Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Im Alter hilft die "schwache" Hand
Händigkeit verändert sich im Lauf des Lebens
Bei der Frage nach ihrer bevorzugten oder "dominanten" Hand können die meisten Menschen eindeutig auf ihre rechte oder linke Hand verweisen - nur wenige bezeichnen sich selbst als Beidhänder. Diese eindeutige Bevorzugung einer Hand lässt jedoch im Alter nach, ohne dass dies einem selbst bewusst wird: Eine neue Studie zeigt, dass die dominante Hand an Feingefühl verliert und im Alltag zunehmend von der anderen Hand unterstützt wird.

Test der Feinmotorik
Test der Feinmotorik
© RUB
Zur Erfassung der Händigkeit werden häufig standardisierte Befragungen eingesetzt, bei denen die bevorzugte Hand für verschiedene Tätigkeiten des alltäglichen Lebens erfragt wird. Bei diesen Befragungen zur Handpräferenz wurde in der Vergangenheit eher eine Verstärkung der Rechtshändigkeit mit zunehmendem Alter festgestellt - aber eben nur auf Grundlage von introspektiven Überlegungen. Forscher der Ruhr-Universität Bochum um Tobias Kalisch haben diese Annahme jetzt durch die Untersuchung der Handdominanz von 96 rechtshändigen Menschen im Alter von 20 bis 90 Jahren näher überprüft. Über ihre Ergebnisse berichten sie in dem zum Jahresende neu erscheinenden Journal "PLoS ONE".

Rechte Hand lässt nach
Die Neurowissenschaftler kombinierten im ersten Experiment ihrer Studie die herkömmlichen Befragungstests mit einer Reihe von praktischen Tests zur Feinmotorik. Während bei jungen Rechtshändern die rechte Hand der linken überlegen ist, stellten sie fest, dass sich die Leistungen der rechten und linken Hand mit zunehmendem Alter merklich angleichen.

"Diese Entwicklung konnte auf einen stärkeren altersbedingten feinmotorischen Leistungsverlust der rechten Hand zurückgeführt werden", erklärt Kalisch. Zusätzlich rüsteten die Forscher im zweiten Experiment Testpersonen verschiedenen Alters mit Bewegungssensoren aus, die die Bewegungen der Hände in ganz alltäglichen Situationen über einen längeren Zeitraum aufzeichneten. Diese unter Alltagsbedingungen erhobenen Daten stützten die Aussagen des ersten Experiments und zeigten, dass ältere Versuchspersonen die nicht-dominante linke Hand häufiger im Alltag benutzen als jungen Versuchspersonen das tun.

Angleichung verläuft unmerklich
"Die Aussagen der Tests zur feinmotorischen Leistungsfähigkeit und zum Handgebrauch unter Alltagsbedingungen stehen im Widerspruch zu den durchgeführten Befragungen der Versuchspersonen, bei denen sich immer eine deutliche Rechtshändigkeit dargestellt hatte", fasst Dr. Dinse zusammen. "Man kann also schlussfolgern, dass ältere Menschen davon überzeugt sind, immer noch bevorzugt die rechte Hand zu gebrauchen - aber beim tatsächlichen Einsatz der Hände mehr und mehr auch die linke Hand zum Einsatz kommt."

"Use it - or lose it"
Da die Entwicklung hin zur funktionellen Beidhändigkeit im Alter in erster Linie durch einen starken Leistungsverlust der rechten Hand verursacht wird, nehmen die Wissenschaftler an, dass anspruchsvolle manuelle Tätigkeiten, die zum Erhalt der feinmotorischen Leistung beitragen, diese Entwicklung verhindern oder abschwächen können. Also gilt auch im Bezug auf die menschliche Handdominanz die in der Altersforschung gebräuchliche Aussage "Use it - or lose it".
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Händigkeit, REchtshänder, Linkshänder, Alter, GEhirn, subjektive Wahrnehmung, Feinkoordination, Koordination, Kraft, Feinmotorik, BEwegung, Muskeln
Weitere News zum Thema
DNA als Spinfilter für Elektronen (21.02.2011)
Doppelhelix filtert Elektronen abhängig von ihrem Eigendrehimpuls
Waren Gesten die Vorform unserer Sprache? (20.11.2009)
Rechtshändige Schimpansen liefern entscheidende Hinweise zur Entwicklung der Sprache
Bananenförmige Moleküle überraschen Forscher (07.08.2009)
„Bent-core“-Moleküle bilden chirale Flüssigkeit
Moleküle zappeln sich ins eigene Spiegelbild (29.05.2009)
Forscher beeinflussen chirale Prozesse an Oberflächen
Mann-Frau-Unterschiede schon im Affengehirn (17.01.2008)
Unterschiedliche Arbeitsteilung bei der Verarbeitung von Kommunikation
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Symmetrie
Geheimnisvolle Formensprache der Natur
Die innere Uhr
Was lässt uns ticken?
Was der Gang verrät...
Bewegungsmuster: Von „Cat Walks“ und Westernhelden
„Der kleine Unterschied“ im menschlichen Gehirn
Wie Östrogen und Co. die kognitiven Leistungen beeinflussen
Illusion und Wirklichkeit
Die visuelle Wahrnehmung des Menschen auf Irrwegen
News des Tages
Ebbe und Flut wirken auch auf Gletscher
„Zickenkrieg“ im Tierreich
Glasfaser-Rekord – rein elektrisch
„Handel mit Luft“ künftig auch für Flieger
Im Alter hilft die "schwache" Hand
Merkur: Weiche Schale dämpft hartem Kern
Bücher zum Thema
Leben
Bilder aus dem Inneren des menschlichen Körpers von Lennart Nilsson
Die Menschen Macher
Sehnsucht nach Unsterblichkeit von Hans-Günter Gassen und Sabine Minol
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Wissen Hoch 12
von Harald Frater und Christina Beck
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes