• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 21.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Nicht ohne meine Bakterien

Schwämme geben ihre Untermieter weiter

Viele Krankheitserreger werden immer unempfindlicher gegen die verfügbaren Medikamente. Weltweit suchen darum Forscher nach neuen Arzneistoffen, um beispielsweise Bakterien oder Pilze wieder besser bekämpfen zu können. Dabei könnten sich Meeresschwämme als Fundgrube entpuppen.
Schwamm Ircinia felix (kleines Bild: Larve)

Schwamm Ircinia felix (kleines Bild: Larve)

Schwämme sind sehr einfache Organismen, die festgewachsen zum Beispiel in tropischen Riffen oder in der Tiefsee leben. Viele von ihnen enthalten permanent jede Menge Bakterien, vermutlich weit über 100 verschiedene Arten - und genau das macht sie so interessant. Denn Bakterien können Antibiotika und andere Naturstoffe produzieren, die möglicherweise für die Behandlung von Infektionskrankheiten geeignet sind.

Doch bevor es neue Medikamente aus dem Meer gibt, ist Grundlagenforschung nötig. "Man muss ja zuerst einmal wissen, welche Bakterien in den Schwämmen überhaupt vorkommen", sagt Susanne Schmitt. Auf genau diesem Gebiet arbeitet die Doktorandin am Zentrum für Infektionsforschung der Uni Würzburg. Für ihre Arbeit sammelte die Forscherin an karibischen Riffen vor der Küste Floridas Larven des Schwammes Ircinia felix. Ein Teil davon wuchs in kleinen Containern am Riff zu Jungschwämmen heran. Im Labor verglich die Würzburger Forscherin anschließend die Bakterien der erwachsenen Schwämme mit denjenigen der Larven und Jungschwämme. Dafür setzte sie eine Kombination aus mikroskopischen und molekularen Techniken ein.

Sie geht dort unter anderem der Frage nach, wie die Bakterien überhaupt in die Schwämme hineingelangen. Das geschieht zumindest bei dem tropischen Schwamm Ircinia felix so: Die frei schwimmenden Larven, die ein erwachsener Schwamm im Zuge seiner Fortpflanzung ins Meerwasser entlässt, bekommen die Untermieter von ihrem Elternschwamm mit auf den Weg. Die Larven setzen sich dann an anderen Orten fest, wachsen heran - und müssen dabei von Anfang an nicht auf ihre "Hausbakterien" verzichten.


Welche Funktion die Bakterien für die Schwämme haben, ist bislang nicht eindeutig bekannt, wie Susanne Schmitt erklärt. Wohl aber gibt es Vermutungen. So könnten die Bakterien giftige Stoffe produzieren, die hungrigen Fischen oder anderen Räubern den Appetit auf den Schwamm vergällen. Möglicherweise spielen sie auch eine Rolle im Stoffwechsel des Schwammes, indem sie zum Beispiel dessen Abfallprodukte weiter abbauen.
(Universität Würzburg, 15.11.2006 - NPO)
 
Printer IconShare Icon