Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 09.02.2012
Testosteron tötet Gehirnzellen
Hohe Dosen des männlichen Hormons lösen programmierten Zelltod aus
Testosteron unterstützt den Muskelaufbau und ist daher beliebt bei Bodybuildern und Leistungssportlern. Aber der Preis dafür ist hoch: Denn der Einsatz von Steroiden zum Muskelaufbau führt zu katastrophalen Verlusten von Gehirnzellen, das berichten jetzt Forscher in der Fachzeitschrift „Journal of Biological Chemistry“.

Männliches Geschlechtshormon Testosteron
Männliches Geschlechtshormon Testosteron
© MMCD
Das männliche Geschlechtshormon Testosteron spielt eine fundamentale Rolle für Entwicklung, Differenzierung und Wachstum von Zellen und Geweben. Auch in den Nervenzellen des Gehirns kann es Veränderungen auf zellulärer Ebene bewirken, die ihrerseits Auswirkungen auf Verhalten, Stimmungen und Gedächtnis haben. Bisher wurden sowohl schützende als auch schädigende Einflüsse des Hormons auf die Neuronen beobachtet.

Bereits seit längerem ist bekannt, dass die Einnahme von Testosteron in hohen Dosen Überregbarkeit, Aggressivität und sogar Selbstmordtendenzen auslösen kann. Worauf dieser Effekt aber beruht, war bisher nicht bekannt. Jetzt haben Wissenschaftler der Yale Universität unter Leitung von Barbara Ehrlich, Professorin für Pharmakologie und Physiologie, die Auswirkungen des Hormons an Neuronen in Zellkultur untersucht.

Die Experimente ergaben, dass hohe Konzentrationen des Testosterons bei den Zellen einen programmierten Zelltod auslösten und so die Neuronen quasi in den Selbstmord trieb. Dieser auch als Apoptose bezeichnete Mechanismus ist für viele zelluläre Prozesse, darunter auch die Entstehung von Krankheiten, entscheidend. „In dieser Studie haben wir zum ersten Mal nachgewiesen, dass die Behandlung von Neuroblastomzellen mit erhöhten Konzentrationen von Testosteron innerhalb von relativ kurzer Zeit, sechs bis zwölf Stunden, eine Abnahme der Lebensfähigkeit der Zellen durch die Aktivierung des Zelltodprogramms auslöste“, erklärt Ehrlich.

„Das nächste Mal, wenn ein Muskelprotz in einem Sportwagen Sie auf der Autobahn schneidet, werden Sie nicht wütend, holen Sie einfach tief Luft und erkennen, dass er vielleicht gar nichts dafür kann“, so die Forscherin. Wie die Forscher herausfanden, wird die Testosteron-induzierte Apoptose durch eine Überaktivierung von Kalzium-Signalwegen in den Zellen ausgelöst. Bereits zuvor ist eine Überstimulation des Apoptoseprogramms in Neuronen mit Krankheiten wie Alzheimer und Huntington in Verbindung gebracht worden.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Hormone, Neurone, Testosteron, Geschlechtshormon, Muskelaufbau, Gehirnzellen, ZElltod, APoptose, Nervenzellen, GEhirn, Alzheimer, Medizin, Neurologie
Weitere News zum Thema
Schiffslärm stresst Wale körperlich (08.02.2012)
Forscher finden Abbauprodukte von Stresshormonen in Wal-Kot
Übergewicht ist ein Risikofaktor für Krebs (03.02.2012)
Auswirkungen ähnlich stark wie beim Rauchen
Testosteron verzögert Sprechenlernen (27.01.2012)
Hormongehalt im Nabelschnurblut gibt Hinweise auf spätere Sprachentwicklung
Bonobos gewinnen Weibchen durch Freundschaft (18.01.2012)
Beziehung beeinflusst Hormonspiegel der ranghöchsten Männchen
Jugendliche: Gehirn stärker auf Belohnung programmiert (18.01.2012)
Areal für die Bildung von Gewohnheiten reagiert anders als bei Erwachsenen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Die Macht der Hormone
Alleskönner, Jungbrunnen und Liebestrank?
Doping
Siege, Rekorde und Medaillen um jeden Preis?
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
„Der kleine Unterschied“ im menschlichen Gehirn
Wie Östrogen und Co. die kognitiven Leistungen beeinflussen
Partnerwahl
Zwischen Intuition und Kalkül
News des Tages
Testosteron tötet Gehirnzellen
Stoppt Schmelzwasser die „Fernheizung Europas“?
„Dritte Säule“ der Immunabwehr entdeckt
Moleküle im Anzug
Keramik als verlustfreie Stromleiter
Farbenspektrum erhält neue Nuance
Wie wir suchen und finden
Bücher zum Thema
Die blinde Frau, die sehen kann
Rätselhafte Phänomene unseres Bewußtseins von Vilaynur S. Ramachandran und Sandra Blakeslee
Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn
von Vilaynur S. Ramachandran
Top-Clicks der Woche
1. Wie der Maulwurf zu zwölf Fingern kommt
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
4. Erster Nano-Blick in das lebende Gehirn
5. Tempolimit auf dem Quanten-Highway