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Samstag, 21.01.2017
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Gletscherschmelze verdoppelt Meeresanstieg

Globale Bilanz zeigt alarmierenden Trend

Die Gletscher schmelzen – soviel ist längst klar. Aber wie viel? Und was folgt daraus? Eine neue internationale Studie kommt hier zu einem alarmierende Ergebnis: Der Beitrag der weltweiten Gletscherschmelze zum Meeresspiegelanstieg hat sich in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts gegenüber dem Messzeitraum 1960 – 1990 mehr als verdoppelt. Das berichten die Forscher in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“.
Der Größenzuwachs oder das Schrumpfen der Gletscher ist eine unmittelbare Reaktion auf klimatische Bedingungen, daher gelten jährlich gemessene Massenbilanzen der Eisriesen als sichere Zeugen von Klimaänderungen. Gleichzeitig ist bekannt, dass die Gletscherschmelze zu einem Anstieg der Meeresspiegel beiträgt. Aber wie viel?

Teamwork für weltweite Bilanz


Genau das wollten der Glaziologe Georg Kaser von der Universität Innsbruck herausfinden. Dazu koordinierte er eine gemeinsam mit Wissenschaftlern der Trent University in Ontario, Kanada, dem Institute of Arctic and Alpine Research in Boulder, USA durchgeführte Studie, in der die globale Massenänderung der Gletscher und Eiskappen außerhalb der beiden großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis während der vergangenen Jahrzehnte berechnet wurde.

Muir Glacier in Alaska, August 1941 (links) und August 2004

Muir Glacier in Alaska, August 1941 (links) und August 2004

„Zu Beginn war einiges diplomatisches Geschick nötig, um die vier weltweit führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet zur Zusammenarbeit zu bewegen“ so Kaser, „dann hat die Geschichte eine spannende Eigendynamik bekommen“. Während die Berichte über die Eisschilde immer noch sehr kontrovers und mit großen Ungewissheiten behaftet sind, ist bei der Abschätzung der Gesamtmassenbilanz aller restlichen Gletscher und Eiskappen ein eindeutiger Konsens erzielt worden.


Die einzelnen Forscher haben auf Basis der gemessenen Werte unabhängig voneinander und mit unterschiedlichsten Methoden eine Extrapolation auf die weiten ungemessenen Gebiete errechnet. Das Resultat der jetzt präsentierten Zusammenschau ist die am besten abgesicherte Abschätzung aller Einzelkomponenten, die zum beobachteten Anstieg des Meeresspiegels beitragen.

Meeresspiegelanstieg beschleunigt


Der Studie zufolge ist der Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels von 0.39 ± 0.19 Millimetern pro Jahr zwischen 1961 und 1990 auf den Betrag von 0.98 ± 0.19 Millimeter zwischen 2001 und 2004 angestiegen, das bedeutet: Der Meeresspiegel ist in den letzten Jahren um mehr als das doppelte im Vergelich zum Bezugszeitraum angestiegen. Rund ein Viertel des beobachteten Meeresspiegelanstieg ereignete sich zwischen 1991 und 2004. Seit 2005 dürfte der Anstieg vermutlich noch größer geworden sein.

Die stärksten Abschmelzbeträge wurden für Patagonien berechnet, wo die beiden Eiskappen und einige kleinere Gletscher von 1961 bis 2004 rund 36 Meter dünner geworden sind. Die Gletscher in Alaska mit rund 26 Metern, jene im Nordwesten der USA und im Südwesten Kanadas mit rund 24 Metern und die Gletscher in den asiatischen Hochgebirgen mit 13 Metern folgen in der Rangliste. In diesen Gebieten waren die Klimaänderungen am stärksten.

In Bezug auf die Beiträge zum Meeresspiegelanstieg ändert sich die Reihenfolge. Denn die Abschmelzung der Gletscher in Alaska trägt am meisten zum Anstieg des Meeresspiegels bei, gefolgt von der Arktis und den asiatischen Hochgebirgen.
(Universität Innsbruck, 28.11.2006 - NPO)
 
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