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Sonntag, 22.10.2017
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Gentherapie: Mit HIV gegen HIV

Erster Einsatz eines modifizierten HI-Virus als Genfähre erfolgreich

Zum ersten Mal hat eine Gentherapie gegen Aids die erste Phase der klinischen Studien erfolgreich absolviert. Fünf Patienten mit chronischer HIV-Infektion, die auf keine konventionelle antivirale Therapie mehr ansprachen, wurden dabei mit eigenen Immunzellen behandelt. Sie waren genetisch so modifiziert worden, dass sie die Vermehrung des HI-Virus blockierten.
HI-Virus an Zelle

HI-Virus an Zelle

Wissenschaftler der Universität von Pennsylvania unter Leitung von Carl June und Bruce Levine berichten in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), dass sich die Virenlast der Patienten durch diese Behandlung nicht veränderte oder sogar sank. Die Zahl der T-Zellen, ein wichtiger Indikator für das Fortschreiten der Krankheit, blieb bei vier Patienten ebenfalls stabil, beziehungsweise stieg sogar wieder an. Die Immunreaktion verbesserte sich.

“Das Ziel dieser Phase I Studie war es, die Sicherheit und Machbarkeit zu demonstrieren, und die Ergebnisse bestätigen das“, erklärt June. „Aber die Ergebnisse deuten auch auf sehr viel mehr hin.“ Denn die Studie ist auch aus einem anderen Grund interessant: Sie ist die erste Demonstration der Sicherheit von lentiviralen Vektoren, das heißt von Genfähren auf der Basis einer Virengruppe, zu der auch HIV gehört.

Virus als "Trojanisches Pferd"


Forscher aktivieren therapeutische Gene

Forscher aktivieren therapeutische Gene

“Der neue Vektor ist ein modifizierter HI-Virus, der unschädlich gemacht wurde und so als "Trojanisches Pferd" fungieren kann. Er trägt ein Gen in sich, das verhindert, dass neue infektiöse HI-Viren produziert werden“, erklärt Levine. „Im Prinzip blockiert der Vektor den HIV-Replikationsprozess.” Durch Genmanipulation erhielt das Trojanische Pferd eine so genannte Antisense-Gensequenz, die das Gen für ein bestimmtes Hüllprotein des Virus, VRX496, blockiert.


Voruntersuchungen hatten gezeigt, dass die HI-Viren gegen diese Art der Blockade keine Resistenz aufbauen und so ihre Vermehrung effektiv gehemmt werden kann. Mithilfe dieser viralen Genfähren schleusten die Forscher die Blockade-Sequenz in körpereigene, zuvor den Patienten entnommene T-Zellen ein. Auf diese Weise aufgerüstet, waren diese Zellen immun gegen die Angriffe des Aids-Virus.

Zehn Milliarden Genfähren


Jeder Patient erhielt dann eine Infusion mit zehn Milliarden eigenen gentechnisch modifizierten T-Zellen – das entspricht rund zwei bis zehn Prozent der normalen T-Zellzahl eines Menschen. Unmittelbar nach der Infusion blieb die T-Zellzahl tatsächlich stabil – erstmal nicht weiter erstaunlich. Doch die Überraschung folgte später: „Wir konnten die genetisch modifizierten Zellen Monate, in einem oder zwei Patienten sogar noch ein Jahr später nachweisen“, erklärt Levine. „Das ist signifikant – denn es zeigt, dass diese Zellen nicht einfach im Patienten absterben. Der richtig interessante Teil der Studie begann aber, als wir feststellten, dass die Virenlast in zwei Patienten deutlich absank, in einem Fall sogar extrem stark.“

Weitere Untersuchungen im Gange


Aber, so dämpft der Forscher überzogene Hoffnungen, „nur weil dies so ermutigende Ergebnisse in einem oder zwei Patienten gebracht hat, heißt das noch nicht, dass es für jeden wirkt. Wir müssen hier noch sehr viel mehr Arbeit leisten.“ Im Rahmen der jetzigen Studie soll jeder der Patienten über die nächsten 15 Jahre begleitet und regelmäßig untersucht werden.

Inzwischen sind bereits klinische Studien der Phase II mit VRX496 im Gange. Bei diesen soll die Wirkung und vor allem die Sicherheit wiederholter Infusionen mit den genmanipulierten Immunzellen bei Patienten getestet werden, die insgesamt in besserem Zustand sind und deren Infektion bisher durch konventionelle Mittel gut kontrolliert werden konnte. Die Forscher hoffen, dass die Gentherapie den Patienten helfen kann, die auf Dauer schädigenden retroviralen Medikamente zumindest zeitweise absetzen zu können. Erste Ergebnisse werden 2007 erwartet.
(University of Pennsylvania School of Medicine, 07.11.2006 - NPO)
 
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