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Freitag, 26.05.2017
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Sumatra: Nächster Tsunami noch vor 2040?

Modellrechnungen prognostizieren verheerenden Tsunami innerhalb der nächsten 30 Jahre

Vor knapp zwei Jahren wurde die Insel Sumatra von einem verheerenden Tsunami heimgesucht – bis heute haben sich die betroffenen Regionen nur teilweise wieder erholt. Doch nach Ansicht von Seismologen könnte sich eine solche Naturkatastrophe schon innerhalb der nächsten Jahrzehnte wiederholen. Das ergaben neuen, jetzt in den „Proceedings of the National Academy of Sciences” (PNAS) veröffentlichte Modellrechnungen.
Tsunami

Tsunami

Forscher um die Geologin Kerry Sieh vom California Institute of Technology und Costas Synolakis vom Tsunami-Forschungszentrum der Universität von Kalifornien analysierten den Prozess, durch den vergangene Erdbeben Städte entlang der Westküste Sumatras überschwemmt hatten mithilfe eines Computermodells. Ziel war es, ein besseres Verständnis des Verhaltens zukünftiger Flutwellen zu erhalten, um die Vorbereitungen im Katastrophenfall optimieren zu können. “Die Botschaft des Tsunami 2004 ist nicht vergessen – zumindest nicht im akademischen Beeich”, erklärt Synolakis, Leiter des Tsunami-Forschungszentrums. „Wir versuchen, proaktiv zu handeln und einer ähnlichen Katastrophe vorzubeugen.“

Die Verwerfung, die den Tsunami von 2004 auslöste, erstreckt sich weit nach Südosten. Sie reicht bis zur Südwestküste von Sumatra. Ein Bruch in diesem Bereich der „Megaverwerfung“, unter den Mentawai Inseln, erzeugte bereits zwei starke Beben und daraus resultierende Tsunamis in den 1797 und 1833. Wie Berechnungen zeigten, scheinen sich solche Ereignisse hier im Durchschnitt alle 230 Jahre zu wiederholen. Korallenproben von den Inseln dienten den Forschern als Anhaltspunkt dafür, wie stark diese Erdbeben den Meeresboden verformten. Die Muster dieser Anhebungen gaben wertvolle Informationen, auf deren Basis die Wissenschaftler die historischen Beben in ihren Computersimulationen nachvollziehen konnten.

Gefahr für Küstenstädte


Es zeigte sich, dass die Simulationen gut mit historischen Augenzeugenberichten übereinstimmten. Für Synolakis ein Hinweis darauf, dass das eingesetzte Modell grundsätzlich stimmt und dass damit auch die Prognosen für die Gefährdung der Küsten relativ verlässlich sind. Die Wissenschaftler nutzten die Simulationen, um Worst-Case-Szenarios zukünftiger Beben zu modellieren. „Die Ergebnisse bestätigen, dass die Küstengebiete Sumatras weiterhin in starker Bedrohung durch Tsunamis stehen“, erklärt Jose Borrero, Geologe von der Universität von Kalifornien und Hauptautor der Studie.


Vor allem für die in flachem Gelände liegende Küstenstadt Bengkalu mit ihren 350.000 Einwohnern prognostizierten die Daten Überflutungen bis mehrere Kilometer landeinwärts. Die größere Stadt Padang scheint, so zeigen die Modelle, teilweise durch vorgelagerte Inseln abgeschirmt zu sein. Doch zumindest während des 1797 Tsunami half ihr das nur wenig. Immerhin reichte die Wucht der Wellen aus, um ein 200-Tonnen schweres englisches Frachtschiff einen Kilometer landeinwärts zu schleudern.

Bessere Katastrophenvorsorge durch Detailwissen


„Die Population von Padang lag zwischen 1797 und 1833 bei ein paar Tausend“, erklärt Sieh. „Jetzt sind es rund 800.000 Menschen und die meisten davon leben innerhalb von nur wenigen Metern über dem Meeresspiegel. Wenn wir den Menschen in dieser 700-Kilometer Zone der Sumatraküste sagen, dass sie wahrscheinlich innerhalb der nächsten 30 Jahre einen weiteren großen Tsunami erleben werden, fragen sie natürlich nach Details. Wie viel Zeit bleibt ihnen nach einem Beben bis der Tsunami da ist, Wie weit Inland sollen sie flüchten.“

Dank der neuen Modellrechnungen können die Forscher nun zumindest einen Teil dieser Fragen beantworten. „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse helfen, die Aktivitäten im Bildungsbereich und in der Katastrophenvorsorge zu fördern und dass Veränderungen in der grundlegenden Infrastruktur der Städte und Siedlungen entlang der Küste Sumatras vorgenommen werden“, so die Forscherin.
(University of Southern California, 05.12.2006 - NPO)
 
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