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Sonntag, 17.12.2017
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Deutscher Umweltpreis verliehen

Köhler: Naturschutz ist eine Zukunftsaufgabe

Der mit 500.000 Euro höchst dotierte Umweltpreis Europas ist gestern zum 14. Mal vergeben worden. Bundespräsident Horst Köhler überreichte in Dresden den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) an den bayerischen Unternehmer Hans G. Huber und den Jenaer Ökosystemforscher Professor Ernst-Detlef Schulze. Huber erhält den Preis, weil er in Schwellen- und Entwicklungsländern qualitativ hochwertige und robuste Technologien zur Frischwasseraufbereitung und Abwasserbehandlung entwickelt und erfolgreich vertrieben hat. Als Direktor des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie erforscht Schulze Ursachen der globalen Klimaerwärmung.
Horst Köhler

Horst Köhler

In seiner Rede betonte Köhler die Bedeutung des Naturschutzes: "Seit 100 Jahren ist der Naturschutz Aufgabe des Staates. Das muss er auch weiterhin bleiben. Und zwar nicht als lästiges Anhängsel, um das man sich - je nach Kassenlage - mal mehr, mal weniger kümmert. Naturschutz ist kein Luxus, Naturschutz ist eine Zukunftsaufgabe."

Vor rund 1.500 Festgästen betonte Köhler in Dresden, Naturschutzgebiete und -parke, Nationalparke und Biosphärenreservate machten ein Viertel der Fläche Deutschlands aus. Für ihn gehöre es zu den zentralen Aufgaben einer zukunftsorientierten Politik, "diese Schatzkammer, das reiche Naturerbe unseres Landes, für unsere Kinder und Enkel zu bewahren".

Darum begrüße er auch ausdrücklich, dass die Bundesregierung zur Sicherung des Nationalen Naturerbes 125.000 Hektar Naturschutzflächen unentgeltlich in eine Bundesstiftung einbringen oder an die Länder übertragen wolle. Damit könne nun endlich auch die Idee des "Grünen Bandes" verwirklicht werden. Köhler: "Ich wünsche mir sehr, dass die künftigen Träger des nationalen Naturerbes aus diesem Geschenk etwas Gutes machen."


Wasser als Wertstoff


In seiner im Festakt per Film eingespielten Laudatio auf Huber betonte Professor Klaus Töpfer, ehemaliger Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und Mitglied der Jury des Deutschen Umweltpreises, die Auszeichnung sei gut und wohl begründet. 6,5 Milliarden Menschen brauchten Wasser - für die Landwirtschaft, zur Bewässerung, für die Industrie. Täglich würden mehr als 5.000 Menschen an Krankheiten sterben, die mit Wasser verbunden seien, vornehmlich Kinder.

Töpfer: "Und es ist nicht die Frage, dass wir nicht genug Wasser in dieser Welt haben, auch in allen Regionen. Aber wir brauchen bessere Ideen, bessere Techniken, um dieses Wasser sinnvoller, sparsamer zu nutzen. Denn wenn wir davon sprechen, dass die nächsten Kriege Wasserkriege sein werden, dann müssen wir uns heute fragen: Welches sind die Abrüstungsmaßnahmen, die vorsorgenden Abrüstungsmaßnahmen für diese Kriege? Und sie sind: Intelligente Technologien, Investitionen und gutes Management von Wasser."

Wasser müsse als Wertstoff gesehen werden. Die Firma Hans Huber habe dies sehr konsequent aufgegriffen, dazu beigetragen, dass Wasser mehrfach genutzt werden könne wie in der Kreislaufwirtschaft im Abfallbereich schon selbstverständlich. Töpfer: "Ein Unternehmen des Mittelstands, das wieder einmal belegt: Hier gibt es die Bereitschaft nachzudenken, Entwicklungen auszuarbeiten und marktfähig zu machen. Gratulation, eine gute Chance für den Standort Deutschland."

Umweltpreis für Erforschung des globalen Kohlenstoff-Kreislaufs


Zu Schulze erklärte Laudator und Jurymitglied Professor Michael Schmidt, Brandenburgische Technische Universität Cottbus, ebenfalls per Film, der Wissenschaftler erhalte den Umweltpreis für die Erforschung des globalen Kohlenstoff-Kreislaufs. Seine Ergebnisse seien nicht nur für die Grundlagenwissenschaften, sondern auch für die Klimapolitik höchst relevant. So hätten Schulze und sein Forschungsteam zeigen können, dass nur die Hälfte des in die Atmosphäre ausgestoßenen Kohlenstoffs wieder durch die Landmassen und die Ozeane gebunden werden könne. Ein weiteres und völlig neues Ergebnis sei, dass großflächiger Landnutzungswandel wie das Abholzen der Wälder ebenfalls mit zu rund 25 Prozent zur Klimaerwärmung beitrage.

Schulze selbst wies darauf hin, dass der Kohlenstoff-Ausstoß der Landwirtschaft heute noch vielfach unterschätzt werde. Dabei liege die Bedeutung etwa in der Größenordnung der fossilen Energieträger Gas, Kohle und Öl. Andererseits müsse verstärkt das Augenmerk gelegt werden auf ein Verhindern des Abholzens von Wäldern. Schulze: "Wenn einer verliert, ist das der Mensch." Denkbar sei es deshalb, dass zukünftig Landwirte "Ausgleichszahlungen" an Forstleute für diese Kompensationsmaßnahme zahlten. Schulze wies darauf hin, dass er einem Netz von 500 Wissenschaftlern europaweit vorstehe. Deshalb kröne und ehre der Deutsche Umweltpreis und gebe Auftrieb für ein großes Umfeld.

Wasser mit bester Qualität


Huber betonte, in Deutschland gebe es genügend Wasser in bester Qualität. Aber es müssten auch anwendbare Technologien geschaffen werden für Länder, die nicht so gesegnet seien wie Deutschland. Diese Idee müsse breiter gestreut werden etwa in Politik und Nicht-Regierungs-Organisationen. In Schwellenländern müsse die psychologische Hürde überwunden werden, Abwasser so aufzubereiten, dass es wieder zu verwenden sei. Dabei müsse man die Mentalität der Menschen verstehen und Vertrauen schaffen als wichtige Basis für die Zukunft. Sein Unternehmen biete Qualität und angepasste Lösungen, und er sei optimistisch, dass seinem Unternehmen die Ideen nicht ausgehen würden.
(DBU, 30.10.2006 - DLO)
 
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