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Erwärmung der Arktis ungebrochen
Langzeituntersuchungen in der Framstraße fortgesetzt
Der Trend zur Erwärmung des Nordpolarmeers setzt sich weiter fort. Dies bestätigen Daten, die das deutsche Forschungsschiff „Maria S. Merian“ vor wenigen Tagen von ihrer zweiten Arktis-Expedition mit zurückgebracht hat.
Unterwegs in Arktischen Ozean
Unterwegs in Arktischen Ozean
© Ursula Schauer, AWI
„Das Wasser, das aus der Norwegensee in die Arktis strömt, ist diesen Sommer im Mittel um fast 0,8 Grad Celsius wärmer als im letzten Sommer,“ sagt Dr. Ursula Schauer vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, die Fahrtleiterin der Expedition. „Dabei waren die letzten zwei Jahre bereits wärmer als die 20 Jahre zuvor, in denen regelmäßige Messungen vorliegen. Über dem Yermakplateau, einem untermeerischen Rücken, haben die Ozeanographen gemessen, dass über 4 Grad Celsius warmes Wasser bis 81°20’ Nord vordringt,“ so Schauer. Biologen entdeckten während der Expedition Arten von tierischem Plankton aus der Norwegensee, die mit dem warmen Wasser bis in die nördlichen Breiten vorgedrungen waren, wo sie bislang nicht beobachtet wurden.

Bislang nördlichste Position
Einen Monat waren Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, der Universität Bremen und des polnischen Instituts für Ozeanographie am Rand des Meereises zwischen Grönland und Spitzbergen dem warmen Wasser auf der Spur. In diesem Jahr war die Meereisgrenze weit im Norden. So erreichte „Maria S. Merian“ bei 81°20’N ihre bislang nördlichste Position.

In der Framstraße haben die Wissenschaftler ozeanographische und biologische Langzeituntersuchungen fortgeführt, die vor zehn Jahren begonnen wurden. Der in den letzten Jahrzehnten beobachtete Klimawandel ist in der Arktis besonders stark ausgeprägt. Die Ozeanographen arbeiten daran, die Rolle der Meere in diesem Prozess besser zu verstehen. Offene Fragen sind, wie viel Wärme durch den nördlichsten Ausläufer des warmen Nordatlantikstromes in die Arktis gepumpt wird und wie stark diese Wärmepumpe variiert. Dazu wird seit 1997 an einem aufwändigen Verankerungssystem in der Meerenge zwischen Grönland und Spitzbergen der Transport warmen, salzreichen Wassers aus dem Atlantik in die Arktis gemessen.

Wärmeschub aus dem Atlantik
Die bisherigen Messungen haben gezeigt, dass es im vergangenen Jahrzehnt mehrere starke Wärmepulse gab. Aus der Kombination dieser und ähnlicher Daten wurde im Rahmen eines internationalen Programms erstmalig rekonstruiert, wie sich ein Wärmeschub aus dem Atlantik innerhalb von mehreren Jahren über das Europäische Nordmeer bis weit ins Innere der Arktis fortsetzt. Um die Zeitreihe fortzusetzen, haben die Wissenschaftler die in der Framstraße verankerten Geräte aufgenommen und durch neue ersetzt. Die automatisierten Langzeitmessungen werden durch Detailmessungen der momentanen Wassertemperatur überprüft und ergänzt.

Die Untersuchungen sind eingebunden in ein europäisches Forschungsprojekt, in dem die Langzeitentwicklung der Arktis durch Modellierung und Beobachtung untersucht wird (DAMOCLES – Developing Arctic Modeling and Observing Capabilities for Long-term Environmental Studies). Dabei steht das Zusammenspiel von Meereis, Atmosphäre und Ozean im Fokus. Ein Ziel des Projektes ist es, die potentiellen Auswirkungen des drastisch reduzierten Meereises auf das Klima und damit auf Umwelt und Mensch, sowohl regional als auch global, zu erforschen.
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