen. Die in den Augen der Wissenschaftler spannendste Theorie geht davon aus, dass es zwar energetisch “billiger” ist, die kleineren Spermien gegenüber den größeren Eizellen zu produzieren, es aber aufwändiger ist, die männlichen Gonaden und Geschlechtsorgane zu produzieren. Zu große Männchen bräuchten deshalb zu viel Zeit für ihre Entwicklung und wären daher „unökonomisch“. Die Evolution habe daher bei diesen Tiergruppen vermehrt kleinere Männchen hervorgebracht.
(University of Chicago Press Journals, 31.01.2007 - NPO)
 
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