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Montag, 23.01.2017
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Kortison schützt vor Höhenkrankheit

Präparat wirkt besser als bisher bekannte Medikamente

Ein altbewährtes Kortisonmittel kann das Auftreten eines Lungenödems beim Bergsteigen verhindern und zudem der Höhenkrankheit vorbeugen. Damit ist es sogar besser als das Potenzmittel Tadalafil, dessen Wirksamkeit bereits bekannt war. Dies haben Sportmediziner in einer neuen Studie festgestellt, über die sie in der aktuellen Ausgabe der amerikanischen Fachzeitschrift "Annals of Internal Medicine" berichten.
Hochgebirge

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Höhenkrankheiten sind lebensbedrohlich. Bis zu 60 Prozent alle Bergsteiger leiden bei raschem Aufstieg in 4.500 Metern Höhe an Bergkrankheit, viele haben sogar mit einem Höhenlungenödem zu kämpfen, weil in der Höhe der Luftdruck sinkt und daher weniger Sauerstoff ist in der Atemluft enthalten ist. Die roten Blutkörperchen können nicht mehr genügend Sauerstoffmoleküle transportieren, um den Körpers ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.

Sauerstoffmangel lässt Blutgefässe schrumpfen


Symptome der akuten Bergkrankheit wie Kopfschmerz, Übelkeit und Schwindel sind Ausdruck des Sauerstoffmangels im Gehirn. In der Lunge ziehen sich unter Sauerstoffmangel die Blutgefässe zusammen. Dadurch kommt es zum Austritt von Flüssigkeit in die Lungenbläschen, das heißt zu einem Lungenödem. Die Funktion der Lunge wird nachhaltig gestört: Die Betroffenen verspüren Atemnot, atmen flach und rasch, das Herz schlägt schnell, Husten stellt sich ein und die Körpertemperatur steigt. Der lebensbedrohliche Zustand bessert sich oft erstaunlich schnell, wenn der Abstieg rechtzeitig gelingt.

Die Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg und des Universitätsspitals Zürich untersuchten insgesamt 29 Testpersonen, die bereits an einem Höhenlungenödem gelitten hatten und unter strenger ärztlicher Kontrolle den Aufstieg zum über 4.500 Meter hoch gelegenen Schweizer Monte Rosa-Massiv unternahmen. Jeder Teilnehmer erhielt vor und während des 24-stündigen Aufstiegs zufällig entweder das Kortisonpräparat Dexamethason, Tadalafil oder ein Placebo. Welches Präparat sie bekamen, war weder den Teilnehmern noch den untersuchenden Medizinern bekannt. Die meisten Bergsteiger in der Placebogruppe entwickelten anschließend ein Höhenlungenödem, während nur wenige in der Tadalafil-Gruppe und keiner in der Dexamethason-Gruppe betroffen waren.


Da Tadalafil den Lungenarteriendruck senkt, war zu erwarten, dass es ein Höhenlungenödem verhindern kann, ebenso, dass Dexamethason die akute Bergkrankheit verhindert, was Tadalafil nicht bewirkt. "Das eigentliche überraschende Ergebnis dieser Studie liegt in der Tatsache, dass Dexamethason nicht nur die akute Bergkrankheit, sondern auch das Lungenhöhenödem verhindern kann", erklärt Professor Dr. Peter Baertsch, Ärztlicher Direktor der Abteilung Sportmedizin der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht bekannt, die Forscher vermuten jedoch, dass Dexamethason unter anderem über Stickoxid (NO) die Lungengefäße erweitert.

Einnahme von Kortison (noch) nicht empfohlen


Sollte Bergsteigern, die anfällig für ein Lungenhöhenödem sind, das Kortisonpräparat vorbeugend einnehmen? Baertsch empfiehlt, auf Medikamente beim Bergsteigen zu verzichten. Durch einen langsamen Aufstieg, bei dem in Höhen über 2.000 bis 3.000 Meter die Schlafhöhe im Durchschnitt um nicht mehr als 300 bsi 500 Meter pro Tag erhöht wird, tritt in der Regel weder akute Bergkrankheit noch Höhenlungenödem auf.

Da die Nebenwirkungen von Dexamethason im Vergleich zu anderen wirksamen Medikamenten wesentlich größer sein können, vor allem wenn diese über mehr als zwei bis drei Tage eingenommen werden, ist dieses Medikament auch bei gegebener Indikation nicht erste Wahl. Dies könnte sich aber ändern, falls die Wirksamkeit auch bestätigt werden kann, wenn das Medikament mittels Inhalation (Asthmasprays) direkt der Lunge zugeführt wird.
(idw - Universitätsklinikum Heidelberg, 16.10.2006 - DLO)
 
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