• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 25.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Kein Spiderman ohne Mathe

Mathematiker macht aus Zahlen Trickfilme

Selbst Hollywood kommt nicht mehr ohne Mathematiker aus. Zu komplex sind die Spezial-Effekte in den modernen Kinofilmen. Ein Mathematiker der Freien Universität Berlin entwickelt die Algorithmen, die Godzilla zum Laufen bringen.
Superhelden turnen durch die Skyline von New York, Dinosaurier stapfen durch prähistorische Landschaften und Pistolenkugeln fliegen in Zeitlupe durch die Luft - alles erscheint echt und sieht auch so aus. Solche Effekte entstehen in Computern, die mit Algorithmen gefüttert werden. Das sind komplizierte Formeln, die dem Computer vorgeben, was er rechnen muss, damit am Schluss eine ansehnliche Animation oder ein spektakulärer Trick herauskommt. So werden Zahlen sichtbar und lebendig.

Konrad Polthier beschäftigt sich schon sein ganzes akademisches Leben mit der "Visualisierung der Mathematik", also dem Sichtbarmachen von Formeln und Gleichungen. Wer dabei an "Malen nach Zahlen" denkt, liegt vollkommen falsch. Der Professor am Fachbereich für Mathematik und Informatik der Freien Universität Berlin entwickelt zusammen mit seinem Team Algorithmen, die dabei helfen, dass Spiderman & Co. realistisch wirken. "Wir kooperieren mit einer Computer-Grafik-Firma aus Berlin", sagt Polthier. Deren Kunden sind Filmstudios aus Hollywood.

Doch die Unterhaltung im Kino ist nicht das Hauptanliegen des Zahlen- Zauberers. Schon während seines Studiums in den 1980er Jahren begann er, Gleichungen in Bilder zu verwandeln. Damals kamen die ersten Grafik-Computer auf den Markt. und erschlossen alle drei Dimensionen des Raumes: Die ersten 3D-Grafiken wurden geboren. Polthier erkannte die Möglichkeiten und war einer der Ersten, der sie nutzte. "Ich wollte eine Brücke bauen von der abstrakten Forschungs-Mathematik zu den Menschen, die sich populär-wissenschaftlich dafür interessieren", sagt der Wissenschaftler. "Auf viele wirkt Geometrie ziemlich trocken, dabei ist sie das überhaupt nicht." Ein Mathematiker habe ja keine Zahlenkolonnen im Kopf, "da passiert etwas Lebendiges". Das will er mit anderen teilen.


Auch Filme über die mathematischen Mysterien und ihre Zusammenhänge hat Polthier mit seinem Team produziert. Der Neuste erscheint im Dezember auf DVD; "Mesh" heißt er. Der Inhalt: Alle Körper und Formen lassen sich als ein Netz vieler kleiner Flächen darstellen, so genannte polyedrische Flächen, mit denen sich im Computer besonders gut arbeiten lässt. Was sich trocken anhört, kommt in dem Film als unterhaltsame und spannende Geschichte daher. Es spannt den Bogen von den griechischen Philosophen wie Platon bis zur modernen Computer-Grafik und zur modernen Wissenschaft - alles faszinierend animiert. "Die Zielgruppe sind nicht Forscher, sondern Lehrer, Schüler oder Hobby-Mathematiker", sagt Polthier. Seine Filme wurden bereits mehrfach international ausgezeichnet.

"Anschaulichkeit fördert Inspiration", findet Polthier. Deswegen setzt er seine Animation und Bilder verstärkt in der Lehre ein. Und wer weiß, vielleicht entwickelt einer seiner Studierenden eine Formel, mit der sich auch die Drehbücher manch eines Hollywood-Filmes verbessern lassen.
(Freie Universität Berlin, 01.12.2006 - NPO)
 
Printer IconShare Icon