• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 28.05.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Hirnschaden macht Raucher zu Nichtrauchern

Studie identifiziert für Suchtverhalten verantwortliche Gehirnregion

Mit dem Rauchen aufzuhören ist nicht gerade leicht. Doch jetzt hat eine neue, in der Zeitschrift „Science“ erschienene Studie enthüllt, wo im Gehirn die Sucht nach dem Nikotin verankert ist: Denn es zeigte sich, dass Raucher mit Schädigungen in der so genannten Insula auf einen Schlag jedes Verlangen nach dem Rauchen verloren. Diese Erkenntnis eröffnet neue Ansatzstellen für Medikamente.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Schon in den 1960er Jahren hatte der Neurowissenschaftler Antonio Damasio vermutet, dass die Insula, ein eingesenkter Teil der Großhirnrinde, eine wichtige Plattform für Gefühle und Emotion sein könnte. Heute gilt sie auch als Zentrum für akustisches Denken, als „zuständige“ Region für Riechen und Schmecken, aber auch als Bereich, der die Gefühlsreaktion auf Schmerzen beeinflusst. Die neue Studie könnte jetzt diesen Funktionen noch eine weitere hinzufügen, denn sie deutet an, dass die Insula auch die Freude am Rauchen – und möglicherweise an anderem Suchtverhalten – entscheidend beeinflusst.

Verlangen nach dem Rauchen verschwunden


„Es ist wirklich faszinierend, dass die Störung dieser Region die mit dem Rauchen assoziierten Genußgefühle hemmen könnte“, erklärt Damasio, Leiter des neurowissenschaftlichen Instituts an der Universität von Südkalifornien. Für die neue Studie verglichen Antoine Bechara von der Universität von Südkalifornien und seine Kollegen den Abgewöhnungserfolg von 19 Rauchern mit Schädigungen in der Insula, sowie 50 Rauchern mit Schäden in anderen Hirnbereichen, aber unversehrter Insula. Von den Insula-Verletzten hatten 13 inzwischen das Rauchen aufgegeben, von den anderen 19.

Um herauszufinden, ob sich die Schwierigkeiten dabei unterschieden, stellten die Forscher vier Kriterien auf, die erfüllt sein mussten, um die Probanden als extrem leicht entwöhnbar einzustufen: Sie mussten weniger als einen Tag und von einem Tag auf den anderen nach der Gehirnverletzung aufgehört haben, sie sollten ihre subjektiven Schwierigkeiten auf einer siebenstufigen Skala maximal als Stufe drei bewerten, sie durften seither nicht wieder geraucht haben und auch kein Verlagen danach besitzen. Es zeigte sich, dass zwölf der 13 inzwischen nichtrauchenden Insula-Verletzten diese Kriterien erfüllten, aber nur vier der 19 unversehrten Nichtraucher.


„Es ist unmittelbar. Es ist nicht so, dass sie weniger rauchen. Sie rauchen nicht mehr, Punkt“, erklärt Bechara. “Bei Teilnehmern mit Schäden an der Insula war es eindeutig wahrscheinlicher, dass sie eine echte Unterbrechung ihres Verlangens erlebten.“

Auch auf andere Süchte übertragbar?


Die Ergebnisse wecken die Frage, ob ein Schaden an der Insula auch anderes Suchtverhalten auf ähnliche Weise beenden könnte. Oder provokativer gefragt: Kann eine Gehirnverletzung jemanden von schlechten Angewohnheiten heilen? Noch steht die Antwort nicht fest. Nach Ansicht von Bechara könnte das Phänomen aber möglicherweise tatsächlich auch auf Alkoholismus, Ess-Störungen und andere Süchten verallgemeinert werden. „Die Entdeckung der Rolle der Insula im Suchtverhalten eröffnet neue Wege für Therapien“, so der Forscher. „Darunter auch Wirkstoffe, die gezielt an dieser bisher eher nicht sehr beachteten Region des Gehirns ansetzen. Es gibt eine Menge Potenzial für pharmazeutische Entwicklungen.“

Allerdings müsste jede Behandlung sicherstellen, dass nicht die gesamten Funktionen der Insula lahm gelegt werden, sondern nur die für die Sucht „zuständigen“. Doch Bechara ist hier optimistisch, da diese Region offenbar spezifisch auf „erlerntes Verhalten“, auf Gewohnheiten, wirke und es möglich sei, gezielt nur bestimmte Rezeptoren anzusprechen.
(NIH/National Institute on Drug Abuse, 26.01.2007 - NPO)
 
Printer IconShare Icon