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Montag, 23.10.2017
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Sandtarantel europäische Spinne des Jahres

Spinnenexperten aus 21 europäischen Staaten küren größte einheimische Art

Eine der größten einheimischen Spinnen, die Sand-Wolfspinne Arctosa cinerea ist zur Spinne des Jahres 2007 gekürt worden. Die fast 20 Millimeter große Art gehört zur Familie der Wolfspinnen (Lycosidae) und ist auch unter dem Namen Flussufer-Riesenwolfspinne oder Sandtarantel bekannt. Martin Kreuels von der Arachnologischen Gesellschaft stellte die Spinne 2007 gestern stellvertretend für Spinnenexperten aus 21 europäischen Staaten in Berlin vor.
Sand-Wolfspinne (Arctosa cinerea)

Sand-Wolfspinne (Arctosa cinerea)

Wie alle Wolfspinnen webt die Sand-Wolfspinne keine Netze, sondern jagt mit ihren gut ausgebildeten Augen auf Sicht. Als Nahrung dienen dem Räuber Insekten wie Laufkäfer, Heuschrecken, Fliegenlarven, aber auch andere Spinnen. "Sie überrascht ihre Beute mit ihrer Schnelligkeit", so Kreuels. "Durch die interessante Hell-Dunkelzeichnung sind die am Boden lebenden Tiere gut getarnt und für uns Menschen kaum zu erkennen". Die Sand-Wolfspinne jagt in der Zeit von März bis November nachts.

Die Sand-Wolfspinne kommt überall in Europa vor. Sie lebt an naturnahen Kies- und Sandufern an Flüssen und Seen. Die Art ist inzwischen selten geworden, da diese Lebensräume durch die fast flächendeckenden Regulierungsmaßnahmen der Fließgewässer stark zurückgegangen sind. In weiten Teilen Deutschlands ist sie ausgestorben. Häufigere Funde gibt es an der Ostsee, aber auch an einzelnen Flussabschnitten im Einzugsgebiet des Rheins oder der Elbe. Sie nimmt aber auch vom Menschen geschaffene Biotope wie Baggerlöcher oder Sand- und Kiesabbaustellen an. Dort lebt sie, solange die Uferabschnitte nicht zugewachsen sind. "Hält man die Uferzone durch Pflegemaßnahmen offen, kann die Art in diesen Ersatzlebensräumen erhalten werden", erläuterte Kreuels.

Lebensraum Luftblase


Tagsüber versteckt sie sich in Wohnröhren, die sie meist unter größeren Steinen oder unter Treibgut in den sandigen Untergrund gräbt. Steigt das Wasser der Flüsse oder Seen im Sommer plötzlich an, verschließt die Spinne die Öffnung ihrer Röhre und überlebt in der bestehenden Luftblase. Zur Winterruhe legen die Spinnen eine neue Höhle in ausreichender Entfernung vom Ufer an, damit sie vor Überflutungen geschützt sind.


So gefährlich wie ihr Name klingt, ist die Wolfspinne aber nicht. Weder jagen die Tiere in Rudeln wie Wölfe noch sind sie aggressiv. Auch beim Sex geben sie sich tolerant. So werden die männlichen Wolfspinnen nach der Paarung nicht von den Weibchen gefressen, was bei Spinnen sonst häufig vorkommt. Trotzdem sind die Männchen vorsichtig und bewerben das Weibchen geduldig, bis es zur Paarung bereit ist. Die Weibchen kümmern sich sorgsam um ihren Nachwuchs. Dieser ist nach einem Jahr ausgewachsen, benötigt aber eine weitere Überwinterung, bevor die nächste Generation gezeugt wird.
(idw - Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, 12.12.2006 - DLO)
 
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