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Donnerstag, 09.02.2012
G-Proteine: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Zeitlicher Ablauf von hormonellen Wirkmechanismen aufgeklärt
Viele Medikamente wirken im Körper genau dort, wo normalerweise Adrenalin und andere Hormone ihre Arbeit verrichten. Der genaue zeitliche Ablauf ihrer Wirkmechanismen war jedoch bisher unklar. Jetzt haben Wissenschaftler der Universität Würzburg erstmals die Vorgänge in Echtzeit an lebenden Zellen beobachtet und berichten darüber im "Journal of Biological Chemistry".

Moritz Bünemann (links) und Peter Hein bei der Arbeit am Mikroskop.
Moritz Bünemann (links) und Peter Hein bei der Arbeit am Mikroskop.
© Universität Würzburg
Den Herzschlag steigern, den Blutdruck erhöhen - bevor ein Hormon diese Wirkungen ausüben kann, läuft auf der Ebene der Moleküle ein ausgeklügelter Prozess ab: Das Hormon dockt zunächst an so genannte Rezeptoren an, die sich auf der Außenseite der Zellen befinden. Durch diesen Vorgang werden auf der Innenseite der Zelle spezielle G-Proteine aktiviert, die dann ihrerseits Effekte in der Zelle auslösen.

Bislang war der genaue zeitliche Ablauf dieser Prozesse unklar. Doch dem Team von Peter Hein und Arbeitsgruppenleiter Moritz Bünemann am Lehrstuhl für Pharmakologie der Uni Würzburg ist hier ein Durchbruch gelungen: Mit mikroskopischen Methoden, die sie selbst entwickelt haben, können die Forscher die fraglichen Vorgänge direkt an lebenden Zellen beobachten.

Bei ihren Experimenten stellte sich heraus: Der erste Schritt der
Hormon- bzw. Arzneimittelwirkung geht sehr schnell. Es braucht nur 50 tausendstel Sekunden, um den Rezeptor zu aktivieren und ihn die Verbindung zu den G-Proteinen aufnehmen zu lassen. Doch die G-Proteine selbst nehmen sich dann wesentlich mehr Zeit. Es dauert eine halbe Sekunde, bis sie aktiv werden - wobei auch das noch ein durchaus schneller Vorgang ist.

"Über 50 Prozent der in Deutschland verschriebenen Medikamente greifen an Rezeptoren an, die mit G-Proteinen in Wechselwirkung treten", sagt Peter Hein. Dazu gehören zum Beispiel Beta-Blocker, die etwa gegen Bluthochdruck eingesetzt werden, oder Adrenalin-ähnliche Substanzen, die akute Asthmaanfälle beenden oder auch zur Wehenhemmung eingesetzt werden.

Aus diesem Grund interessieren sich die Würzburger Forscher für die Vorgänge, die an diesen Rezeptoren ablaufen. Je besser man darüber Bescheid weiß, umso größer sind die Chancen, dieses Wissen in der Zukunft für die Entwicklung von Medikamenten zu nutzen, die noch zielgerichteter wirken und weniger Nebenwirkungen haben.
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