• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 20.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Den kenne ich doch irgendwoher?

Studie: Wo welche Erinnerungen gespeichert sind

Den kenne ich doch irgendwoher - aber woher bloß? Jeder kennt die Situation, in der ihm eine Person sehr vertraut vorkommt, er sich aber nicht erinnern kann, aus welchem Zusammenhang. In anderen Fällen haben wir eine lebendige, detailreiche und bewusste Erinnerung an die Situation, in der wir jemanden kennen gelernt haben. Grund dafür ist, dass das Gehirn diese verschiedenen Gedächtnisinhalte unterschiedlich behandelt und speichert.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Diesen Prozessen ist Jan Peters, Doktorand der International Graduate School of Neuroscience an der Ruhr- Universität Bochum, auf den Grund gegangen. Seine Folgerung: Auch eine bewusste Erinnerung ist kein einheitlicher Prozess, sondern besteht aus verschieden gespeicherten Teilinformationen. Für die Darstellung seiner Ergebnisse bekam er bei der Tagung Neurovisionen 2006 einen Nachwuchsforscherpreis.

Grundlagen des Gedächtnisses


"Es deutet vieles darauf hin, dass den beiden Phänomenen der bewussten, detailreichen Erinnerung und dem eher vagen Bekanntheitsgefühl unterschiedliche psychologische und neurobiologische Prozesse zugrunde liegen", erklärt Jan Peters. Unterschiedliche Teile des medialen Temporallappens, einer Hirnstruktur, die schon seit langem mit Gedächtnisprozessen in Verbindung gebracht wird, scheinen für die bewusste Erinnerung und das Gefühl der Bekanntheit/Vertrautheit verantwortlich zu sein.

Dass eine bewusste Erinnerung möglicherweise ebenfalls kein einheitlicher Prozess ist, hat Jan Peters in seinen Forschungsarbeiten herausgefunden.
In einer Kooperationsstudie des Lehrstuhls für Neuropsychologie der RUB, des Instituts für Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin des St. Josef Hospitals der RUB sowie der Neurologischen Klinik des Klinikums Dortmund
untersuchte der Kognitionswissenschaftler die neuropsychologischen Grundlagen der beschriebenen Gedächtnisprozesse.


Aufgabenteilung im medialen Temporallappen


Mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie wurde in einem ersten Experiment die Gehirnaktivität aufgezeichnet, während sich Versuchspersonen Bilder von Gegenständen und gesprochene Worte merkten. Beim nachfolgenden Behaltenstest wurde deutlich, dass der vordere und der hintere Bereich des medialen Temporallappens eine unterschiedliche Spezialisierung aufweisen: Während beim Erinnern von auditorischer Information (d.h. der Stimme, mit der die Worte gesprochen wurden) der hintere mediale Temporallappen aktiv war, wurde beim Erinnern von visueller Information (der Hintergrund, vor dem die Gegenstände gezeigt wurden) eher der vordere mediale Temporallappen aktiv.

In einer zweiten Studie untersuchte Peters die Merkfähigkeit einer Patientin, deren hinterer medialer Temporallappen durch einen Schlaganfall geschädigt war. "Das Gedächtnis der Patientin für Stimmen war stark beeinträchtigt, nicht jedoch das Gedächtnis für visuelle Information", fasst er die Ergebnisse zusammen. "Das weist darauf hin, dass die bewusste Erinnerung selektiv für Informationen aus einer Sinnesmodalität beeinträchtigt sein kann."

Anatomische Verschaltungen und funktionelle Spezialisierung


Wie kommt es zu dieser Spezialisierung im Temporallappen? Anatomisch ist der hintere Teil des medialen Temporallappens eher mit auditorischen Hirnarealen verschaltet, während der vordere Teil eher mit visuellen Hirngebieten verbunden ist. Diese anatomischen Verbindungen bilden vermutlich die Grundlage für die funktionelle Spezialisierung im medialen Temporallappen. Die Forschungsergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis der Hirnregionen bei, die am Behalten und Erinnern und deren Störungen nach Hirnschädigungen beteiligt sind.
(Ruhr-Universität Bochum, 07.12.2006 - NPO)
 
Printer IconShare Icon