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Donnerstag, 11.03.2010
Wenn Mastzellen krank werden
Diagnose-Checkliste gegen Mastzellerkrankungen veröffentlicht
Mastzellen zählen zu den wichtigsten Stützen des Immunsystems. Sie speichern eine Vielzahl von Botenstoffen, mit denen sie bei Kontakt mit Viren, Bakterien, Parasiten und Allergenen aller Art die passende Immunreaktion einleiten und verstärken können. Entgegen der bisherigen Ansicht scheinen Störungen der Mastzellaktivität jedoch keine Seltenheit zu sein, dafür lassen sie sich jedoch nur schwer erkennen. Daher hat nun ein interdisziplinäres Ärzteteam in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift eine neue Checkliste vorgestellt, mit deren Hilfe die sehr variablen Symptome besser diagnostiziert werden können.

Mastzellen finden sich verteilt in allen Geweben und Organen. Sobald sich irgendwo ein Entzündungsherd bildet, rufen bestimmte weiße Blutkörperchen sie zur Hilfe. Zusätzliche Mastzellen wandern in den betroffenen Gewebebereich und koordinieren die Körperabwehr. Bei Menschen mit einer Mastzellerkrankung sind diese „Einsatzleiter“ der Immunabwehr aufgrund genetischer Veränderungen jedoch auch ohne Entzündung kämpferisch gestimmt. Im Darm können diese fehlerhaften Zellen mit ihrem Arsenal an chemischen Waffen die Schmerzen, Darmkrämpfe oder Verdauungsstörungen verursachen, unter denen die Betroffenen so sehr leiden.

„Mit der Checkliste können wir erstmals Patienten mit einer Störung der Mastzellaktivität klar von Gesunden unterscheiden“, erklärt Professor Dr. Gerhard J. Molderings von der Bonner Universitätsklinik. Zusammen mit einem interdisziplinären, multizentrischen Team von Ärzten hat er im Rahmen eines von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekts die klinischen Erscheinungsformen einer gestörten Mastzellaktivität zu der Checkliste zusammengeführt.

Beschwerden können zur Invalidität führen
„Mastzellaktivitätsstörungen sind entgegen der weit verbreiteten Ansicht keine sehr seltenen Erkrankungen“, erläutert Molderings weiter. „Sie werden nur zu selten diagnostiziert; die Dunkelziffer ist wahrscheinlich hoch.“ Die Beschwerden können so gravierend sein, dass die Patienten bis zur Invalidität beeinträchtigt sind. Was die Erkennung so schwierig macht, sind die Vielfalt und die für sich allein genommen geringe Spezifität der Symptome. Außerdem finden sich in der Regel keine oder allenfalls nur geringe Veränderungen von Laborwerten und Ergebnissen bildgebender Verfahren.

Hier setzt der Diagnosefragebogen an: Er erfasst gezielt die Symptome, die durch die Botenstoffe krankhaft überaktiver Mastzellen ausgelöst werden, und die dann in der Zusammenschau krankheitsspezifisch werden. „Die Anwendung der Checkliste ermöglicht eine frühere Diagnose und damit eine schnellere und erfolgversprechendere Behandlung der Patienten“, betont Molderings. Zugleich dämpft er allzu große Erwartungen: „Wir haben jetzt zwar ein effektives Diagnoseinstrument, aber in der Therapie der Erkrankung stehen wir noch ziemlich am Anfang.“ Die Erkenntnis, dass Mastzellen als zentrale Schaltstellen des Immunsystems fungieren, sei noch relativ jung. „Wir müssen dies bei der Entwicklung von neuen therapeutischen Strategien berücksichtigen, um mögliche unerwünschte Therapieeffekte im Vorfeld abschätzen zu können.“
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